Pinneberg
Wedel

Große Pläne für den Regionalpark Wedeler Au

Geschäftsführerin Barbara Engelschall, hier inmitten des Knolligen Kälberkropfs, der in Wittenbergen wächst

Geschäftsführerin Barbara Engelschall, hier inmitten des Knolligen Kälberkropfs, der in Wittenbergen wächst

Foto: Katy Krause / HA

In Werkstattgesprächen wurde eine 43-Punkte-Liste erarbeitet. Erste Projekte aus der Konzeptstudie sollen schon bald umgesetzt werden.

Wedel.  Wie soll es weitergehen im Regionalpark Wedeler Au? Welche Ziele und Projekte möchten die neun beteiligten Städte und Gemeinden sowie der Bezirk Altona in den kommenden Jahren verwirklichen? Mit der Zukunft des länderübergreifenden Zusammenschlusses beschäftigen sich die Kooperationspartner zusammen mit externen Vertretern von beispielsweise Naturschutzverbänden und anderen betroffenen Institutionen in Werkstattgesprächen. Dabei herausgekommen ist eine 43-Punkte-Liste voller Maßnahmen, die in den kommenden Jahren realisiert werden.

Was ist genau geplant? Aus einer 51 Seiten starkem Konzeptstudie gehen die folgenden fünf priorisierten Maßnahmen im Kreisgebiet Pinneberg hervor, die Regionalpark-Geschäftsführerin Barbara Engelschall erläutert.

Kopfweiden sollen Markenzeichen werden

Erstens sollen an den Regionalparkrouten wie beispielsweise entlang der Elbe oder durch den Klövensteen Kopfweiden gepflanzt werden. Die Idee ist: In allen Regionalpark-Gemeinden soll der außergewöhnliche Baum am Ende stehen, der aufgrund seiner Hohlräume auch vielen seltenen Tieren Unterschlupf bietet. Damit soll er als verbindendes Glied für den Biotopverband stehen. Während diese Maßnahme wohl vor allem auch einen symbolischen Wert hat, geht es bei den beiden Projekten an der Mühlenau und Düpenau um die Verbesserung der jeweiligen Gewässer. Durch Einschütten von Kies soll die Pinneberger Mühlenau mehr in Fluss kommen. An der Schenefelder Düpenau ist zudem ein Wassererlebnispunkt mit Aufenthaltsmöglichkeit geplant, von dem Besucher profitieren würden. Ähnliches ist auch im Butterbargsmoor vorgesehen. Die Idee hier: Voraussichtlich zwischen Buttermoorweg und Butterbargsmoorweg sollen zwei Aussichtsplattformen mit herrlichem Blick aufs Moor gebaut werden. Mithilfe neuer Informationstafeln zur Moorentstehung und zur historischen Nutzung und dank der Einbindung in die App „Entdeckerroute“ können Interessierte das Moor zwischen Holm und Wedel bald besser erkunden. Beim fünften und letzten Projekt geht es um einen Blühstreifen im Landschaftskorridor Marienhof in der Flerrentwiete.

Die Kosten für die fünf Projekte, die kurz- und mittelfristig realisiert werden sollen, belaufen sich auf geschätzte 165.500 Euro. Auch auf dem Hamburger Teil des Regionalparks sind einige Projekte geplant wie zum Beispiel eine Verbesserung des Wegenetzes und der Beschilderung im Rissener Schnaakenmoor, eine Vergrößerung der Heideflächen im Naturschutzgebiet Wittenbergen sowie die biologische Aufwertung von Flächen in der Kiesgrube und entlang der Bahntrasse in Rissen.

Allerdings werden diese Projekte aus einem 20-Millionen-Euro schweren Hamburger Topf finanziert. Dabei stammen 75 Prozent aus Bundesmitteln. Auf die Nachfrage, ob aus dem Hamburger Naturschutzgroßprojekt auch Geld nach Schleswig-Holstein schwappen könnte, erteilte Bernd-Ulrich Netz von der Hamburger Umweltbehörde aber eine deutliche Absage. Beim Geld hört die länderübergreifende Kooperation eben doch noch an der Landesgrenze auf.

Während einer Zukunftskonferenz im Wedeler Rathaus sollten erstmals die Projekte vorgestellt und diskutiert werden, die nun in einem ersten Schritt bereits umgesetzt werden. Obwohl die Vorträge doch eher etwas oberflächlich blieben und Uneingeweihten am Ende verschlossen blieb, was nun konkret passieren soll, tauschten sich die etwa 70 Teilnehmer über das Für- und Wider des Biotopverbunds aus.

Landwirte und Baumschuler befürchten Einschränkungen

Dabei fiel auf: Auf der einen Seite stehen die beteiligten Städte und Kommunen, die vor allem den Naherholungswert steigern wollen und sich von der Kooperation bessere Wegeverbindungen und eine Aufwertung der Biotope versprechen. Darin werden sie auch von den Naturschutzverbänden unterstützt. Auf der anderen Seite finden sich die teils betroffenen Landwirte und Baumschuler, deren Flächen in den Bereich fallen.

Letztere beobachten die Planungen skeptisch, weil sie weitere Einschränkungen ihrer Arbeit fürchten. Beispielsweise Hermann Cordes, Chef der gleichnamigen Baumschule in Holm, warnte mit Blick auf geplante Verbindungstrassen zwischen den Biotopen davor: „Es gibt schon jetzt zahlreiche Auflagen durch Wasserschutzgebiete oder Biotope. Wenn Sie weitere vornehmen wollen, müssen Sie mit Widerstand rechnen.“ Er wünsche sich, dass die betroffenen Grundeigentümer oder Pächter bei der Planung besser mitgenommen werden.