Pinneberg
Wedel

Der Hafen: Wedels Dauerbaustelle am Wasser

Das aufwendig sanierte Wedeler Hafenbecken ist mittlerweile für Schiffe freigeben, die am Traditionsanleger Halt machen können. Es tun sich aber noch viele Baustellen auf

Das aufwendig sanierte Wedeler Hafenbecken ist mittlerweile für Schiffe freigeben, die am Traditionsanleger Halt machen können. Es tun sich aber noch viele Baustellen auf

Foto: Katy Krause / krk

Konstruktionsfehler? Westmole schon um zwölf Zentimeter abgesackt. Provisorium seit zwei Jahren. Anwohner kritisieren die Stadt.

Wedel.  Ein Sportboot fährt in das für Millionen von Euro sanierte schicke Wedeler Hafenbecken. Kein Restaurant, nichts zum Anlegen. Die Crew wirkt irritiert, unentschlossen und dreht wieder ab. Dafür nutzen zwei Kanufahrer den Hafen als Ausgangspunkt für eine Elbtour. Ihren Wagen haben sie dafür gleich direkt am ungenutzten Hafenbecken abgestellt. Das ist zwar verboten, stört aber offensichtlich kaum jemanden. Denn Wedels größtes und teuerstes Zukunftsprojekt wirkt wie im Dauerschlaf. Das beste Beispiel dafür, dass es irgendwie hakt, findet sich auf der Westseite. Spaziergänger, die auf der neuen Mole den Elbblick genießen wollen, holpern hier über ein Provisorium. Immer noch.

Seinen Anfang nahm das Problem im Winter 2016. Kurz nachdem der damalige Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Torsten Albig (SPD), die Promenade des Schulauer Hafens eröffnet hatte, hoben sich plötzlich die Platten beziehungsweise ein Teil der Mole senkte sich ab. Aufgrund der Stolpergefahr wurde der Abschnitt erst gesperrt und dann mit Metallplatten und Baken provisorisch gesichert. Warum seither nichts passiert ist? „Entscheidend für das weitere Vorgehen der Stadt Wedel bei der Regulierung des Schadens an der Westmole ist der Zustand der Setzkante, nachdem die Setzung beendet ist“, erklärt Wedels Pressesprecher Sven Kamin auf Abendblatt-Anfrage. Sprich: Die Stadt wartet ab, misst nach und dokumentiert, wie das Problem größer wird, um es in einem möglichen Rechtsstreit mit den Baufirmen zu verwenden.

Nach der aktuellen Messung ist die entstandene Kante in den vergangenen zwei Jahren auf nunmehr zwölf Zentimeter angewachsen – vergleichbar mit dem Durchmesser einer CD. Obwohl in der Sache also viel Musik drin ist, schlägt die Stadt vergleichsweise leise Töne an. Zu den möglichen Gründen für die abgesackte Mole will sich Stadtsprecher Kamin nicht äußern. Handelt es sich um einen Konstruktionsfehler? Und vor allem: Wer ist verantwortlich und kommt für den Schaden auf? Dazu schweigt Wedel. „Da die Frage nach den Gründen für die Setzung Kern des anstehenden Verfahrens ist, gibt die Stadt hier keine Auskunft“, so Kamin.

Er kündigt aber an, dass die Stadtverwaltung rechtliche Schritte vorbereitet, um die Verantwortlichen für den Baumangel in Haftung nehmen zu können. Das sei bislang nicht geschehen, weil man die endgültige Setzung abwarten wollte. Zumindest da machen die aktuellen Messungen etwas Hoffnung. Kamin sagt dazu: „Die jüngsten Ergebnisse zeigen, dass sich die Setzung deutlich verlangsamt hat – was darauf hindeuten könnte, dass die Setzung bald zum Stillstand kommt.“ Allerdings läuft der Stadt auch die Zeit davon. Denn sie kann nicht ewig warten, um mögliche Ansprüche geltend zu machen. Nach mehrfacher Nachfrage heißt es von der Stadt, dass bereits Ende des Jahres eine Frist ausläuft. „Derzeit laufen Gespräche mit den beteiligten Unternehmen, von deren Ergebnissen das weitere Vorgehen der Stadt Wedel in dieser Sache abhängt“, so Kamin.

Ob man sich also einigt oder in einen langwierigen Rechtsstreit gehen muss, ist noch offen. Unklar ist auch, wie lange die Wedeler mit dem Provisorium leben müssen und welche Maßnahmen nötig sind, um den abgesackten Teil der Mole wieder auf Höhe zu bringen. Wie viel Zeit das wieder in Anspruch nimmt, steht auch in den Sternen. Klar ist: Die Wedeler werden sich weiter gedulden müssen. Genau das sorgt bei vielen Nutzern und Anwohnern für Frust.

Den Anwohnern und Mitgliedern der SPD-Fraktion Friedhelm Michalke und Wolfgang Rüdiger reicht es. Sie preschen in einer aktuellen Pressemitteilung vor, kritisieren die Situation am Hafen und die Untätigkeit der Stadtverwaltung. Dass es an der Mole nicht vorangehe, sei doch nur ein Problem von vielen, so Michalke. Aus Sicht der Anwohner habe sich hier längst eine Art rechtsfreier Raum entwickelt.

Die Betroffenen berichten von Motorradfahrern, die regelmäßig mit ihren schweren Maschinen trotz Verbots auf der neuen Hafenmole entlangfahren. Auch Autos würden hier abgestellt. Zudem würden Partys bis tief in die Nacht gefeiert. Vor einigen Wochen hätten Unbekannte sogar plötzlich ein Festzelt am Hafen aufgestellt und hier eine Hochzeit gefeiert – laut den Anwohnern ohne Genehmigung. „Die Verwaltung wiegelt ab – tut nichts, und die Polizei schaut zu“, sagt Rüdiger. Man würde immer nur darauf verweisen, dass es besser werde, wenn der Hafen erst richtig genutzt werde, das Hotel da sei oder der Hafenbetreiber. Doch gegen den B-Plan fürs Hotel wird geklagt, und die bisherigen Interessenten für den Hafenbetrieb sind alle wieder abgesprungen.

Michalke und Rüdiger fordern deshalb, dass die Stadt nun am Hafen durchgreift, Mitarbeiter des Ordnungsamtes einsetzt oder Kümmerer einstellt, die auch Touristen informieren könnten. „Es wurden Millionen von Euro in die Sanierung gesteckt. Diese Investition muss die Stadt doch schützen“, sagt Michalke.

Zumindest gibt es einen Hoffnungsschimmer in Sachen Hafenbetrieb. Die Verhandlungen mit dem neuen und einzigen Interessenten sind noch nicht versackt. Die Vorstellung seines Konzeptes ist für Anfang September geplant.