Pinneberg
Entsorgung

Pinneberg weitet Kampagne für sauberen Biomüll aus

Appellieren an die Mieter, künftig kein Plastik und Glas mehr in ihrem Bioabfall zu entsorgen: Marko Hoffmann (v.l.) von der Kreisverwaltung, GAB-Chef Jens Ohde und Kai Lorenz, Vorstand der Neuen GeWoGe.

Appellieren an die Mieter, künftig kein Plastik und Glas mehr in ihrem Bioabfall zu entsorgen: Marko Hoffmann (v.l.) von der Kreisverwaltung, GAB-Chef Jens Ohde und Kai Lorenz, Vorstand der Neuen GeWoGe.

Foto: Burkhard Fuchs

Immer mehr Menschen trennen schon Abfälle ohne Plastik und Glas. Nun beteiligt sich erstmals ein Wohnungsunternehmen. Alle Infos.

Pinneberg/Schenefeld. „Unsere Kampagne ist ein voller Erfolg“, freut sich Jens Ohde. Der Initiator von „Wir für Bio“, der Kampagne, welche die Gesellschaft für Abfallbehandlung (GAB) des Kreises Pinneberg vor anderthalb Jahren gestartet hat, um die Plastikanteile in den entsorgten Bioabfällen zu reduzieren, hat bundesweit gut 50 Abfallentsorgungsbetriebe erreicht. Und nicht nur das. „Der Plastikanteil konnte halbiert werden“, sagt GAB-Chef Ohde.

Nun wird die Aktion gezielt auf den mehrgeschossigen Mietwohnungsbau ausgeweitet. Die Wohnungsbaugenossenschaft Neue GeWoGe mit Sitz in Pinneberg stellt jetzt als erstes Wohnungsunternehmen im Kreis Pinneberg 260 Wohnungen in Pinneberg und Schenefeld für ein Pilotprojekt zur Verfügung, um auch die Bewohner im Geschosswohnungsbau für das Entsorgen ihrer Bioabfälle ohne Plastiktüten und kaputte Marmeladengläser zu gewinnen.

Halb Schleswig-Holstein macht schon mit

„Wir verstehen uns als Dienstleister im Kreis Pinneberg für Wohnen und Leben“, begründet GeWoGe-Vorstand Kai Lorenz die Beteiligung seines Unternehmens an dieser Aktion. „Mülltrennung ist auch in unseren insgesamt 2266 Wohnungen ein wichtiges Thema.“ Da der Müll in den Wohnungen entsteht, müssten die Mieter davon überzeugt werden, sich entsprechend zu verhalten.

Als Testobjekte der Neuen GeWoGe wurden zunächst ihre Mehrfamilienhäuser in der Leuschnerstraße und der Generaloberst-Beck-Straße in Pinneberg sowie im Rudolf-Kienau-Weg in Schenefeld ausgewählt. „Wenn es hier gut läuft, werden wir es auf alle unsere Wohnungen ausweiten“, kündigt Vorstand Lorenz an. Eine erste Zwischenbilanz solle in acht Wochen gezogen werden.

Damit die Mieter, die in der Leuschnerstraße in Pinneberg nicht ausschließlich Deutsch sprechen, das Konzept der Bioabfall-Kampagne verstehen können, werden sie gleich mehrfach angesprochen. So klebt jetzt direkt über den Bioabfalltonnen ein großer Aufkleber mit der Aufschrift: „Stop! Kein Plastik!“ mit einer Übersetzung auf Englisch, Türkisch und Russisch. Zudem würden verschiedene Aufkleber, Flyer und kleine Präsente wie Schlüsselanhänger an alle Haushalte verteilt, erläutert GAB-Chef Ohde. Diese erklären einerseits mehrsprachig und mit einfachen Symbolen den Sinn der Kampagne. Sie sollen aber auch mit Witz und Humor die Mieter dazu anhalten, auf sortenreine Bestandteile ihres Biomülls zu achten. So hat das „Wir-für-Bio“-Team etwa auch Patrik Baboumian als Werbefigur gewinnen können. Ein aus Armenien stammender Kraftsportler, der 2011 zum „stärksten Mann Deutschlands“ gekürt worden ist. Muskelbepackt trägt dieser nun auf einem Plakat zwei Mülltonnen unter der Überschrift: „Starke Männer trennen Bio.“

30.000 Tonnen Bioabfälle pro Jahr

Im Geschosswohnungsbau komme es vor allem darauf an, dass die Mieter eine gute und bequeme Alternative haben, ihre gebrauchten Kaffeefilter, Teebeutel oder Essensreste vernünftig und sauber entsorgen zu können, weiß Ohde. Darum bestehe die Hauptaufgabe dieser Mietwohnungskampagne darin, sie zu überzeugen, den Biomüll nicht mehr in Plastiktüten, sondern zum Beispiel in kleinen Papiertaschen zur Mülltonne zu tragen. Also in Behältnissen, die sich organisch zersetzen lassen. Aus Papier kosten sie im Handel je Stück nur etwa zehn Cent. Als Anreiz erhält jeder Haushalt in den drei genannten Testgebieten jetzt drei solcher Papiertaschen geschenkt.

Dass die von ihm im April 2018 gestartete Aktion inzwischen jeden fünften Landkreis oder kreisfreie Stadt – darunter fast ganz Schleswig-Holstein – erreicht habe, mache ihn froh, sagt Initiator Ohde. Und auch im Kreis Pinneberg ließe sich der Erfolg konkret messen. So sei der Anteil der Störstoffe im Bioabfall, neben Plastik vor allem Glas, seit Beginn der Kampagne von 2,3 auf 1,26 Prozent an der Gesamtmenge zurückgegangen. Insgesamt werden im Kreis Pinneberg jedes Jahr rund 30.000 Tonnen Bioabfälle entsorgt. Die GAB macht daraus 16.000 Tonnen Biokompost, der zum großen Teil an die Landwirtschaft veräußert wird. Je reiner der Bioabfall sei, desto mehr Biokompost könnte als Humus auf die Felder getragen werden, so Ohde.

Der Kreis Pinneberg unterstütze dieses „supergute Projekt“ mit ganzem Herzen, sagt Marko Hoffmann vom Fachdienst Bürgerservice. „Wir sind der GAB dafür dankbar und setzen weiterhin darauf, die Bürger auf sanfte Art und Weise zu überzeugen, ihren Bioabfall plastikfrei zu entsorgen.“ Davon verspricht sich die Behörde, die die Müllgebühren festlegt, einen nachhaltigeren Erfolg als wenn sie die Keule höherer Gebühren schwingen würde. „Wir könnten die Abfalltonnen, die mit Plastik, Glas oder anderen Störstoffen verunreinigt sind, auch stehen lassen“, erklärt Hoffmann. Dann müssten diese Bioabfalltonnen in Sonderentleerungen extra entsorgt werden, was zusätzliches Geld koste und den Mietern von ihren Vermietern in Rechnung gestellt werden würde. „Wir glauben, mit dem Modellprojekt langfristig mehr erreichen zu können.“

2300 Wohnungen: Die GeWoGe (Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft) ist mit 2266 Wohnungen einer der größten Vermieter im Kreis. 1948 wurde die Gesellschaft gegründet, Hauptgesellschafter war der Kreis, hinzu kamen sieben Städte und sieben Unternehmen. 2005 entschied der Kreis, seine Anteile zu verkaufen, woraufhin sich die „Neue GeWoGe“ gründete und seit 2006 als Genossenschaft weiter geführt wird. Bis heute wurden fast 2000 Wohnungen aus dem alten Bestand saniert. Neubauten in Pinneberg und Rellingen folgten.