Pinneberg
Erosion

Macht der neue Hafen Wedels Strand kaputt?

Foto: Katy Krause / HA

Der Sand verschwindet. Ein Hamburger Professor benennt Umbauten am Elbufer als Ursache. Stadt beauftragt ihn, eine Lösung zu suchen.

Wedel.  Warum sind weite Teile des Wedeler Elbstrandes verschwunden? Wieso verschlickt der Schulauer Hafen so stark? Eine klare Antwort hat Professor Peter Fröhle den Mitgliedern des Umweltausschusses während ihrer Sitzung am Donnerstagabend gegeben. „Offensichtlich sind es die Folgen des Ausbaus des Pontons am Willkomm-Höft und des Schulauer Hafens“, meinte der Ingenieur, der Leiter des Instituts für Wasserbau an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) ist.

Drei Luftbilder einer Internet-Suchmaschine hatte der Wissenschaftler mitgebracht. „Relativ gut“ sieht der Bereich seiner Einschätzung nach auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2010 aus. Deutlich ist ein breiter Sandstreifen am Wedeler Strandbad zu sehen. Ein weiteres Bild aus dem Jahr 2013 lässt den neuen und vergrößerten Ponton vor dem Schulauer Fährhaus erkennen. Der Strandstreifen ist bereits deutlich schmaler. Die letzte Luftaufnahme, die im Jahr 2016 gefertigt worden ist, zeigt das Ergebnis des Umbaus am Hafen mit der neuen Quermole und einer engeren Einfahrt. Ein Ziel beim Hafenumbau war auch, die Verschlickung des Beckens deutlich zu reduzieren. Derzeit ist allerdings noch ungewiss, ob dieses Ziel auch erreicht wird oder ob weiterhin einmal im Jahr Schlick entfernt werden muss. Außerdem zeigt das jüngste Foto einen nochmals reduzierten Sandstreifen am Strand.

Allerdings ist nicht klar, wie es genau zu der Verlandung des Schulauer Hafens und der Erosion am Strandbad kommen konnte. Dies will der Professor, dessen Institut sowohl in der Grundlagen- als auch in der angewandten Forschung arbeitet, mit verschiedenen Methoden ergründen. Für die drei Bereiche Ponton Willkommen-Höft, Schulauer Hafen und Strandbad möchte er mit unterschiedlichen Vorgehensweisen arbeiten, die er den Ausschussmitgliedern detailliert vorstellte. Unter anderem Wasserstände, Strömungen und Wellen müssen seinen Worten zufolge gemessen werden. In die Untersuchung fließt ein Simulationsmodell der Elbe ein, das die Harburger Wissenschaftler bereits nutzen. Danach möchte Fröhle Lösungsvorschläge erarbeiten.

Er empfahl den Wedelern, mit einer geplanten Sandaufspülung im Bereich des Strandbades noch zu warten, bis die Ergebnisse seiner Arbeit vorliegen. Bei einer vorherigen Aufspülung war der Sand innerhalb kurzer Zeit wieder weggespült worden.

Petra Kärgel von den Grünen wollte von Fröhle wissen, wie Lösungen aussehen könnten. Als Möglichkeit nannte der Experten Strömungsleitwände, die in Ufernähe im Wasser installiert werden. Christoph Matthiessen (CDU) äußerte die Vermutung, dass die Planer des Hafenbeckens in seiner ursprünglichen Form „Ahnung hatten. Der neue Hafen sollte hingegen einfach nur schön sein.“ Angela Drewes (WSI) sagte: „Wir haben Geld ausgegeben. Was machen wir, wenn wir feststellen: Oh, war doch nicht so gut? Sind wir bereit, etwas zurückzunehmen?“

Wedels Bauamtsleiterin Gisela Sinz-König stellte fest: „Wir hoffen auf Lösungen, die in einem Kosten-Nutzen-Rahmen liegen.“ Es könnte allerdings sein, dass es keine nachhaltigen Lösungen gebe, sagte sie.

Der Ausschuss stimmte im nicht öffentlichen Sitzungsteil dafür, den Wissenschaftler mit der Untersuchung zu betrauen.

Einen Randaspekt der Arbeit des Professors: Fröhle wies darauf hin, dass seine Untersuchungen auch als Beweissicherung bei der Elbvertiefung dienen können. Sollte es Probleme als Folge der Ausbaggerung geben, könnte die Stadt die Materialien ins Feld führen.

Auch Schadstoffe sind ein Thema

Es geht nicht nur um Sandabtrag, sondern auch um mögliche Schadstoffe am Strand. Die Frage, ob und welches Gift im Boden schlummert, war erstmals im März aufgeworfen worden, sie steht in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Erosion. Denn während der Strand schmaler wurde, tauchten vermehrt Müll, Bauschutt und schlickähnlicher Stoff auf.

In die diesbezüglichen Untersuchungen (wir berichteten) hat sich nun auch die Kreisverwaltung eingeschaltet. Deren Sprecher Oliver Carstens sagt: „Der Kreis Pinneberg hat von den Untersuchungen erst am vergangenen Mittwoch offiziell erfahren.“ Die Mitglieder des Wedeler Bau- und Umweltausschusses wiederum haben während ihrer Sitzung am Donnerstagabend Kenntnis davon bekommen, dass der Kreis die Notwendigkeit sieht, ein Auge auf Wedel zu werfen.

Nun prüft der Fachdienst Umwelt des Kreises die Unterlagen der Stadtverwaltung. Die hatte der Kreis im Rathaus angefordert. „Wir werden die Stadt selbstverständlich beraten und unterstützen“, sagt Carstens.

Die Bodenuntersuchungen im Strandbad gehen auf einen Antrag der Grünen zurück, der bereits im März gestellt worden war und der mit den Stimmen aller Fraktion verabschiedet wurde. Bis zu zwei Meter Sand sind in den vergangenen Jahren im Strandbad durch die Strömung abgetragen worden. Die Grünen stellten die Frage, welche vielleicht jahrzehntelang dort schlummernden Giftstoffe so an die Oberfläche gelangt sind.

Eine erste von der Wedeler Verwaltung in Auftrag gegebene Untersuchung wurde von den Grünen als nicht ausreichend gerügt. So tauchte nur ein einziger der in dem Antrag genannten Giftstoffe wie PCB, Dioxine, DDT sowie Schwermetalle in der Untersuchung tatsächlich auf. Es gab keinen Befund.

Die Stadtverwaltung gelobte Besserung und gab eine zweite Untersuchung in Auftrag. Wenn die Ergebnisse vorliegen, sollen sie von Stadt und Kreis gemeinsam bewertet werden.