Pinneberg
Wedel

Kraftwerkschäden: Hamburg spendiert Autowäschen

Immer wieder klagen Anwohner über Schäden, die der Ascheregen aus dem Kraftwerk Wedel verursachen soll.

Immer wieder klagen Anwohner über Schäden, die der Ascheregen aus dem Kraftwerk Wedel verursachen soll.

Foto: Vattenfall/Frank Schnelle

Verätzungen am Lack von Anwohnerfahrzeugen sollen mit Gutscheinen behoben werden. Ist das die neue Kulanz der Stadt?

Wedel. Sieht so das angekündigte Entgegenkommen der Stadt Hamburg für leidgeplagte Anwohner des Heizkraftwerks Wedel aus? Nach der von Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) versprochenen „Kulanz“ des neuen Kraftwerkseigentümers erhielten Anwohner, die Schäden an ihren Autos durch ätzenden Ascheregen geltend machten, jetzt Gutscheine für eine Autowäsche.

„Das soll ja wohl ein Witz sein“, sagt Kerstin Lueckow, Sprecherin der Bürgerinitiative „Stopp! Kein Mega-kraftwerk Wedel“. Denn diese Art der Kulanz sei in etwa so, als sagte ein Zahnarzt nach der Diagnose eines Lochs, dass man eine neue Zahncreme benutzen soll.

Gutschein beinhaltet „Programm 3 mit Reinigungsschaum“

Tatsächlich erhielten Anwohner von der Wärme Hamburg GmbH, der das Kraftwerk seit diesem Jahr gehört, Gutscheine für eine „Autowäsche auf Kosten von der Wärme Hamburg“. Damit seien die Anwohner berechtigt, ihr „Fahrzeug in der Waschanlage (Programm 3 mit Reinigungsschaum) auf Kosten der Wärme Hamburg GmbH waschen zu lassen“.

Dabei hatte „mehr Kulanz und Offenheit“ beim Thema Schadstoffe aus dem Schornstein des Kohlekraftwerks vor zwei Wochen noch verheißungsvoller für die Anwohner geklungen. Eine Infoveranstaltung mit den neuen Tönen von Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) und Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) ließ die Nachbarn der betagten Anlage jedenfalls aufhorchen. Zumal sie schon seit Jahren beklagen, dass ätzender Partikelregen gesundheitsschädlich sei und unter anderem ihren Autolack zerstört. Alteigentümer Vattenfall war für diese Schäden zuletzt nicht mehr aufgekommen. Die angekündigte Transparenz schien ein Fortschritt.

Hohe Gehalte an Aluminium, Schwefel und Sauerstoff nachgewiesen

Doch bisher bestreiten sowohl die neuen, als auch die alten Betreiber (Vattenfall), dass der Ausstoß dauerhaft ätzend sei, wobei sie sich auf eigene Gutachten und Stichproben berufen. Zuletzt war allerdings das Hamburger Institut für Raster- und Elektronenmikroskopie (IFEM) bei der Untersuchung von vier „frischen“ Proben aus dem Kraftwerksumfeld zu einem „ungewöhnlichen“ Ergebnis gekommen.

Nach wiederholten Anwohnerbeschwerden hatte das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume die Studie in Auftrag gegeben, in der hohe Gehalte an Aluminium, Schwefel und Sauerstoff nachgewiesen wurden. Es wird davon ausgegangen, dass es sich um Aluminiumsulfat handelt – das Salz der Schwefelsäure.

Vattenfall hatte selbst stark saure Werte gemessen

Zudem geht aus vertraulichen Akten des Landgerichts Itzehoe hervor, dass Vattenfall selbst bei eigenen Proben von „Reingas“ im Mai und August 2019 pH-Werte von 1,9 und 1,6 gemessen hat. Demnach sind auch eigene Studien am Schornstein: sauer und ätzend.