OLG Schleswig

Nach Lärm-Urteil: Ist der Sylter Flughafen in Gefahr?

Der Flughafen von Sylt in Westerland.

Der Flughafen von Sylt in Westerland.

Foto: picture alliance

Oberlandesgericht verdonnert den Flughafen zu einer weiteren Reduzierung des Lärms. Zwei Frauen aus Keitum hatten geklagt.

Keitum / Westerland / Schleswig. Der Flughafen Sylt steht vor einer schwierigen Herausforderung. Grund ist ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) in Schleswig. Dort waren am Mittwoch zwei Anwohnerinnen aus Keitum mit ihrer Klage erfolgreich, die eine Deckelung des Fluglärms auf Sylt zum Ziel hatte.

Das Gericht verurteilte die Flughafenbetreiberin in dem Berufungsprozess, den Flughafen Sylt in der Zeit zwischen 6 und 22 Uhr so zu betreiben, dass die Grundstücke der Klägerinnen in Keitum nicht mit einem Dauerschallpegel von mehr als 55 dB(A) belastet werden.

Sylt: Fluglärm über Keitum muss reduziert werden

Den beiden Klägerinnen gehören Immobilien in Keitum auf Sylt. Die nun entschiedene Klage war die letzte von mehreren Berufungsverfahren zu dem Thema am OLG Schleswig. Nach Ansicht des Gerichts stehe den Klägerinnen ein zivilrechtlicher Abwehranspruch zu.

Ihr Grundeigentum werde durch Fluglärm mit einem Dauerschallpegel von mehr als 55 dB(A) so stark beeinträchtigt, dass sie diesen nicht mehr dulden müssten. Zudem habe die Betreibergesellschaft des Sylter Flughafens nicht ausreichend dargelegt, dass die Einhaltung von maximal 55 dB(A) im Bereich der Immobilien der Klägerinnen zu einer Einstellung des Flugbetriebs oder auch nur eines nennenswerten Teils führe.

Sylter Flughafen peilt offenbar 300.000 Passagiere an

So stehe nicht fest, dass das Ziel des Flughafens – jährlich 300.000 Passagiere zu befördern – bei einer Deckelung des Lärmpegels nicht zu erreichen sei. „Ob der Flughafen Westerland/Sylt darüber hinaus überhaupt über das Potenzial zu einer derartigen Entwicklung der Passagierzahlen verfügt, lässt sich dem Vortrag der Beklagten nicht hinreichend entnehmen“, so das Gericht.

Der Flughafen Sylt rechnet nach Angaben von Geschäftsführer Peter Douven vom Juli für dieses Jahr mit 135.000 Passagieren. Das entspricht einem Plus von drei Prozent gegenüber 2018. Täglich erreichen demnach drei bis zehn Linienflüge den Westerländer Flughafen.