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Ein Ur-Quickborner sagt seiner Stadt "Adieu"

Am 25. Februar wird Klaus  H. Hensel alle seine politischen Ämter und sein Ratsmandat niederlegen, nachdem er in Quickborn 45 Jahre lang Ratsmitglied und 37 Jahre davon Stadtrat war.

Am 25. Februar wird Klaus H. Hensel alle seine politischen Ämter und sein Ratsmandat niederlegen, nachdem er in Quickborn 45 Jahre lang Ratsmitglied und 37 Jahre davon Stadtrat war.

Foto: Burkhard Fuchs

Erster Stadtrat Klaus H. Hensel verlässt Geburtsstadt nach 72 Jahren. Was er der Stadt hinterlässt und wohin er zieht.

Quickborn/Meezen.  Er ist in Quickborn geboren, hat hier sein halbes Leben lang gearbeitet und Politik gemacht. Und nun zieht Klaus H. Hensel mit 72 Jahren so richtig aufs Land.

Der ehrenamtliche Stellvertreter mittlerweile dreier Bürgermeister, der Hensel seit 37 Jahren ununterbrochen ist, sagt in sechs Wochen seiner Heimatstadt wohl für immer Lebewohl und macht Schluss mit allen parteipolitischen Ämtern und Vereinsaufgaben. Dann zieht der Vorsitzende des Himmelmoor-Fördervereins, der er auch ist, mit seiner Frau in das nur 350 Einwohner zählende Dorf Meezen bei Hohenwestedt am Naturpark Aukrug.

Ein Häuschen im Grünen für die alten Tage

„Das ist ein Schnitt in meinem Leben“, sagt Hensel. Ein Schnitt, der einen ganzen Lebensabschnitt beendet. „Aber irgendwann musste es ja sein.“ Er gehe mit einem lachenden und weinenden Herzen. Für seine Freunde und Parteikollegen in der CDU komme dieser Schritt auch nicht überraschend. Er habe bereits vor der Kommunalwahl 2018 angekündigt, dass dies seine letzte Wahlperiode sein würde. Weil er und seine Frau sich eine neue Bleibe, ein schönes Häuschen im Grünen, für ihre alten Tage suchten. „In Quickborn kann man sich ein Haus ja nicht mehr leisten“, sagt Hensel und muss schmunzeln.

Dass sie ausgerechnet in Meezen ein hübsches, ebenerdiges Schweden-Holzhaus gefunden haben, sei eher Zufall gewesen, erklärt der scheidende Stadtrat. Es hätte ebenso gut irgendwo anders im Land Schleswig-Holstein sein können, sofern sie dort fündig geworden wären, gibt Hensel zu. Mit dem Naturpark Aukrug verbinde ihn sogar seine Familiengeschichte. Sein Großvater lebte früher im „Olen Hus“, der Kate im 380 Quadratkilometer großen Naturpark, die heute ein kleines Heimatmuseum ist. „Da bin ich als Kind oft mit meinem Opa Fahrrad gefahren“, erinnert sich Hensel.

Ehemals Werkleiter der stillgelegten Schokoladenfabrik

Sein ganzes Berufsleben hat Hensel nach seiner Kaufmannslehre in Hamburg in Quickborn verbracht. Mit 23 Jahren heuerte er bei der Schokoladenfabrik Leonard Monheim an, die auch Ludwig-Schokolade genannt wurde, und blieb dort bis zu ihrer Stilllegung im Jahr 2009 43 Jahre lang, davon 25 Jahre als Werkleiter.

Im Laufe der Jahrzehnte wechselten die Besitzverhältnisse der Schoko-Fabrik, die seit 1951 mit bis zu 2000 Mitarbeitern die beliebte Trumpf-Schokolade in Quickborn herstellte. Bis die Konzernzentrale das Aus verkündete und Hensel mit der Schließung des Betriebes an der Feldbehnstraße in Rente ging. Heute stehen auf dem Gelände in der Nähe des Bahnhofs eine Privatschule und 70 neue Eigentumswohnungen.

Hensels Erbe: Wochenmarkt, Rodelberg, Familia und Eon-Hanse

Entwickelt, initiiert und politisch begleitet hat Hensel in Quickborn eine Vielzahl von Projekten. Als frisch gewählter Ratsherr hat er 1975 den Wochenmarkt angeregt, der zuletzt nach ein paar schwächelnden Jahren wieder in Fahrt gekommen ist. Der Rodelberg an der Gronau geht auf sein Konto, den er oft mit seinen Kindern besuchte.

Beim Land konnte er sich 1998 erfolgreich dafür einsetzen, dass im Ortsteil Heide mit Famila doch ein großer Lebensmittelmarkt gebaut werden durfte. Als 2003 die Energieunternehmen Schleswag und HeinGas zu Eon-Hanse fusionierten, überzeugte er den damaligen Vorstandschef Hans-Jakob Tiessen davon, die neue Unternehmenszentrale in Quickborn anzusiedeln. „Weil der einen Standort nahe dem Flughafen suchte, konnte ich ihm aus meiner beruflichen Tätigkeit berichten, wie schnell ich von Quickborn aus mit dem Flieger in Köln war.“

Krisenmanager in plötzlicher Notsituation

Sein persönlicher Höhepunkt als Stellvertreter des Bürgermeisters sei die Beinahe-Katastrophe von 2010 gewesen, als in der Marienhöhe vor einem Mehrfamilienhaus die Erde plötzlich 70 Zentimeter wegsackte.

Da Bürgermeister Thomas Köppl damals im Sommer segeln war, musste sich Hensel um die mögliche Evakuierung der 20 Wohnungen in dem einsturzgefährdeten Haus kümmern. Eine Turnhalle ließ er dafür herrichten, erkundigte sich mehrmals täglich vor Ort nach dem aktuellen Zustand und versuchte, die Bewohner zu beruhigen.

Zudem schaltete er das Geologische Landesamt ein, da er von einem Vortrag wusste, dass ganz Quickborn auf einem Salzstock liegt und es in der Vergangenheit schon oft Erdfälle dieser Art gegeben hat. So sind der Propheten- und Elsensee entstanden. Zum Glück blieb die Erde dann still und das Haus stehen. Aber Stadtrat Hensel erwies sich als umsichtiger Krisenmanager in dieser plötzlichen Notsituation.

Fehschläge: grüner AKN-Ausbau und Elektrifizierung der S-Bahn

Natürlich gab es in 45 Jahren Ratszugehörigkeit auch ein paar Fehlschläge. So konnte er beim zweigleisigen Ausbau der AKN keinen Bau eines Rad- und Fußweges entlang der Strecke nach Hasloh erreichen. Auch die Elektrifizierung zur S-Bahn ist noch nicht abgeschlossen.

Ein Hallenbad hätte er gern gebaut und ein Museum im Haus Roseneck an der Kieler Straße eingerichtet. Dafür wird das stillgelegte und von der Stadt erworbene alte Torfwerk am Himmelmoor bald als ein Industriemuseum mit Gerätschaften aus mehr als 100 Jahren Torfabbau eröffnet, freut sich der Fördervereinsvorsitzende, der auch dieses Amt aufgeben wird.

Eine Ode an seine Bürgermeister

Gert Willner habe er als sehr „korrekten und fleißigen“ Bürgermeister erlebt. Dessen Nachfolger Günter Thonfeld, der in Hamburg wohnen blieb, sei „ein Bürgermeister zum Anfassen gewesen“. Bei dem amtierenden Verwaltungschef Köppl beeindrucke ihn dessen „Umtriebigkeit und Zielstrebigkeit“, sagt Hensel. „Er hat immer eine sehr klare Meinung zu vielen Dingen, kann sich intensiv in alle möglichen Themen einarbeiten und eckt auch manchmal an.“

Jetzt wird Köppl sich bald einen neuen zweiten Bürgermeister an seiner Seite suchen und wählen lassen müssen.