Pinneberg
Rellingen

Vom Chor, in dem falsche Töne erlaubt sind

Kantor Oliver Schmidt in der Rellinger Kirche

Kantor Oliver Schmidt in der Rellinger Kirche

Foto: Eike Pawelko

Kulturkritik: Einmal im Monat dürfen beim Warftsingen alle mitmachen – ganz gleich, ob sie singen können oder nicht.

Rellingen.  Kantor Oliver Schmidt haut in die Tasten des Keyboards. Ein Zeichen mit dem Kopf für den Einsatz, dann singen alle los. „Hallelujah“ von Leonard Cohen. Ich zögere etwas, schaue nach links und rechts. Schließlich singe auch ich. Erst zaghaft, dann etwas lauter. „Your faith was strong, but you needed proof“ – zum Beginn der zweiten Strophe habe ich alles Unbehagen abgelegt und genieße es einfach.

Genau darum geht es bei dieser Veranstaltung wohl auch. Einmal im Monat laden Rellingens Kantor Oliver Schmidt und Thorsten Pachnicke gemeinsam zum „Warftsingen – mitsingen!“ in die Rellinger Kirche ein. Es geht um den Spaß an der Musik, falsche Töne sind hier ausdrücklich erlaubt, so wird die Veranstaltung angekündigt.

Seit Juni gibt es das Musikangebot, bei dem alle Interessierten sich für eine Stunde auf der Warft – dem Hügel, auf dem die Kirche steht – treffen und gemeinsam singen. Jeder Termin steht unter einem konkreten Motto. Dieses Mal stehen „Rockballaden“ auf dem Programm.

Alle singen durcheinander, jeder so laut wie er möchte

Statt wie üblich in der Kirche wird dieses Mal im Gemeindehaus gesungen. Schmidt und Pachnicke haben einige Songs ausgewählt, aus denen die bunt zusammengewürfelte Gruppe sich etwas aussuchen darf. „Knockin’ On Heaven’s Door“, „The boxer“ und, passend zur derzeitigen Friedensdekade, „Wind of Change“ stehen auf der Liste. Einige Songs klappen wirklich gut, klingen fast so, als hätten wir sie schon einmal zusammen gesungen. Bei anderen klingt es schräg, durcheinander oder ein bisschen schleppend.

Jeder singt so laut oder leise, wie er möchte, alle haben hier Spaß. Auch der Kantor, der die meisten Songs auswendig singt und sich am Keyboard dazu improvisiert.

Irgendwie gelangen Gesang und Begleitung immer gemeinsam ans Ende des Liedes – jedenfalls bis wir uns an Queens „Bohemian Rhapsody“ versuchen. Schmidts Finger gleiten suchend über die Tasten des Keyboards bis sie die richtigen Töne gefunden haben. Die Sänger hangeln sich von Textzeile zu Textzeile. Etwa nach der Hälfte brechen wir ab. Keiner weiß weiter, alle müssen lachen.

Zum Abschluss sucht Schmidt „What’s Up“ von 4 Non Blondes aus. Auch wenn in der Strophe nicht alle sicher dabei sind, so können beim „hey yeah yeah, hey yeah yeah“ im Refrain wieder mitsingen. Ein gelungener Abschluss der Stunde.

Beim nächsten Warftsingen im Dezember stehen Advents- und Weihnachtslieder auf dem Programm. Und „Bohemian Rhapsody“. Denn den Song will Oliver Schmidt zu Hause üben und dann nachliefern. Grund genug, noch mal vorbeizuschauen.

Das nächste Warftsingen ist am Sonntag, 10. Dezember, um 17 Uhr in der Rellinger Kirche, Hauptstraße 27, statt.