Wedel

SC Rist-Basketballer an cleveren Schwaben gescheitert

Die Zweitliga-Basketballer des SC Rist blicken trotz 53:68-Niederlage im dritten Play-off-Spiel gegen Weißenhorn auf ihre beste Pro-B-Saison zurück-

Wedel. Die große Party fiel aus. Unmittelbar nach die Schlusssirene des dritten und entscheidenden Play-off-Viertelfinal-Duells der 2. Bundesliga Pro B zwischen den Basketballern des SC Rist und der BG Illertal-Weißenhorn in der Wedeler Steinberghalle machten sich helfende Hände daran, Ordnung zu schaffen. Tische und Stühle wurden gestapelt, Mischpult und Mikrofone ausgestöpselt, Plakate von den Wänden entfernt. Auch die Tribüne, auf der zuvor das Gros der 650 Zuschauer mit den Spielern im grün-gelben Trikot des Heimteams gehofft, gebangt und gelitten hatte, leerte sich schlagartig. Zuletzt erlosch auch noch die Beleuchtung der erst zu Saisonbeginn in Betrieb genommenen LED-Anzeige.

Bis zu diesem Zeitpunkt war dort in großen Ziffern gelb auf schwarz die Ursache der fehlenden Feierlaune abzulesen. Mit 53:68 (27:38) hatten die Wedeler den Vergleich mit dem Junior-Team des deutschen Basketball-Vizemeisters ratiopharm Ulm verloren und den Halbfinal-Einzug verpasst. Es wäre der größte Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte gewesen, nur vergleichbar mit dem möglichen Bundesliga-Aufstieg 1987/88, auf den der Club dann aber aus wirtschaftlichen Gründen verzichtete.

Die Enttäuschung, den Coup verpasst zu haben, war sämtlichen Spielern des Heimteams anzumerken, allen voran den US-Amerikanern Harold August Johnston und Davey Hopkins. "Der Gegner hat einen Topjob in der Verteidigung gemacht", sagte Kapitän Johnston, der es auf für seine Verhältnise bescheidene neun Punkte brachte. Hopkins dagegen war zusammen mit Fabian Böke, der 13 Punkte und 16 Rebounds bilanzierte, effektivster Wedeler. Zu Beginn des dritten Viertels initiierte der 24 Jahre alte Kalifornier mit fünf Punkten in Folge fast allein eine Aufholjagd, auf die die Gäste aus Schwaben aber ebenso wie auf alle taktischen Manöver von Rist-Headcoach Sebastian Gleim die passende Antwort parat hatten.

Der 28 Jahre alte Wedeler Trainer, der das Team kurz vor Saisonbeginn übernommen und zwischenzeitlich an die Tabellenspitze der Pro B Nord geführt hatte, zeigte sich vor allem von der Unterstützung durch die Rist-Fans beeindruckt. "Kompliment an die Zuschauer, die uns in einem einseitigen Spiel unermüdlich angefeuert haben." Sein Team sei in der Schlussphase einer langen Saison an seine Grenzen gestoßen. "Die Akkus waren leer, es war einfach nicht mehr drin." Im fünften Play-off-Duell mit dem Kooperationspartner eines Bundesligisten in Folge hätten seine Spieler, die im Achtelfinale die Junior Skyliners Frankfurt ausgeschaltet hatten, nach dem 76:75 in Weißenhorn erneut ans Limit gehen müssen. "Zwei Spiele auf diesem Niveau in drei Tagen sind für einen Club mit unserem Umfeld kaum zu schaffen."

Ganz andere Möglichkeiten bietet dagegen der BG Illertal-Weißenhorn die Zusammenarbeit mit dem deutschen Vizemeisters ratiopharm Ulm. Statt mit dem Bus zu fahren, flogen die Schwaben von Stuttgart nach Hamburg. Dass Gästecoach Tim Lewis nur sieben Spieler mitgenommen hatte, darunter Kay Gausa, der im Sommer 2012 vom SC Rist nach Ulm gewechselt war, sorgte zu Spielbeginn am Steinberg für Optimismus. Ein übriges tat die frühe 8:2-Führung der zunächst selbstbewusst erscheinenden Wedeler. Doch der Blitzstart erwies sich als trügerisch. Die Weißenhorner verteidigten hart, gestatteten vor allem den Scharfschützen Johnston und Marvin Boadu keine freien Würfe und trafen hochprozentig aus der Ferndistanz.

Dem hatte die zunehmend gehemmt wirkende Heimmannschaft nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Im Angriff wollte kaum etwas gelingen, selbst zweite und dritte Chancen nach Offensiv-Abprallern blieben ungenutzt. "Wir hätten uns cleverer anstellen müssen", sagte Fabian Böke. Wie seine Teamkameraden gratulierte der 2,08-Meter-Mann nach Spielende seinem ehemaligen Clubkameraden Kay Gausa, der nun als einziger Wedeler im Play-off-Halbfinale steht. "Wir hatten mit unserem kleinen Kader ohnehin nichts zu verlieren, und dann haben wir auch noch gut ins Spiel gefunden", sagte der 20 Jahre alte Flügelspieler. Wie schon nach Spiel eins der Serie, das Weißenhorn 74:66 gewann, war dem Neu-Ulmer nur ein kurzer Heimaturlaub vergönnt. Nach Übernachtung im Elternhaus ging es mit Teamkamerad Till-Joscha Jönke früh morgens per Bahn zum Bundesliga-Topspiel bei den Brose Baskets Bamberg.

Bei den Wedelern hingegen läuft schon jetzt die Planung für die kommenden Pro-B-Spielzeit an. Einige Personalien stehen fest. So wechselt U18-Nationalspieler Ismet Akpinar zum Bundesliga-Club ALBA Berlin, während Fabian Böke seinen Vertrag vorzeitig verlängert hat. 2013/14 ist erscheint weise eine weitere Steigerung möglich, nachdem der SC Rist in dieser Saison schon alle Erwartungen übertraf. Mut machte den Fans in der Halbzeitpause des dritten Play-off-Spiel Überraschungsgast Pascal Roller. Im Gespräch mit Moderator Arne Malsch plädierte der 36 Jahre alte ehemalige Nationalspieler für Hamburg als Bundesliga-Standort. "Es wird Zeit, dass sich in dieser Hinsicht etwas tut." Im bisherigen Konzept für ein Erstliga-Team in der Metropolregion ist für den SC Rist die Rolle des Juniorpartners und Talenteförderers vorgesehen.