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Uetersener Feldmuehle erfindet sich neu

Heiner Kayser, Geschäftsführer der Feldmuehle GmbH aus Uetersen, steht in der Fabrikhalle vor einer tonnenschweren Papierrolle

Heiner Kayser, Geschäftsführer der Feldmuehle GmbH aus Uetersen, steht in der Fabrikhalle vor einer tonnenschweren Papierrolle

Foto: Arne Kolarczyk

Papierfabrik hat nach der Insolvenz einen neuen Gesellschafter – und einen Plan für die Zukunft. Fokus liegt auf den Kernkompetenzen.

Uetersen.  Die beiden Papiermaschinen laufen. 24 Stunden lang, sieben Tage die Woche. Bei der Feldmuehle in Uetersen wird weiter auf Hochtouren produziert. Die Insolvenz des Traditionsunternehmens ist dank eines neuen Gesellschafters überwunden, 400 der 420 Arbeitsplätze sind gerettet – und Geschäftsführer Heiner Kayser schaut optimistisch in die Zukunft: „Viele haben uns schon totgeredet. Aber wir sind noch da und haben einen klaren Plan für die Zukunft.“

Kayser, der im Mai vorigen Jahres die Geschäftsführung übernahm, hat bereits im Herbst die Restrukturierung eingeleitet. Von den sechs Segmenten, in die die Produkte der Feldmuehle gegliedert waren, blieben drei übrig. Das Unternehmen konzentriert sich auf seine Kernkompetenzen – hochwertige Etikettenpapiere beispielsweise für die Getränkeindustrie, Verpackungspapier insbesondere für die Nahrungsmittelindustrie sowie hochwertige grafische Papiere und Karton. „Wir stellen unsere größten Stärken in den Mittelpunkt“, sagt der Geschäftsführer. Und er sagt weiter: „Papier ist meine Leidenschaft. Ich bin gekommen, um den Turnaround zu schaffen. Und jetzt sind wir auf einem guten Weg dahin.“

Der Weg – er führte über den Umweg Insolvenz, die im Januar 2018 erklärt werden musste. Drei bis vier Jahre lang Zeit hätten ihm die alten Gesellschafter bei seiner Einstellung für die Umstrukturierung zugesagt, sagt Kayser. „Letztlich haben sie uns hängen lassen“, sagt er weiter. Inzwischen wurden die Geschäfte der ehemaligen Feldmuehle Uetersen GmbH auf eine Tochtergesellschaft der Berliner Beteiligungsgesellschaft Kairos Industries AG übertragen, der neue Firmenname lautet Feldmuehle GmbH. Die neuen Gesellschafter hätten „zugehört, was die Fabrik kann“, so der Geschäftsführer. „Wir besinnen uns auf alte Tugenden, auf unser Knowhow, unser Marktwissen.“

Als Teil der Stora Enso-Gruppe – sie hatte sich Ende 2014 aus Uetersen zurückgezogen – sei die Feldmuehle ein reiner Zulieferer gewesen. Jetzt könne sie als eigenständiges mittelständisches Unternehmen flexibler auf die Bedürfnisse des Marktes reagieren. „Wir wollen Trends verfolgen und diese in marktfähige Produkte umsetzen. Wir fangen an, uns neu zu erfinden“, gibt der Geschäftsführer die Richtung vor. Dafür gebe es nach wie vor eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei der Feldmuehle.

Im grafischen Bereich fokussiert sich das Unternehmen weg von Massenprodukten und hin zu Lösungen mit Premiumcharakter. Bei den Etikettenpapieren rangiert die Feldmuehle bereits jetzt unter den Top 2 weltweit – und bei den flexiblen Verpackungspapieren sehen die Verantwortlichen Wachstumschancen bei jungen, hochwertigen Produkten. „Unser Ziel ist es, mehr als 200 Millionen Euro Umsatz pro Jahr zu generieren“, sagt Kayser. 2017 lag der Umsatz bei 160 Millionen Euro. „Dieses Jahr werden wir knapp unter den 200 Millionen bleiben, nächstes Jahr liegen wir darüber“, so der Geschäftsführer weiter. Langfristig solle der Betrieb auch wieder schwarze Zahlen schreiben.

Dafür wurde (und wird) in der Firma jeder Stein umgedreht. „Uns fehlte bisher eine klare strategische Ausrichtung, die Ausfallzeiten unserer Maschinen waren zu hoch“, berichtet der Geschäftsführer. Noch während der Insolvenz sei es gelungen, die Auslastung und damit die Effektivität zu steigern. Man versuche, bei den Zulieferern niedrigere Preise zu vereinbaren – und strebe natürlich langfristig höhere Verkaufspreise der eigenen Produkte an. „Das ist ein fortlaufender Prozess, der bis Ende nächsten Jahres dauern wird“, so Kayser. Bis dahin müssen auch die verbliebenen Mitarbeiter Abstriche hinnehmen. Sie verzichten auf das 13. Monatsgehalt und zehn Prozent ihrer Bezüge. Kayser sagt: „Für die Mitarbeiter ist das natürlich bitter. Aber ohne diese Einschnitte funktioniert es nicht.“

Der Geschäftsführer lobt die Belegschaft, die auch während der Insolvenz zusammengehalten, nie aufgesteckt und weiter für ihr Unternehmen gekämpft habe. Der Abbau der 20 Stellen sei sozialverträglich erfolgt, überwiegend seien Mitarbeiter früher in Rente gegangen. „Wir sind von der Intensivstation runter und befinden uns im Aufwachbereich. Jetzt muss der Heilungsprozess weiter fortgesetzt werden“, so Kayser. Dafür soll künftig der Zellstoff, der für die Papierproduktion benötigt wird, auch wieder per Schiff über die inzwischen ausgebaggerte Pinnau angeliefert werden.

Kayser will die Zahl der Auszubildenden – in diesem Jahr sind es vier – 2019 verdoppeln, um die benötigten Fachkräfte selbst anlernen zu können. Er möchte sich um Förderprojekte bewerben – und auch Investitionen in die Infrastruktur sind 2019 geplant. Ein neues Aggregat für die Papiermaschine soll helfen, die Effizienz weiter zu steigern. „Wir sind genau im Plan und werden mit aller Kraft dafür kämpfen, den Standort Uetersen am Leben zu halten“, kündigt der Geschäftsführer an. Bei diesem Ziel wird Kayser von Steffen Liebich und Boris Klenk unterstützt, die von Seiten des Investors in die Geschäftsführung aufrücken.