Stormarn
Model-Karriere

Mein Leben als Miss Schleswig-Holstein

Die schönste Kuh aus Schleswig-Holstein ist Nanina

Die schönste Kuh aus Schleswig-Holstein ist Nanina

Foto: Birgit Schücking / HA

Seit ihrer Geburt vor sechs Jahren lebt Nanina in Brunsbek. Die Kuh-Miss spricht im Interview über Familie und ihre Model-Karriere.

Brunsbek.  Sie ist die Schönste von allen. Sie heißt Nanina, ist sechs Jahre alt, vielfache Mutter und hat einen der größten Schönheitswettbewerbe gewonnen – für Milchkühe. In Neumünster setzte sich Nanina gegen mehr als 500 Konku(h)rrentinnen durch. Eine Jury wählte sie zu Schleswig-Holsteins schönster Kuh. In ihrem Heimatort Brunsbek wohnt die Wiederkäuerin im Stall von Christian und Stephanie Fischer. Das Abendblatt hat Nanina um ein Interview gebeten. Beim Übersetzen halfen ihre Besitzer. Die Schönheitskönigin plaudert über ihren irischen Friseur, das Traumgewicht von 700 Kilogramm und das Verhältnis zu ihrer größten Konkurrentin Lady Gaga.

Hamburger Abendblatt : Nanina, Sie sind zur schönsten Kuh Schleswig-Holsteins gewählt worden. Wie fühlt sich das an?

Nanina (Heu kauend): Gut.

Haben Sie denn damit gerechnet, den
Titel zu holen?

Nanina : Nö. Als ich in den Lastwagen eingestiegen bin, der mich nach Neumünster brachte, wusste ich gar nicht, wohin die Reise geht.

Was dachten Sie denn?

Nanina : Die Fischers melden uns oft zu solchen Wettbewerben an. Also gab es zwei Möglichkeiten. Entweder es geht nach Neumünster oder dorthin, von wo bisher noch keine Kuh nach Brunsbek zurückgekehrt ist.

Ins Schlachthaus?

Nanina (hebt langsam den Kopf): Natürlich nicht, Sie sollten sich wirklich schämen.

Wohin dann?

Nanina (wieder kauend): Zu anderen Höfen, die Kuhmodels vermitteln. Aber dass ich verkauft werden würde, konnte ich mir nicht vorstellen. Dafür mögen uns die Fischers viel zu sehr.

Schon ihre Großmutter war die schönste Kuh in Schleswig-Holsteins. Zweimal sogar. Liegt das Modeln bei ihrer Familie im Blut?

Nanina : Na klar. Aber der Erfolg ist auch ein bisschen den Fischers zu verdanken, die uns in zweiter Generation hervorragend managen.

Vor dem Wettbewerb waren Sie bestimmt aufgeregt. Wie schaffen sie es, im entscheidenden Moment ruhig zu bleiben?

Nanina : Essen beruhigt mich. Und es kommt auf ein funktionierendes Team an. Das war auch in Neumünster so. Da kümmerte sich der Kuhfitter bestens um mein Fell, während Christian (Fischer, Anm. d. Red.) mich mit Glanzspray einsprühte und die richtigen Worte zur Motivation fand.

Was ist ein Kuhfitter?

Nanina : Mein persönlicher Friseur. Er wurde extra aus Irland eingeflogen und sorgte dafür, dass jedes meiner Haare richtig saß. Er kümmert sich aber auch um andere Dinge, schmierte zum Beispiel mein Euter mit Babyöl ein. Vor einem Wettbewerb muss das sein. Privat bin ich eher leger.

Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.

Nanina : So ging es der Jury auch. Meine Schönheit machte sie sprachlos. Deswegen habe ich gewonnen.

Auf was genau achten die Juroren bei Schönheitswettbewerben für Kühe eigentlich? Heidi Klum bewertet ihre Nachwuchsmodels nach großen Augen, langen Beinen und einem schlanken Körper. Muss die schönste Kuh des Norden ähnliche Attribute vorweisen können?

Nanina (schnauft): Nein, natürlich nicht. Solche Eigenschaften sind absolut nutzlos. Bei uns geht es darum, die Jury mit funktionalen Merkmalen zu überzeugen.

Die da wären?

Nanina : Naja, wir müssen durch unser Aussehen nachweisen, dass wir gesund sind und gute Milch geben. Anhand meines Körpervolumens stellt die Jury zum Beispiel fest, wie gut ich Nahrung verwerten kann und ob ich viel Kraftfutter benötige. Ebenfalls wichtig ist das Aussehen des Euters. Es muss im Idealfall schön prall sein und darf nicht zu tief hängen. Aber das ist bei der Sendung mit der Heidi Klum ja auch nicht anders (grinst).

Gibt es die perfekten Kuh-Maße?

Nanina : Natürlich. Ich komme auf 1,56 Meter Kreuzbeinhöhe bei 700 Kilogramm Gewicht. Besser geht’s kaum.

In Brunsbek leben Sie in einer Wohngemeinschaft mit vielen anderen Kühen. Als Star des Stalls genießen Sie doch sicherlich gewisse Privilegien, oder?

Nanina : Ja, das tue ich. Ehre, wem Ehre gebührt. Ich werde täglich gewaschen, habe einen eigenen Ernährungsplan und eine größere Box als die anderen.

Sind ihre Freundinnen deswegen neidisch?

Nanina : Das kann schon sein. Genau kann ich das aber nicht sagen, weil wir uns kaum miteinander unterhalten. Sie müssen wissen, dass Kühe nicht besonders redselig sind.

Sie haben aber schon recht viel erzählt.

Nanina (muht): Naja, wenn ich erst mal angefangen habe, kann ich schnattern wie ‘ne Gans.

Bleibt bei so vielen Terminen überhaupt Zeit fürs Privatleben?

Nanina : Familie und Karriere lassen sich in dieser Branche nicht nur gut verbinden, sondern müssen sogar kombiniert werden. Denn wir Kühe sehen besonders jung und frisch aus, nachdem wir gekalbt haben.

Wie viele Kälber haben sie?

Nanina : Zwei oder drei glaube ich. Eine meiner Töchter jedenfalls tritt vielleicht schon bald in meine Hufstapfen. Im März gibt es in Mainz eine Jungzüchterschau. Je nachdem wie fit sie ist, nimmt sie daran teil. Ich bin sehr stolz auf sie.

Sie haben schon viel erreicht. Wo soll ihre Model-Karriere noch hinführen?

Nanina : Ich bin recht jung, und im Sommer findet die Europaschau in Frankreich statt. Nur die zehn schönsten Kühe Deutschlands werden dorthin eingeladen. Meine Chancen stehen nicht schlecht. Das wäre die Gelegenheit für mich, internationale Bekanntheit zu erlangen.

Und wenn das nicht klappt?

Nanina : Dann versuche ich wenigstens, Lady Gaga vom Thron zu stoßen.

Singen können Sie also auch?

Nanina : Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen ist: Ich bin eine Kuh. Singen ist also nicht drin. Wie kommen Sie bloß auf so etwas?

Sie erwähnten Lady Gaga ...

Nanina : Weil das der Name von Deutschlands schönster Kuh ist. Sie wurde auf der Holstein-Schau in Oldenburg gewählt und darf sich in Deutschland bis zur nächsten Wahl Grand Champion nennen.

Verstehe. Eine Frage noch: Kann man schlafende Kühe wirklich umschubsen?

Nanina : Ich habe selten so etwas Bescheuertes gehört. Erstens: Wenn wir schlafen, dann liegen wir. Wenn wir stehen, dösen wir höchstens vor uns hin. Zweitens: Sie können ja mal versuchen, 700 Kilo umzuwerfen. Das schaffen selbst mehrere betrunkene Bauernjungs nicht.