Kreis Pinneberg

Uetersen wählt – der große Kandidaten-Check

Vier Männer und eine Frau aus drei Parteien wollen ins Bürgermeisterbüro einziehen. Wer sie sind, welche Ziele sie haben.

Uetersen.  Vier Uetersener und ein Pinneberger wollen Bürgermeister beziehungsweise Bürgermeisterin in Uetersen werden. Jetzt trafen die fünf Kandidaten erstmals öffentlich aufeinander. Gut zwei Stunden stellten sie sich den Fragen des Radiomoderators Carsten Kock und den etwa 100 Bürgern, die in die LMG-Halle gekommen waren. Die Vorstellungsrunde wurde per Live-Stream im Internet übertragen. Wie haben sie sich geschlagen? Der Check.

Erfahrung:

Thorsten Berndt: War schon in den 90er-Jahren GAL-Ratsherr in Uetersen, Kreistagsabgeordneter und viele Jahre Kreisgeschäftsführer der Grünen.

Baris Karabacak: CDU-Ratsherr in Pinneberg, saß vier Jahre im Vorstand des CDU-Landesverbandes, ist Vorsitzender des Vereins Brücken der Kulturen.

Anne Dorothea Lamsbach: Für die CDU sitzt die vierfache Mutter erst seit 2018 im Rat. Ihr Mandat will sie nicht aufgeben, insofern bleibe sie den Uetersenern so oder so erhalten, sagte sie.

Bernd Möbius: Für den ehemaligen Fraktionschef der Grünen und Organisator des Rock’n-Rose-Festivals in Uetersen ist es der zweite Anlauf. Er trat 2014 gegen Andrea Hansen an. Er hat sein Ratsmandat niedergelegt.

Dirk Woschei: War Ratsherr der SPD, hat sein Mandat aber wegen der Bürgermeisterkandidatur niedergelegt.

Auftreten:

Thorsten Berndt: Jeans, Sakko, keine Krawatte, wirkte anfangs etwas nervös, fing sich aber schnell, trug seine Argumente frei vor.

Baris Karabacak: Anzug, blaue Krawatte. Er sprach weitgehend frei, schien seine Rede nicht vorher ausgearbeitet zu haben.

Anne Dorothea Lamsbach trug einen dunklen Rock und Boots. Sie sprach frei und tigerte mit dem Mikro kreuz und quer über die Bühne. Sie lachte oft.

Bernd Möbius trug Jeans, Sakko und Krawatte. Er sprach so gut wie frei, wirkte sehr souverän und auf den Punkt konzentriert.

Dirk Woschei: Anzug und rote Krawatte. Hatte seine Rede ausgearbeitet vorliegen, die er aber frei vortrug. Wirkte sehr gut vorbereitet.

Botschaft:

Thorsten Berndt: Er will endlich den Stichhafen beleben und dabei klein anfangen mit Hausbooten und Tiny-Houses. Als ein Ort der Begegnung würde dies auch die Fußgängerzone aufwerten. Will als Bürgermeister über Twitter, Instagram und Facebook kommunizieren.

Baris Karabacak: „Führung ist das A und O. Ich komme, um zu bleiben.“ Er will vor allem die Wirtschaft stärken, mehr Sportmöglichkeiten anbieten und mehr Touristen nach Uetersen locken. Das Bürgermeisteramt sei „kein 40-Stunden-Job“, sondern verlange Einsatz von bis zu 70 Stunden auch am Wochenende.

Anne Dorothea Lamsbach: Als Bürgermeisterin würde sie „Hilfe zur Selbsthilfe“ geben, „Mut, Neugier und Bereitschaft“ zeigen, und sie empfahl den Zuhörern, sich mit Fair Trade, Gemeinwohl-Ökonomie und der Uno-Agenda 2030 zu beschäftigen.

Bernd Möbius verspricht: „Ich werde für Sie da und jederzeit erreichbar sein.“ Darum würde er das Bürgermeisterbüro auch vom vierten Stock ins Erdgeschoss verlagern, um für Bürger und Mitarbeiter besser erreichbar zu sein.

Dirk Woschei: verspricht mehr Bürgerbeteiligung, will Sprechstunden einrichten. Durch eine Bodenbevorratung soll Uetersen dafür sorgen, dass Wohnraum bezahlbarer für alle wird. Bushaltestellen sollen barrierefrei werden.

Vision:

Anne Dorothea Lamsbach: In zehn, 15 Jahren werden sich zahlreiche Start-up-Unternehmen aus Hamburg in Uetersen angesiedelt haben, die sich mit nachhaltigen Ideen selbstständig gemacht haben. „Junge Leute wollen dann nicht mehr weg aus Uetersen.“

Bernd Möbius: Uetersen wird zu einer „menschengerechten Stadt“ statt wie jetzt „autogerecht“. Auf dem Hatlapa-Gelände werden eine Bierbrauerei und eine Event-Location sein. Es gibt eine direkte Bahnverbindung nach Hamburg. „Uetersen wird kaum wiedererkennbar sein. Uetersen strahlt.“

Thorsten Berndt: Im Jahr 2035 gibt es keine Staus mehr auf den Straßen, weil die Verkehrswende vollzogen ist. Uetersen ist vollständig barrierefrei und klimaneutral. „Es ist ein grüner Lebensort, in dem es sich entspannt leben lässt.“

Dirk Woschei: Die mobile Arbeitswelt macht überall Homeoffice möglich, sodass die Uetersener ihre Stadt auch tagsüber und nicht nur am Wochenende sehen können. Die Stadt sichert sich Vorkaufsrechte für wichtige Baugrundstücke.

Baris Karabacak: 2035 ist die K 22 endlich ausgebaut. Es gibt bessere Radwege, mehr Fahrradabstellplätze und Begegnungsorte für Jung und Alt. Auf dem Hatlapa-Gelände floriert ein neuer Gewerbepark.

Applaus-Faktor:

Die etwa 100 Zuhörer in der Sporthalle schienen zufrieden zu sein mit dem Auftreten und den Aussagen aller fünf möglichen künftigen Verwaltungschefs im Rathaus. Ein Favorit war nicht auszumachen. Alle wurden mit etwa dem gleichen wohlwollenden Applaus bedacht. Aber: Keiner begeisterte die Zuschauer in besonderer Weise.