Pinneberg
Kunst

Queen-Malerin aus Wedel auf Erfolgskurs

Foto: Anne Dewitz / HA

Die Kunst von Nicole Leidenfrost ist sehr gefragt. Nun bedruckt sie T-Shirts mit dem Gemälde „Pferd in Royalblau“.

Wedel. Nicole Leidenfrost hat es zum eigenen Wikipedia-Eintrag geschafft, ein sicherer Parameter für Bekanntheit. Über Nacht stand die Wedelerin im Interesse der Weltöffentlichkeit. Auslöser dafür war, dass sie das Gastgeschenk des Bundespräsidenten an Elisabeth II. zu deren Staatsbesuch anfertigte. Die Queen hatte die Farbauswahl für das „Pferd in Royalblau“ als sonderbar empfunden. Es zeigt sie als vierjähriges Mädchen auf einem Pony, welches von ihrem Vater gehalten wird. Den hatte die 90-Jährige allerdings auch nicht erkannt.

„Dabei hatte ich mich mit meiner Farbwahl schon zurückgehalten“, sagt Nicole Leidenfrost. Sie muss lachen, wenn sie an die Reaktion der Queen denkt, und daran, was in den darauffolgenden vier Wochen über sie hereinbrach. „Ich stand in der Zulassungsstelle in Pinneberg, um mein Auto anzumelden, als plötzlich das Handy klingelte und eine Interviewanfrage nach der anderen reinkam“, sagt die 41-Jährige fröhlich. Von 3Sat bis „Daily Telegraph’“, alle interessierten sich für ihre Geschichte. Sogar in Norwegen und Singapur berichteten Journalisten. Und das Interesse reißt nicht ab.

„Das Ganze empfinde ich als Glücksfall“, sagt Leidenfrost. Denn Nachfrage treibt den Preis und sie kann sich vor Anfragen derzeit kaum retten. So müssen Interessenten nun mindestens 3500 Euro für eine echte Leidenfrost zahlen. Wer sich das nicht leisten kann, kann sich das Gemälde aufs T-Shirt für 35 Euro drucken lassen. Leidenfrost trägt ein schwarzes Modell. Unter dem Druck ist Joachim Gaucks Originalzitat „If you don´t like ist, get this marzipan“ zu lesen, mit dem er die Aufmerksamkeit der Queen geschickt auf das Lübecker Marzipan lenkte, welches er ihr ebenfalls schenkte.

Wedelerin war auch schon mit anderen Bildern Kandidatin für Gastgeschenke

„Die Bilder mit Pferden und Löwen waren zuerst vergriffen“, sagt Nicole Leidenfrost. Letztere seien auch schon in der engeren Auswahl des Auswärtigen Amtes als Gastgeschenk für den ägyptischen Staatspräsidenten Abd al-Fattah as-Sisi gewesen. Die Mitarbeiter hätten ihr nach dem Besuch der Queen versichert, mit ihrer Wahl immer noch sehr zufrieden zu sein.

Die Berufskünstlerin, die ihre Werke noch bis zum 31. August im „Showroom“ in der Waitzstrasse in Hamburg-Othmarschen ausstellt, denkt auch darüber nach, Handtaschen mit dem Gemälde auf den Markt zu bringen. Auch eine Anfrage in Lübeck, Marzipan mit ihrem Motiv zu bedrucken, läuft.

Als Vorlage für das Gemälde hatte der Malerin eine Fotografie aus dem Jahre 1930 gedient. „Das Foto hat mich angerührt. Es hat mich an meine erste Reitstunde erinnert“, sagt die gebürtige Berlinerin, die 2013 der Liebe wegen an die Elbe nach Wedel zog. Dort arbeitet sie neben der Malerei auch als Mediatorin und Coach. Die Fähigkeiten zu reflektieren, die sie in diesem Job braucht, hätten ihr geholfen, den Spott, vor allem seitens der britischen Presse, an sich abperlen zu lassen. „Ein Künstler von sensiblerer Natur hätte danach vermutlich nie wieder einen Strich gemalt.“ Dass ihre Malerei als naiv bezeichnet wurde, zählte eher noch zu den harmloseren Kommentaren.

Die grelle Farbauswahl sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Nicole Leidenfrost eine ernst zu nehmende Künstlerin ist. Sie studierte an der Hochschule der Künste in Berlin. „Ich habe das Studium nicht abgeschlossen, weil ich mir meine Professoren lieber selbst aussuchen wollte“, sagt die Künstlerin. „Ich möchte als Künstlerin an der Stelle, wo ich stehe, weiterentwickelt werden.“ Dank eines Stipendiums durfte sie mit Markus Lüpertz arbeiten. In den weiteren Jahren absolvierte sie Studien bei Elvira Bach, Werner Maier und Jerry Zeniuk. „Meine Werke sind auch in der Sammlung des Museums Würth sowie der Sammlung des Landes Baden-Württemberg vertreten“, sagt sie. Zudem veranstaltete Leidenfrost Ausstellungen in Peking, Marbella, Athen und Luxemburg.

Von dem Geschenkepool des Auswärtigen Amtes hatte sie zum ersten Mal auf einer Charity-Veranstaltung des Rotary Club Hamburg erfahren. „Das klang interessant, und ich habe mich dann dort beworben“, sagt Leidenfrost. Im November wollen die Rotarier wieder Kunst versteigern, um Spenden für Kinder zu generieren. Diesmal sind auch Bilder von Leidenfrost darunter. „So schließt sich der Kreis“, sagt sie.

Und ihr Name reiht sich in die Liste der Wiki-Einträge über berühmte Menschen ein, zu denen auch Johann Gottlob Leidenfrost gehört. Der hat als Erster den Effekt springender Tropfen auf heißem Untergrund beschrieben – das Leidenfrost-Phänomen.