Stormarn
Kreis Stormarn

Zu viele Auflagen? Vielen Landwirten droht das Aus

Prof. Dr. Sebastian Hess (l.) von der Christian-Albrechts-Universität und der Vorsitzende des Verbands, Hans-Joachim Wendt

Prof. Dr. Sebastian Hess (l.) von der Christian-Albrechts-Universität und der Vorsitzende des Verbands, Hans-Joachim Wendt

Foto: Finn Fischer / HA

Sorge beim Kreisbauerntag: Schätzungen gehen davon aus, dass jeder zehnte Milchviehhalter oder Schweinezüchter aufgeben könnte.

BaD oLDESLOE.  Die Rohstoffpreise sind im Keller, die Weltwirtschaftslage scheint unberechenbar. Der Winter ist zu warm, das Frühjahr wird vermutlich zu kühl und zu trocken. Beim Kreisbauerntag in der Stormarnhalle in Bad Oldesloe tauschten sich am Freitag rund 400 Landwirte aus. Bei ihnen dominieren Ängste über eine ungewisse Zukunft. Besonders gebeutelt scheinen die Schweine- und Milchviehhalter.

„Erste Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu zehn Prozent der Betriebe aufgeben könnten“, sagt Hans-Joachim Wendt, Vorsitzender des Stormarner Kreisbauernverbandes. Einen derartigen Strukturwandel habe es zuletzt vor 15 Jahren gegeben. Unter der damaligen Ministerin Renate Künast schwand das Vertrauen in die Politik.

„Ähnliches scheinen wir heute wieder zu erleben“, sagt Wendt und zählt die Gründe für die Skepsis auf: „Immer mehr Auflagen, keine Rechtssicherheit bei Baumaßnahmen, neue Düngeverordnung, Pflanzenschutzmittelabgabe und ein neues Landesnaturschutzgesetz.“ Doch es gibt auch Grund zu Optimismus. Viel Lob hatte der Vorsitzende für die nachfolgende Generation der Landwirte übrig, die durchaus positiv in die Zukunft blicken und sich ihren Weg suchen. „Mit jeder neuen Generation gibt es auch Veränderungen“, so Wendt. Und technischer Fortschritt mache auch Spaß.

Wissenschaftler betont die Chancen neuer Technologien

Neue Ansätze und Einflüsse bot der Vortrag von Sebastian Hess, Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Der Agrar-Wissenschaftler referierte unter dem Titel „Nahrungsmittel auf Weltreise: Mythen und Fakten zur Globalisierung der Welternährung“ über die zunehmende Globalisierung der Märkte für Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel. Der Vortrag beleuchtete auch einige exemplarisch ausgewählte Mythen, die teilweise Eingang in den öffentlichen Diskurs gefunden haben.

„Entgegen einer weit verbreiteten Meinung haben Transporte von Nahrungsmitteln nur einen sehr geringen Einfluss auf die Ökobilanz“, sagt der Agrar-Experte. Wesentlich entscheidender sei die Wahl des Produktionsverfahren und des Produktionsstandort. Sebastian Hess: „Wir sollten uns neuen Technologien nicht verschließen.“