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Knöllchen vor Halstenbeker Kita – Eltern beschweren sich

Sind bereits mehrfach vom engagierten Knöllchenschreiber der Gemeinde für den Halt vor der Kita kostenpflichtig verwarnt worden: Jakob mit Oma Erika Düsing und Sofia mit Papa Pascal Pohl an der Straße Bickbarg.

Sind bereits mehrfach vom engagierten Knöllchenschreiber der Gemeinde für den Halt vor der Kita kostenpflichtig verwarnt worden: Jakob mit Oma Erika Düsing und Sofia mit Papa Pascal Pohl an der Straße Bickbarg.

Foto: Rainer Burmeister / HA

Wer seine Kinder mit dem Auto bringt, muss mit Verwarngeldern rechnen. Warum die Gemeinde das für richtig hält.

Halstenbek. Ist es eine Art von Kontrollwut? Oder schlicht Abzocke? Mehrere Eltern der gemeindeeigenen Kita am Halstenbeker Bickbargen sind sauer. Sie bekommen in regelmäßiger Folge Straftickets verpasst, wenn sie ihre Kinder morgens mit dem Auto zur Kita bringen oder nach Ende der Betreuungszeit abholen. Verantwortlich dafür: Ein Mitarbeiter der Gemeinde, der für die Überwachung des ruhenden Verkehrs zuständig ist.

Rechtlich gesehen handelt er genau nach Vorschrift. Die Kita, in der 146 Kinder betreut werden, befindet sich in einem verkehrsberuhigten Bereich. Dort dürfen spielende Kinder und Fußgänger die komplette Straße nutzen, Autofahrer und Radfahrer müssen besondere Rücksicht nehmen. Das Parken ist nur in gekennzeichneten Flächen erlaubt, das Halten ist nur zum Be- und Entladen und zum Ein- und Aussteigen gestattet.

Parkplätze in der Nähe sind Mangelware

In der Nähe der Kita befindet sich ein großes Wohngebiet, das überwiegend aus Mehrfamilienhäusern besteht, sowie Gymnasium und Grundschule. Und direkt neben der Kita liegt der ständig überfüllte Park-and-Ride-Platz, der nur einen Steinwurf entfernten S-Bahnstation Krupunder. Eine Kombination, die dafür sorgt, das Parkplätze in diesem Bereich Mangelware sind.

Die Folge: Eltern oder Großeltern, die ihre Kinder und Enkelkinder in die Kita bringen oder von dort abholen, finden keinen Stellplatz und halten kurz vor dem Kita-Eingang. Sie stehen dann ein paar Minuten lang außerhalb der gekennzeichneten Parkflächen – und laufen Gefahr, vom gemeindlichen „Knöllchenschreiber“ erwischt zu werden.

Das gilt auch für Nina Wehrmann, die ihren vier Jahre alten Sohn Jakob montags bis freitags in der Kita betreuen lässt. Die Familie wohnt knapp vier Kilometer entfernt am Holstenstieg. Im Wechsel mit Jakobs Großmutter Erika Düsing wird der Junior zur Kita gebracht oder abgeholt. Unterm Strich gab es bisher drei Verwarnungen. Zuletzt musste Nina Wehrmann Anfang September zehn Euro bezahlen.

Nachmittags ist der Knöllchenschreiber besonders aktiv

Anderen Eltern geht es ähnlich: So wurde Pascal Pohl, der Vater der vierjährigen Sofia, schon viermal zur Kasse gebeten, einmal waren sogar 15 Euro fällig. Der Mitarbeiter, der für die Verteilung der „Knöllchen“ sorgt, ist nach Erfahrung der Eltern besonders zwischen 13.45 und 16 Uhr aktiv. In jüngster Zeit seien auch schon Mitarbeiterinnen aufgeschrieben worden, wenn sie ihre Autos kurz „parkten“. Ebenso seien Bauarbeiter, die bei der Umgestaltung der Außenanlagen des Kindergartens im Einsatz waren, verwarnt worden.

Die Eltern betonen, dass vor allem kleine Kinder in die Tagesstätte begleitet werden müssen. Und viele Eltern würden nicht aus Bequemlichkeit mit dem Auto kommen, sondern weil sie weit vom Kindergarten entfernt wohnen und zudem noch weiter müssen, da sie berufstätig sind. Übereinstimmend fordern die Betroffenen von der Verwaltung eine Änderung der Situation.

Bürgermeister: Sonst macht ja jeder, was er will

Verwarngelder seien unverhältnismäßig, die Ausweisung der Sackgasse als verkehrsberuhigter Bereich stehe im Widerspruch zu den vielen Benutzern, die teils rücksichtslos und zu schnell den Park-and-Ride-Platz ansteuerten. Nach der jüngsten Verwarnung wandte sich Nina Wehrmann schriftlich an die Gemeinde Halstenbek und die Stadt Schenefeld, um die Situation zu beschreiben und Lösungsansätze abzufragen. Ihr gehe es nicht um die gezahlten zehn Euro, sondern ums Prinzip. Während eines zehnminütigen Halts habe sie weder Verkehrsteilnehmer behindert oder gar gefährdet noch sei sie einkaufen gegangen. Es gehe lediglich darum, die Kinder zu bringen und abzuholen. Eine Antwort der Verwaltung hat Nina Wehrmann bisher nicht erhalten.

„Wir prüfen, ob wir in der Nähe zwei bis drei Kurzzeitparkplätze anlegen können“, sagt dazu auf Abendblatt-Anfrage Bürgermeister Claudius von Rüden. Er weist jedoch darauf hin, dass Eltern kein Anrecht auf Stellplätze direkt vor dem Kita-Eingang haben. „Sie sollten auch hinterfragen, ob es wirklich nötig ist, ihre Kinder täglich mit dem Auto zur Kita zu bringen oder dort abzuholen“, so der Verwaltungschef. Er selbst bringe seinen vierjährigen Sohn auch mit dem Rad zur Kita und fahre dann ins Büro.

Kooperation mit Schnefeld zur Verkehrsüberwachung sinnvoll

Er wisse auch, dass im direkten Umfeld der Einrichtung kaum Parkraum frei sei. „Aber etwas entfernt klappt das eigentlich immer. Man muss dann halt einen kurzen Weg gemeinsam mit seinem Kind zurücklegen“, so von Rüden. Gerade morgens stünden etwa Parkflächen auf dem Bahnhofsvorplatz zur Verfügung, von wo aus man über eine Ampel sicher zur Kita gelangen könne.

Die Kooperation mit Schenefeld zur Verkehrsüberwachung bezeichnet von Rüden als sinnvoll. „Wenn wir nicht kontrollieren, macht jeder was er will.“ Es handele sich weder um Abzocke noch um Kontrollwut, es gehe vielmehr um die Sicherheit der Bürger und die Einhaltung der Regeln. Der Mitarbeiter arbeite 22,5 Stunden die Woche in Halstenbek und sei überall in der Gemeinde unterwegs. „Wir machen keine Vorgaben, er entscheidet, wo er tätig wird.“

Die Einnahmen:

Ende 2011 hatte Halstenbek erste Weichen gestellt, um eine Überwachung des ruhenden Verkehrs in Eigenregie übernehmen zu können. Schnell wurde den Verantwortlichen im Rathaus klar, dass eine „Insellösung“ zu teuer wird. Halstenbek begab sich auf die Suche nach Kooperationspartnern. Während Rellingen mangels Bedarf abwinkte, „biss“ Schenefeld an. Im September 2014 wurde der Kooperationsvertrag zur Überwachung unterzeichnet. 22.000 Euro kostet die Gemeinde der Mitarbeiter pro Jahr. Im ersten Halbjahr 2019 kamen schon 20.000 Euro an Verwarngeldern aus den Halstenbeker „Knöllchen“ zusammen. kol