Pinneberg
Kreis Pinneberg

Pläne für Möbellager in Rellingen sind vom Tisch

Der Protest der Rellinger, wie hier bei der Einwohnerversammlung, hatte Erfolg.

Der Protest der Rellinger, wie hier bei der Einwohnerversammlung, hatte Erfolg.

Foto: Thomas Pöhlsen

Rellinger Bauausschuss nimmt Abstand von Investor Riess aus Pinneberg. CDU und Grüne wollen kleinteiligeres Gewerbe ansiedeln.

Rellingen.  Mehr als 100 Zuhörer waren gekommen, um die Sitzung des Rellinger Bauausschusses am Dienstagabend im überfüllten Ratssaal zu verfolgen. Es ging um den Bebauungsplan 72, um das geplante Möbellager, das, wie berichtet, heiß umstritten ist. Die damit verbundenen Pläne sind jetzt vom Tisch. Die CDU-Fraktion, die ursprünglich das Thema von der Tagesordnung bekommen wollte, um sich noch mal intern zu verständigen, hatte schon am Dienstagnachmittag vor der Sitzung eine Pressemitteilung verschickt. In dieser verkündete sie, sie habe den einstimmigen Beschluss gefasst, den Vorschlägen von Projektentwickler und Investor nicht mehr zu folgen.

Nicolas Riess, der auf dem Grundstück an der Kellerstraße bauen möchte, um sein Pinneberger Designermöbel-Unternehmen Riess Ambiente dorthin zu verlagern, hat die Nachricht kalt erwischt: „Ich wusste nichts davon“, sagt er. „Komisch, dass das so schnell geht. Die wollten das doch alle haben.“ Über Alternativen hat Riess noch nicht nachgedacht, er war sich sicher gewesen, dass er dort bauen könne: „Ich bin natürlich enttäuscht, weil die mir ihr Wort gegeben hatten.“

Der immense öffentliche Druck scheint es gewesen zu sein, der CDU und Grüne zur Verdeutlichung der eigenen Position gebracht hat. Nicht durchgekommen war aber der Antrag der SPD, den ganzen Bebauungsplan zu kippen. CDU und Grüne halten grundsätzlich weiter daran fest, auf dem Areal Gewerbe ansiedeln zu wollen. Die CDU schreibt dazu: „Wir favorisieren nach wie vor die Gewerbeansiedlung auf dieser Fläche, allerdings in mehreren kleinteiligeren Einheiten mit aufgelockerter Bebauung, möglichst verkehrsarm und mit trennenden Grünzonen.“

„Ich bin heute sehr erleichtert“, sagt Rolf-Rüdiger Schmidt (CDU) nach der Sitzung. „Ich hatte den Eindruck, dass 80 Prozent der aufgebrachten Bürger jetzt zufrieden sind.“ Warum seine Partei den Plan nicht ganz kippen will, begründet er so: „Dann wäre die Gemeinde schadensersatzpflichtig gewesen. Wir müssen aber verlässlich sein.“ Mit der Absage an Riess werde ab jetzt zwar „die eierlegende Wollmilchsau gesucht. Aber so eine Gewerbeansiedlung muss verträglich sein. Wir von der CDU hätten dazu früher Stellung beziehen müssen.“

Die SPD betrachtet die Entwicklung als klaren Sieg: „CDU und Verwaltung mussten eine Niederlage einstecken“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Christian Zimmermann. „Die haben seit 2015 getrickst, um das durchzudrücken.

Große Ausgaben werden durch Gewerbesteuern bezahlt

Ihr letzter Anker besteht jetzt darin, dass da trotzdem noch Gewerbe hinkommen soll.“ Zimmermann sagt, er finde es gut, dass die CDU auf die SPD zugegangen sei und die Interessen der Bürger in dem betreffenden Gebiet akzeptiere: „Das ist der größte Erfolg, den man haben kann.“

Grünen-Fraktionschef Achim Diekmann sagt, seine Partei habe erreicht, dass das derzeit diskutierte Ortsentwicklungskonzept erweitert werde um die Betrachtung von Krupunder und Egenbüttel. „Ich habe den Eindruck, dass die Bürger Verständnis dafür haben, dass CDU und Grüne seinerzeit zu einer anderen Einschätzung kamen, weil damals die Lage anders war als heute“, sagt Diekmann. Wie er, bevorzugt CDU-Mann Rolf-Rüdiger Schmidt, die künftige Gewerbeansiedlung an der Kellerstraße auf mehrere Schultern zu verteilen.

Im Zusammenhang mit der stetigen Neuansiedlung von Gewerbe erinnert Schmidt an große Rellinger Ausgaben, die zusätzlich zu den laufenden Kosten zu zahlen seien: 23 Millionen Euro für die Caspar-Voght-Schule, 7,5 Millionen für die Gebrüder-Grimm-Schule, 3,2 Millionen für die neue Kita und gut 20 Millionen für die Kanalsanierung.