Pinneberg
Wedel

Von der Kunst, sich gut zu vermarkten

Foto: Katy Krause / krk

Die Wedeler Künstlerin Nicole Leidenfrost wurde durch ein Bild für die Queen bekannt. Wie sie nun von der Malerei lebt.

Wedel.  Natürlich, wie sollte der Hund einer „Queen-Malerin“ auch anders heißen? Earl Attila steht in den Papieren des weißen Schäferhundes, der sich so ganz unroyal in der erdigsten Ecke an der Gartenmauer fallen gelassen hat. Das Wedeler Einfamilienhaus, das in einer ruhigen Wohngegend und idyllisch inmitten von Feldern und Baumschulen liegt, ist nicht nur das Zuhause von Earl Attila und seiner Besitzerin Nicole Leidenfrost. Es ist auch Atelier und Arbeitsplatz der durch ein Bild für die Queen bekannt gewordenen Malerin.

Die Wedelerin hat geschafft, wovon viele Künstler träumen: Sie kann von ihren Werken leben. „Ich bin sehr zufrieden und sehr dankbar dafür“, sagt sie. Immerhin handelt es sich beim Kunstmarkt laut Handelskammer um eines der schwierigsten Metiers. Deshalb hatte Leidenfrost nie damit gerechnet, dass sie so schnell so fest Fuß fassen könnte.

Als die ehemalige Vertrieblerin im Bereich Pharmazie 2015 den Schritt wagte und anstatt Festanstellung die Selbstständigkeit wählte, traute ihr kaum einer zu, dass sie von der Kunst leben könnte. Leidenfrost selbst auch nicht. Daher war sie anfangs auch als Mediatorin tätig. Doch dafür hat sie heute keine Zeit mehr. Seit einem Jahr ist sie zu 100 Prozent Künstlerin. „Die Nachfrage ist hoch“, berichtet sie. „Eigentlich müsste ich jeden Tag im Atelier stehen.“ Doch ihr Terminkalender ist prallvoll.

In den kommenden Tagen geht’s nach Berlin, um ein Werk auszuliefern, dann nach Baden-Baden, um auf der Galopprennveranstaltung Bilder zu zeigen. Zudem steht ein Seminar in der Malschule bei Professor Markus Lüpertz an. Leidenfrost verzichtet auf die typische Alleinvermarktung durch einen Galeristen, sie macht den Job lieber selbst – auch wenn das bedeutet, dass sie als Selbstvermarkterin von einigen Ausstellungen und Messen ausgeschlossen wird. Aber Leidenfrost hat schlechte Erfahrungen mit einigen Galeristen gemacht, die bis zu 90 Prozent des Verkaufspreises verlangten. Immerhin kosten die Bilder Leidenfrosts mittlerweile schon zwischen 5000 und 8000 Euro. Unternehmer und Bankiers bestellen gern ihre kraftvollen Tierbilder im Großformat. Auch mit teuren Autoherstellern kooperiert sie.

Kritik der Königin machte Malerin bekannt

Dass Leidenfrost so gut im Geschäft ist, hat sie einer Frau zu verdanken. Queen Elizabeth II, der Königin von England. Die ließ sich zu einem erstaunten Satz hinreißen, als sie das „Pferd in Royalblau“ der Wedeler Künstlerin sah. Es sei eine ungewöhnliche Farbe für ein Pferd, soll sie gesagt haben. Und ob der Mann auf dem Bild ihren Vater darstelle. Das Bild war ein Geschenk des Auswärtigen Amtes anlässlich des Besuchs der Queen in Deutschland. Dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck, der das Geschenk überreichte, war die Situation sichtlich unangenehm. Er versuchte, die Queen abzulenken, indem er ihr schnell Marzipan anbot. Die verstörte Queen und die Reaktion Gaucks sorgten für ein internationales Medienecho, von dem Leidenfrost bis heute profitiert.

Über Nacht war die bis dahin unbekannte Künstlerin aus Wedel eine Marke. Die hat sich Leidenfrost schützen lassen. Denn die „Queen-Malerin“ hat ihre Chance erkannt und ergriffen. Anstatt sich über die Kritik und Häme zu ärgern, nutzte Leidenfrost die Werbung. Sie vermarktet sich offensiv: als die Malerin, die die Queen verstörte. Sie druckte T-Shirts, gab zahlreiche Interviews und besuchte Talkshows – bis heute. Obwohl es schon drei Jahre her ist, hat Leidenfrost immer wieder Anfragen. So sollte sie sich anlässlich der royalen Hochzeit äußern. „Jedes Mal, wenn das Bild in den Medien auftaucht, sorgt das für Kaufnachfrage“, berichtet sie. Leidenfrost nennt es ihren royalen Turbo.

„Die Aufmerksamkeit war ein Geschenk“, sagt Leidenfrost, die sie geschickt zu nutzen weiß. So teilte sie offensiv mit, dass sie zum zweiten Mal Post von der Queen bekam. Über den Inhalt schweigt sie dagegen. „Briefgeheimnis“, erklärt sie und macht neugierig.

„Das Problem vieler Künstler ist, dass sie sich nicht verkaufen können“, sagt die Wedelerin. Die ehemalige Vertrieblerin hat das Problem nicht. Dabei weiß sie, dass für den Kaufprozess gerade das Drumherum entscheidend ist. Sie schätzt, dass zu 70 Prozent das Image des Künstlers die entscheidende Rolle beim Kauf spielt. Ihre Bilder setzt sie größtenteils übers Internet und Messen ab. Sie hat schnell erkannt, wo ihre Bilder gut ankommen und welche Motive von welcher Klientel gewünscht sind. Sie malt zielgerichtet und hat jetzt auch Merchandising für sich entdeckt. Ihre Bilder gibt’s für Firmen nun auch im Kleinformat in Acryl. Eine Künstlerin, die ihr Werk als Geschäft sieht: Das bringt ihr Kritik ein.

Leidenfrost nimmt es gelassen. Man spricht über sie. Ihr nächstes Projekt steht fest. Ihr Wissen über Kunstvermarktung will sie in einem Buch veröffentlichen.