Pinneberg
Wirtschaft

Maschinenfabrik in Uetersen steht vor der Insolvenz

Betriebsratschef Rainer Dreyer (r.) und IG Metall-Bevollmächtigter Kai Trulsson hoffen, wie hier 2015, die Uetersener Maschinenfabrik zu retten.

Betriebsratschef Rainer Dreyer (r.) und IG Metall-Bevollmächtigter Kai Trulsson hoffen, wie hier 2015, die Uetersener Maschinenfabrik zu retten.

Foto: Burkhard Fuchs

Weiterer herber Schlag für die Rosenstadt: Nach Insolvenz der Papierfabrik Feldmuehle droht auch das Aus für den Hatlapa-Nachfolger.

Uetersen.  Nächster herber Schlag für den Wirtschaftsstandort Uetersen: Nach der zweiten Insolvenz der Papierfabrik Feldmuehle innerhalb eines Jahres droht nun das Aus für ein weiteres traditionsreiches Unternehmen in der Rosenstadt. Die Uetersener Maschinenfabrik, die sich mit 80 Beschäftigten erst vor zwei Jahren aus dem Konzern MacGregor-Hatlapa herauslöste, hat – wie erst jetzt bekannt wurde – bereits am 7. November das sogenannte Schutzschirmverfahren des Insolvenzrechts eingeleitet. Bis Anfang Februar muss nun ein Rettungsplan erarbeitet werden, der den Mitarbeitern so lange ihr Gehalt garantiert, aber wohl ohne den Abbau von Arbeitsplätzen und Mehrarbeit für die dann noch 50 Beschäftigten nicht auskommen dürfte.

Für heute Abend hat Ratsherr Andreas Stief zu einer Krisensitzung des Hauptausschusses eingeladen. Thema sollte dabei sein, welche Auswirkungen die abermalige Insolvenz der Feldmuehle mit ihren etwa 400 Mitarbeitern für Uetersen haben könnte. „Wir können als Stadt keinen Markt schaffen, aber müssen wissen, was das für die Arbeitsplätze und das Steueraufkommen bedeutet“, erklärt der CDU-Politiker. Nun müssen die Kommunalpolitiker sich mit dem zweiten Sorgenfall befassen, der zu einem weiterem Ausbluten der Wirtschaftskraft in Uetersen führen könnte.

Feldmuehlen: Bislang kein Ergebnis bei Verhandlungen

Die Zeit drängt. Bis Mitte Januar hofft der Betriebsrat der Feldmuehle, zumindest eine der beiden Papiermaschinen am Laufen zu halten, was etwa die Hälfte der Arbeitsplätze retten würde. Betriebsrat und Geschäftsleitung verhandeln seit Wochen – bislang ohne Ergebnis. Er kämpfe um die Existenz der Papierfabrik, sagte Betriebsratsvorsitzender Thorsten Buthmann dazu.

Bei der Uetersener Maschinenfabrik liefen ebenfalls seit Wochen intensive Gespräche zwischen Betriebsrat, Geschäftsführung und Gewerkschaft, sagt der IG-Metallbevollmächtigte Kai Trulsson. Dabei drohten den seit der Ausgliederung Ende 2016 übrig gebliebenen etwa 70 Beschäftigten harte Einschnitte. So plane die Geschäftsführung, die komplette Montage-Abteilung des Betriebes aufzugeben, was einen Abbau auf noch etwa 50 Mitarbeiter bedeuten würde. Diese sollten dann zudem künftig 40 statt der tarifrechtlich vereinbarten 35 Stunden in der Woche arbeiten, um die Lohnstückkosten zu senken. Einen auch nur teilweisen Verzicht der Mitarbeiter auf ihren Lohn lehne die IG Metall ab. Das habe direkte Auswirkungen auf das Arbeitslosengeld und sei angesichts der dramatischen Schieflage für die Kollegen zu riskant, erläutert Trulsson.

Aktuelle Schieflage durch unzureichende Auslastung

Erst Mitte 2015 hatte der Gewerkschafter mit der damaligen Hatlapa-MacGregor-Leitung ein Rettungspaket für den jetzt genau 100 Jahre alten Schiffszulieferbetrieb geschnürt, das seinerzeit 100 von 360 Arbeitsplätzen und die restlichen 260 Mitarbeitern einen Teil ihres Urlaubs- und Weihnachtsgeldes kostete sowie ihnen drei Stunden Mehrarbeit bescherte.

Die aktuelle Schieflage der Uetersener Maschinenfabrik, die im Dezember 2016 aus der Herauslösung von Produktion und Fertigung von ehemals Hatlapa aus dem finnischen MacGregor-Konzern hervorging, sei durch unzureichende Auslastung verursacht, erklärt Trulsson. Für zwei Jahre hatte MacGregor, das sich dadurch die Aufstellung eines Sozialplanes für die betroffenen Mitarbeiter ersparte, ein bestimmtes Auftragsvolumen für die Fertigung ihrer Schiffskompressoren und Ankerwinden der Uetersener Maschinenfabrik zugesagt. Das lief jetzt zum Jahresende aus. Dringend nötige Drittkunden habe die Geschäftsführung bislang kaum akquirieren können, sodass die Maschinen nicht ausgelastet seien.

Plan: eine reine Dreherei ohne eine Montage

Jetzt sei geplant, aus dem ehemals stolzen Unternehmen, das am Tornescher Weg in seinen Hochzeiten Anfang der 90er-Jahre bis zu 600 Mitarbeiter beschäftigte, eine reine Dreherei ohne eine Montage zu machen. Firmensprecher Thomas Feldmann betont, dass der Betrieb zurzeit „stabil und ohne Einschränkungen“ laufe und die Geschäftsführung das Ziel verfolge, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. „Um das Unternehmen wieder in die Gewinnzone zu bringen, sind eine deutliche Reduzierung der Kosten und Investitionen in die Zukunft erforderlich.“

Weitere Infos:

Die Firmengeschichte ist jetzt 100 Jahre alt

Max Hatlapa, ein Ingenieur, hat das Unternehmen 1919 in Uetersen gegründet. Gebaut wurden Decksmaschinen wie Lade-, Ruder- und Ankerwinden für Schiffe. Später kam zeitweise die Fertigung von Diesellokomotiven für Feldbahnen hinzu.

Bis Anfang der 1990er- Jahre expandierte der Betrieb in dritter Generation und bot auch Dienstleistungen für die Windindustrie und Umwelttechnik an. Nach einer Krise Mitte der 1990er konzentrierte er sich auf die Produktion von Rudermaschinen und Winden.

2013 übernahm die MacGregor-Gruppe des finnischen Cargotec-Konzerns das Unternehmen, das 2016 die Produktion in Uetersen mit 80 Beschäftigten ausgliederte. Fortan hieß es wieder Uetersener Maschinenfabrik, ohne den Namenszusatz Hatlapa.bf .