Pinneberg
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Die Wasserbüffel erobern den Regionalpark

Wasserbüffel bevölkern jetzt den Regionalpark Wedeler Au. Im Hintergrund Alfons Petr, der mit Sohn Jan-Lukas die Holstein-Büffel züchtet und vermarktet

Wasserbüffel bevölkern jetzt den Regionalpark Wedeler Au. Im Hintergrund Alfons Petr, der mit Sohn Jan-Lukas die Holstein-Büffel züchtet und vermarktet

Foto: Katja Engler / HA

13 der seltenen Tiere werden jetzt in der Rahwisch-Niederung im Regionalpark Wedeler Au gehalten und tragen zum Naturschutz bei.

Pinneberg.  Schwarz-braunes Fell, sehr dicke Haut, breite, schwarze Nasen und kräftige Hörner: Die robusten Wasserbüffel sehen normalen Rindern vielleicht ähnlich, mehr aber auch nicht. Und es gibt noch eine wesentliche Eigenschaft, die sie von Rindern unterscheidet: Ihre großen Klauen bleiben knüppelhart, selbst wenn sie sechs Monate im Nassen gestanden haben. Das versichert der 25 Jahre alte studierte Landwirt Jan-Lukas Petr, der die seltenen Tiere züchtet.

Nun weiden 13 seiner Wasserbüffel in der 15 Hektar großen Rahwisch-Niederung, die zum 12.000 Hektar großen Regionalpark Wedeler Au gehört. Pinneberg ist also um eine Öko-Sensation reicher geworden – und Katja Oldenburg, in Pinneberg zuständig für Stadt- und Landschaftsplanung, hat eine Sorge weniger.

„Die Dünenroute des Regionalparks führt direkt an der Rahwisch-Niederung vorbei. So können Radfahrer in der idyllischen Niederungslandschaft gleich neben dem Baumpark Pinneberg zukünftig wieder Weidetiere beobachten“, freut sich Gisela Sinz-König, die Vorsitzende des Vereins Regionalpark Wedeler Au.

Selbst wenn die Rahwisch-Niederung zurzeit wegen der enormen Trockenheit wie eine normale Wiese aussieht, ist sie es nicht. Vielmehr handelt es sich um eine sumpfige Moor- und Dünenlandschaft, die für konventionelle Landwirtschaft ungeeignet ist, weil normale Tiere darauf einsinken und Getreide wegen der Unwegsamkeit des Geländes nicht maschinell geerntet werden kann. Viele Vögel leben hier, die Bodenbrüter Kiebitz und Feldlerche bauen hier ihre Nester. Dennoch oder gerade weil es Naturschutz-Ausgleichsflächen sind, „ist die Stadt dazu verpflichtet, sie zu bewirtschaften, um den Lebensraum zu optimieren und die Artenvielfalt sicherzustellen“, sagt Katja Oldenburg.

Seit längerer Zeit hatte sie keinen Pächter mehr für die mit Gras, Binsen, Bäumen und Büschen bestandenen Flächen gefunden. „Ich bin dann auf die Suche nach Alternativen gegangen und auf die Wasserbüffel gestoßen, die sich in solchen Landstrichen wohlfühlen.“ Die Familie Petr hat schon jahrelange Erfahrung mit der Haltung von Wasserbüffeln. Das hatte die Landschaftsplanerin überzeugt. Vor sechs Jahren haben Jan-Lukas Petr und seine Eltern Alfons und Sabine Petr, er Wirtschaftsingenieur, sie Betriebskauffrau und Steuerfachfrau, damit begonnen, die seltenen Tiere zu züchten und zu vermarkten. Wasserbüffel haben ihre Heimat in Asien, werden in Rumänien und massenhaft in Italien gezüchtet und fanden so ihren Weg nach Deutschland und in die Schweiz.

Mit acht Tieren aus Niedersachsen haben die Petrs angefangen. Inzwischen ist die Herde auf 90 Wasserbüffel angewachsen. Noch ist das Ganze ein Nebenerwerb, betont Jan-Lukas Petr, der bei der Feuerwehr arbeitet. Doch in einem halben Jahr wird ihre Firma „Holstein-Büffel“ das Bio-Siegel haben. „Das hier war immer schon unser Traum. Denn Wasserbüffel sind tolle Tiere“, sagt Jan-Lukas Petr. „Wir geben uns Mühe, unseren Tieren ein gutes Leben zu ermöglichen, denn wir machen das alles hier mit viel Herzblut.“ Er selbst habe ein regelrecht persönliches Verhältnis zu seinen Büffeln aufgebaut, „die sind nämlich sehr verschmust.“ Manche Kühe lasse er sechs Jahre laufen, ohne dass sie kalben. Das koste nur Geld und bringe erst mal nichts, sei aber richtig. Wenn ein Tier dann schlachtreif ist, wird es auf der Weide mit einem Schuss getötet, „wir bilden uns ein, dass diese Art der Weideschlachtung komplett stressfrei für die Tiere ist.“ Zerlegt werden sie dann im Schlachthaus.

Milch oder Käse stellen die Petrs nicht her, weil die Milch ausschließlich für die Kälber bestimmt ist. Aber das fettarme Fleisch, das ein bisschen nach Wild schmeckt, verkaufen sie an Gastronomen und direkt, auf Wochenmärkten oder am Gehegezaun. Interessenten können sich mit ihnen auch in Pinneberg verabreden, denn sie besuchen alle sechs Herden täglich. Ist eine Weide abgefressen, werden die Wasserbüffel auf einem Hänger zu einer anderen Wiese gekarrt.

Angefangen hat das ökologische Tierzucht-Projekt in Bad Oldesloe, wo die Familie Petr nahe dem Brenner Moor wohnt. Dort und in anderen Naturschutzgebieten suchten die Besitzer händeringend nach Pächtern, um diese spezielle Landschaft auch angemessen zu pflegen. „Wasserbüffel sind dafür sehr gut geeignet und den Naturschutzzielen zuträglich“, sagt Jan-Lukas Petr, und mittlerweile kann er auf stattliche Erfahrungen damit zurückgreifen.

Weil sie für die längere Fermentation einen größeren Pansen haben, essen sie auch die harten Binsen gern und reduzieren außerdem die übermäßige Ausbreitung von Büschen und Schilf. Darüber hinaus halten sie die vor Jahren angelegten Kleingewässer offen, die sonst meist verlanden. Wasserbüffel suchen im Sommer Kühlung in Gräben, Tümpeln und selbst angelegten Suhlen. Schlammkrusten auf der Haut schützen sie vor Parasiten. Mit diesen Eigenschaften, so hofft Katja Oldenburg, könnten sie dafür sorgen, dass sich die ursprüngliche artenreiche Pflanzenwelt und die darin heimischen Tiere auch in Pinneberg wieder ansiedeln.