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Ahrensburg

Callcenter sucht 100 neue Kollegen

Die Ahrensburger Callcenter-Firma Invacon angelt sich den Großauftrag eines Autokonzerns. Nun geht die Firma optimistisch auf Expansionskurs.

Ahrensburg. Die mittelständischen Unternehmen gelten in Deutschland als Jobmotor. Ein Rädchen in diesem riesigen Motor ist die Firma Invacon aus Ahrensburg, die für Konzerne wie etwa VW, BMW und Lufthansa Vertriebs- und Marketingkampagnen macht. Christian Landau hat das Unternehmen 2000 als Ein-Mann-Betrieb gegründet, arbeitete zunächst auch als Angestellter bei einem Callcenter weiter. 2003 machte sich Landau dann endgültig selbstständig und startete von der heimischen Küche aus durch. Er sagt: "Ich wusste, dass viel Potenzial in der Branche steckt, weil es eine wertvolle Dienstleistung ist." Es gelte allerdings, jedes Telefonat mit Hingabe zu führen.

Landaus eigene Hingabe zum Medium Telefon hat ihn weit gebracht. Denn heute, fast zehn Jahre nach der Gründung, ist er Chef von 150 festen Mitarbeitern am Standort in einem Bürokomplex im Ahrensburger Gewerbegebiet sowie weiteren 650 freien Arbeitskräften weltweit. Doch damit nicht genug. Bis zum Jahresende werden zusätzlich 100 Mitarbeiter gesucht.

Aktueller Anlass für den Expansionskurs ist, dass Invacon eine Ausschreibung eines führenden deutschen Automobilherstellers gewonnen hat. Per Telefon sollen die Mitarbeiter zunächst bis Ende 2015 Kunden des Autobauers befragen, wie zufrieden sie mit dem Service beim Kauf sowie bei der Reparatur sind.

+++ Namhafte Kunden +++

"Dabei haben wir uns gegen die Elite der deutschen Konkurrenz durchgesetzt", sagt der 36 Jahre alte Invacon-Geschäftsführer stolz. Der Auftrag hat laut Landau ein Volumen von 6,8 Millionen Euro. "Wir haben mit einem sehr nüchternen und gradlinigen Mann verhandelt", sagt Christian Landau. Die Gespräche seien nicht einfach gewesen. "Schließlich wurde uns gesagt, dass wir den Champagner schon mal kalt stellen könnten, ihn aber noch nicht öffnen sollten", sagt der Geschäftsführer. Während er von den Verhandlungen in der Konzernzentrale erzählt, ist dem Chef noch immer die Aufregung und Bedeutung des Termins Mitte März anzumerken. "Wir mussten noch eine Woche auf die positive Nachricht warten", so Landau. "Dann haben wir in kleinem Kreis tatsächlich kurz angestoßen." Mit allen Mitarbeitern habe man den Erfolg mit einem Mittagessen gefeiert.

Nach dem Zuschlag für die Ahrensburger Firma ist es nun Aufgabe von Personalentwicklerin Ariana Koksch und Projektleiterin Claudia Balling, die neuen Mitarbeiter zu finden. "Erste Gespräche haben wir schon geführt", sagt Koksch. "Zunächst suchen wir Teamleiter, um schon mal das Gerüst zu haben", ergänzt Balling.

Auf jede Stelle kämen zwei bis drei Bewerber, so die Projektleiterin. "Entscheidend ist für uns der persönliche Eindruck im Vorstellungsgespräch. Wir achten auf eine kultivierte Ausdrucksweise und ein entsprechendes Auftreten", sagt die 34-jährige Balling. Dagegen seien Schulnoten und ein zielstrebiger Lebenslauf nicht so wichtig.

Die neuen Mitarbeiter erhalten zunächst Ein-Jahres-Verträge. "Am Anfang verdienen sie acht Euro pro Stunde. Wenn die Mitarbeiter die sechs Monate dauernde Probezeit überstanden haben, gibt es eine Erhöhung", sagt die Projektleiterin. Je nach Aufgabenstellung erwarte man von den Beschäftigten sieben bis acht Telefongespräche pro Stunde, so Balling.

+++ Vertrauen auf den Mittelstand +++

Der Chef möchte bereits Anfang September mit dem Testbetrieb starten. Landau: "Unsere Mitarbeiter werden mit einem Zehntel des Gesamtvolumens beginnen. Die übrigen Gespräche werden zunächst durch unseren Vorgänger weitergeführt." Am 2. Januar gehe es dann richtig los. "Damit die neuen Mitarbeiter hier auch unterkommen, mieten wir im Gebäude zusätzlich zwei Flure mit zehn Büroräumen. So entstehen 80 neue Arbeitsplätze", sagt Ariana Koksch. Gearbeitet wird zwischen 8 und 20 Uhr. Landau: "Wir suchen sowohl 400-Euro-Jobber als auch Teil- und Vollzeitkräfte." Die Neuen sollen einen Monat lang eingearbeitet und fortgebildet werden.

Bereits seit mehr als sechs Jahren arbeitet Esther Martensen auf 400-Euro-Basis für Invacon. Die gelernte Buchhalterin telefoniert noch immer gern. "Ich freue mich schon auf neue Gesichter. Es ist toll, wenn das Unternehmen wächst", sagt die 57-Jährige. An ihrer Arbeit reizt sie der Kontakt zu den Menschen. "Ich rede sehr gern", sagt Martensen und lacht. Kontaktfreudig sollten auch die 100 Neuen sein. Und wichtig ist dem Chef, dass mit Hingabe telefoniert wird.