Mahnmal: Streit um Aussagen

Stolpersteine: CDU-Politiker in der Kritik

Auch Parteikollegen distanzieren sich von Bohlmann und Behr, die sich gegen die Gedenkaktion aussprechen.

Stade. Die Diskussion um Stolpersteine in Stade geht weiter. Und die CDU präsentiert sich uneins. Grund für den Parteizwist sind die Aussagen der beiden Stader CDU-Ratsherren Dieter-Theodor Bohlmann und Karsten Behr. Die Politiker sprechen sich gegen Stolpersteine aus, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

"Ich widerspreche meinen Parteikollegen entschieden. Ich kann die Meinung nicht teilen", sagt die CDU-Bundestagsabgeordnete Martina Krogmann. Die Politikerin befürwortet die Stolpersteine, weil sie eine persönliche Form der Erinnerung sei. Den Hinweis von Bohlmann, dass ausreichend an die NS-Opfer gedacht werde, lässt Krogmann nicht gelten: "Mahnmahle sollten und können nicht miteinander aufgerechnet werden." Stolpersteine seien eine wichtige und zusätzliche Gedenkaktion, auch für Stade.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Kai Seefried geht ebenfalls zu Behr und Bohlmann auf Distanz: "Es ist richtig und wichtig, auf unterschiedliche Wege zu erinnern." Allerdings wolle er seinen Parteikollegen nicht in den Rücken fallen: "Die Entscheidung muss die Stadt fällen."

Die zehn mal zehn Zentimeter großen "Stolpersteine" sind aus Messing und werden in das Pflaster vor einem Haus eingelassen, in dem ein NS-Opfer vor seiner Deportation oder Verhaftung zuletzt gewohnt hat. Bereits 2004 wollte der Initiator Peter Hess Stolpersteine in das öffentliche Pflaster der Hansestadt einlassen (das Abendblatt berichtete). Doch eine Mehrheit aus CDU, FDP und Wählergemeinschaft (WG) lehnte die Planungen im Kultur- und Verwaltungsausschuss ab.

Während die CDU-Politiker auf Landes- und Bundesebene ihren kommunalen Kollegen widersprechen, bekommen Bohlmann und Behr von einem Ratskollegen Unterstützung. "Stade hat andere Formen des Erinnerns. Wir müssen nicht alles nachmachen, was in anderen Städten gemacht wird", sagt der Stader CDU-Ratsherr Andreas Schwander. Die Hansestadt erinnere vorbildlich an die NS-Opfer. Ob das ausreichend sei, könne aber durchaus erneut überprüft werden.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Petra Tiemann weiß auch ohne Überprüfung die Antwort auf diese Frage: "Es kann nie genug erinnert werden." Zur deutschen Geschichte gehörten eben nicht nur historische Bauernhäuser, sondern auch die fatalen Ereignisse der jüngeren Vergangenheit. Sie weißt Behrs Argument entschieden zurück, dass sich der Künstler der Stolpersteine Gunter Demnig nur bereichern wolle. "Die Aussagen der beiden CDU-Politiker sind unglücklich und nicht zu Ende gedacht", so Petra Tiemann. Politiker müssten Vorbilder sein, wenn sie Entscheidungen fällen.

Die Landtagsabgeordnete vermutet, dass bei der Ablehnung gegenüber den Steinen die Schuldfrage eine Rolle gespielt habe: "Aber es geht nicht um Schuldige. Die suchen wir auch nicht. Hier geht es nur um die Opfer."

Um die NS-Opfer geht es auch Ulrich Hemke, Ratsherr der Grünen. Er befürwortet die Aktion und will einen neuen Versuch starten. Doch zunächst wolle er mit dem Koalitionspartner SPD sprechen. Dann könne ein neuer Antrag gestellt werden. "Erst müssen wir gemeinsam darüber sprechen und alle Argumente abwägen, damit das Projekt auch erfolgreich ist. Aber ich bleibe am Ball", sagt der Politiker.

Diesmal könnte es sogar Unterstützung aus dem anderen Parteilager geben, denn Ingelore Heueck, WG-Fraktionsvorsitzende, will den zweiten Anlauf unterstützen, obwohl sie 2004 gegen die Aktion gestimmt hatte und die jetzige Haltung der CDU nicht kommentieren will. Sie ist zuversichtlich, dass Sponsoren gefunden werden, die die Kosten von 94 Euro pro Stolperstein übernehmen. Außerdem würde Heueck die Pflege der Messingplatten übernehmen.