Pinneberg
Uetersen

Unternehmen Feldmuehle meldet schon wieder Insolvenz an

Uetersens größter Arbeitgeber: die Feldmuehle.

Uetersens größter Arbeitgeber: die Feldmuehle.

Foto: Sebastian Becht

Geschäftsführung bestätigt: Uetersens größter Arbeitgeber meldet Insolvenz an – zum zweiten Mal in diesem Jahr. 400 Jobs in Gefahr?

Uetersen.  Die Uetersener Feldmuehle hat erneut ein Insolvenzverfahren beantragt. Das bestätigte die Geschäftsführung des Traditionsunternehmens am Dienstagmorgen gegenüber dem Abendblatt. Der Geschäftsbetrieb wird weitergeführt. Unter den etwa 400 Mitarbeitern herrscht große Verunsicherung: Erst Anfang dieses Jahres hatte das Unternehmen zum ersten Mal ein Insolvenzverfahren beantragt.

Seit Juni ist der Berliner Finanzinvestor Kairos Industries neuer Gesellschafter von Uetersens größtem Arbeitgeber. Damit schien die Zeit der Ungewissheit eigentlich Vergangenheit zu sein. Das Unternehmen galt als saniert, und selbst neue Stellen wurden ausgeschrieben. Im September schaute der Geschäftsführer noch positiv in die Zukunft. „Wir gehen fest davon aus, 2019 wieder profitabel zu sein“, sagte Heiner Kayser – das ist erst zwei Monate her.

Nun also das erneute Insolvenzverfahren. Wie aus einer am Dienstagabend veröffentlichten Erklärung hervorgeht, ist die Feldmuehle im laufenden Jahr durch unerwartet gestiegene Energiekosten und Bezugspreise für Rohstoffe in ihrer Geschäftsentwicklung ungeplant belastet worden. Das Management habe „umfangreiche Maßnahmen der operativen Profitabilitätssteigerung umgesetzt“. Doch auch die Erlöse blieben der Erklärung zufolge im September und Oktober hinter den Erwartungen zurück.

Das Insolvenzverfahren soll diesmal in Eigenverantwortung durchgeführt werden – eine besondere Form, die seit einer Gesetzesänderung 2012 häufiger Anwendung findet. Der Sinn ist, die Handlungsfähigkeit der Geschäftsführung zu erhalten. Das vorhandene unternehmerische Know-how soll bei der Sanierung helfen und die Zahlungsfähigkeit des Schuldners wieder herstellen. Möglich ist das nach der deutschen Insolvenzordnung, wenn die Geschäftsführung sich vorher nicht durch Missmanagement diskreditiert hat. Das Amtsgericht Pinneberg hat den Antrag darauf genehmigt und die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet.

Hansen: Unternehmen noch nicht auf verlorenem Posten

Auch für die Bürgermeisterin der Rosenstadt kam die Nachricht überraschend. „Für uns war es ein Schock“, sagt Andrea Hansen dem Abendblatt. Besonders am Herzen liegen der Verwaltungschefin die Angestellten des Traditionsunternehmens. „Gerade vor Weihnachten ist so eine Nachricht natürlich schrecklich“, sagt Hansen. Die Mitarbeiter hätten dieses Jahr bereits viele Opfer gebracht.

Im Zuge der Sanierungen wurde eine schon seit 2016 geltende Abmachung verlängert, nach der die Angestellten auf ihr 13. Monatsgehalt verzichten. Außerdem wurde, um das Unternehmen zu retten, mit dem Betriebsrat im Frühjahr eine weitere Vereinbarung ausgehandelt. Seitdem verzichten die Beschäftigten auf zehn Prozent ihres Lohnes. Soll das alles umsonst gewesen sein?

Nein, meint Hansen. „Ich möchte keine Untergangsstimmung verbreiten“, sagt die Bürgermeisterin. Das Unternehmen sei noch nicht auf verlorenem Posten. Das zeige auch die Insolvenz in Eigenverantwortung. Sie wolle alles in ihrer Macht stehende tun, um die Feldmuehle zu unterstützen, und habe auch schon angefragt, wie die Stadt helfen könne. Außerdem befinde sie sich in Gesprächen mit Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP), so Hansen weiter.

Auch der Politiker betont, dass es sich um eine Insolvenz in Eigenverantwortung handelt. „Das bedeutet, dass auch das Amtsgericht hinreichende Aussicht auf Erfolg sieht“, sagt Buchholz dieser Zeitung. Und weiter: „Das Wirtschaftsministerium wird unterstützen, wo es kann.“ Bereits während des ersten Insolvenzverfahrens habe es einen engen Kontakt gegeben. Dem Vernehmen nach hat Buchholz sich damals persönlich bei Zulieferern und Lieferanten dafür eingesetzt, Zahlungsfristen zu verlängern, um der Feldmuehle mehr Zeit zu geben.

Auch der für Uetersen zuständige SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Hölck hofft darauf, dass ein endgültiges Aus noch abgewendet werden kann. Mit großer Bestürzung habe er auf die Nachricht reagiert, dass die Papierfabrik erneut ein Insolvenzverfahren beantragt habe, sagt der Sozialdemokrat aus Haseldorf. Besonders bitter sei das für die Beschäftigten, die erst vor Kurzem wieder Hoffnung schöpfen konnten, nachdem ein neuer Besitzer die Feldmuehle übernommen hatte.