Stormarn
Cyclassics in Stormarn

So haben die Stormarner die Cyclassics gefeiert

Schon früh um 9.20 Uhr wurden die Jedermänner in Trittau begeistert empfangen

Schon früh um 9.20 Uhr wurden die Jedermänner in Trittau begeistert empfangen

Foto: Lutz Kastendieck

Tausende Radsport-Fans an der Strecke zwischen Ahrensburg und Glinde. Jedermänner schon ab 8.30 Uhr mit viel Applaus unterwegs.

Ahrensburg/Trittau.  Obwohl sich die Jedermänner der 24. Cyclassics am Sonntag schon ab 8.30 Uhr und damit rund vier Stunden vor den Profis durch den Kreis Stormarn bewegten, mussten sie auf Ansporn vom Straßenrand nicht verzichten. Tausende Radsportfans säumten den Kurs zwischen Ahrensburg und Glinde und sorgten mit ihrer Begeisterung für eine festliche Atmosphäre.

An der Rausdorfer Straße in Trittau lockte nicht zuletzt lautes Pfeifen die Anwohner an die Strecke. Dort hatten Nina Peters (22) und ihr Freund Yannick Drews (25) Stellung bezogen, um die Pedaleure mit einer gelben Dreiecksflagge und Trillerpfeifen auf eine scharfe Rechtskurve hinzuweisen.

Als Streckenposten Geld für die Mannschaftskasse gesammelt

„Beim SC Wentorf wurden freiwillige Streckenposten gesucht. Da unser Punktspiel schon am Freitag war, sichern wir jetzt mit elf Leuten die Ortsdurchfahrt in Trittau. Und können mit dem Job zugleich unsere Mannschaftskasse auffüllen“, so der Fußballer aus Bergedorf. Da jeder Posten 50 Euro erhalte, sei auf diese Weise eine schöne Summe zusammengekommen.

Ein Stück weiter stehen Edeltraud (67) und Rolf Teege (70) an ihrem Gartenzaun. „Da die Strecke in diesem Jahr zum ersten Mal direkt vor unserer Haustür liegt, wollten wir uns das Spektakel natürlich nicht entgehen lassen“, sagt Edeltraud. Ihr Mann sei zwar auch gern auf zwei Rädern unterwegs. Dabei bevorzuge er indes lieber sein geliebtes Motorrad, eine waschechte Harley-Davidson.

Im Fernsehen schauen die Teeges statt Radsport lieber Tennis

Das wollte Herr Teege dann aber doch etwas relativieren. „Seit einigen Monaten habe ich zudem ein E-Bike für kürzere Strecken. Und das fahre ich auch“, sagte er. Trotzdem schaue der ehemalige Drucker im Fernsehen lieber Tennis als Radsport: „Ist spannender, da passiert einfach mehr.“

Ganz zünftig mit Rädern waren Sven Höfer (36) und Sohn Jonas (4) an die Strecke gekommen. Und mit einer besonderen Mission: Sie wollten nämlich Svens Freund Reinhard sehen, der im Jedermann-Rennen kurbelte. Und zur großen Freude der Höfers konnten sie ihn tatsächlich in einer großen Gruppe entdecken und besonders anfeuern. „Wir haben aber allen Fahrern applaudiert“, ließ Sven Höfer wissen.

Per Google-Tracker den kurbelnden Freund geortet

Verabredet hatte sich auch Familie Hoffmann, die mit Mama Alina (34), Papa Jan (33), Sohn Lio (4) und Tochter Nola (2) vollzählig versammelt war. Sie hielten gemeinsam Ausschau nach Jans Schulfreund Jörn aus Witzhave. Auf den Zufall verlassen wollten sie sich derweil nicht. Deshalb verfolgte IT-Berater Jan mit einem Google-Tracker, wo genau Jörn gerade fährt. So konnten sie ihn punktgenau orten und in seinem schicken Trikot des deutschen Profiteams Bora-hansgrohe zielsicher finden.

Lio berichtete anschließend ganz stolz, dass auch er schon ein Jahr Rad fährt: „Und von Anfang an ohne Stützräder.“ Schließlich sei er zuvor ja immer mit dem Laufrad unterwegs gewesen. Weil ihr Sohn inzwischen ziemlich flott in die Pedale tritt, hat sich Mama Alina unlängst ein gebrauchtes Fahrrad besorgt: „Sonst komme ich einfach nicht mehr hinterher“, erklärte sie.

Wohnmobil wird zum beliebten Treffpunkt für das Radrennen

Um die Mittagszeit herrschte in Ahrensburg bereits Tour-Feeling pur. Vor allem an der Manhagener Allee. Auf Höhe der Hausnummern 75/77 hatte Arno Schmuhl (64) schon um 7 Uhr wieder sein Wohnmobil in Stellung gebracht – direkt an der Straße. Bereits im Vorjahr war das rollende Heim zum beliebten Cyclassics-Treffpunkt für Freunde, Nachbarn und viele Kinder geworden.

Bevor man es sich aber bei Brombeer- und Käsekuchen, Kaffee und einem kühlen Bier in der überdachten Loge gemütlich gemacht hat, räumten die Nachbarn erst noch ein paar Warnbarken von der Piste. „Die haben die Bauarbeiter anscheinend vergessen, als der Fußweg und die Parkbuchten erneuert worden sind“, sagte Nachbar Matthias Stern.

Für 15 Jedermänner endete das Rennen im Krankenhaus

Anschließend war dann noch die Rennstrecke mit dem Schriftzug „Col de Manhagen“ versehen worden. „Immerhin liegen zwischen der Ostring-Unterführung und dem höchsten Punkt drei Meter Höhenunterschied“, so Stern. Allerdings seien die Pedaleure leider bergab und nicht hoch gefahren.

Nach Informationen der Polizeidirektion Ratzeburg sind in diesem Jahr 15 Jedermänner im Kreis Stormarn gestürzt und mussten mit Rettungswagen in umliegende Krankenhäuser gebracht werden. Zwei von ihnen erlitten schwere Verletzungen und sind stationär aufgenommen worden. Andere gestürzte Radsportler konnten das Rennen nach ambulanter Behandlung fortsetzen.