Pinneberg
Elmshorn

Lassen sich die Knechtschen Hallen retten?

Die Knechtschen Hallen stehen seit 2006 leer. Fenster sind zerstört

Die Knechtschen Hallen stehen seit 2006 leer. Fenster sind zerstört

Foto: Anne Dewitz / HA

Eigentümer, Stadt und Freundeskreis sprechen sich auf öffentlicher Veranstaltung für eine Zwischennutzung der Industriebrache aus.

Elmshorn.  Seit 2006 stehen die Knechtschen Hallen in Elmshorn leer und verfallen. Am Mittwoch stellte sich Eigentümer Frank Sachau einer öffentlichen Diskussion in einem Zirkuszelt an der Berliner Straße, zu der der Verein Freundeskreis Knechtsche Hallen – Keimzelle Kranhaus eingeladen hatte, um für mehr Transparenz in den Verhandlungen rund um das 18 Hektar große Baukulturdenkmal zu sorgen. „Wir setzen uns für den Erhalt der Hallen ein und entwickeln im Kranhaus Ideen für eine kulturelle und gesellschaftliche Nutzung ein“, so Vereinsvorsitzender Jens Jähne, der für einen offenen Beteiligungsprozess warb. Und stellte die Frage in den Raum: Was ist Elmshorn die Knechtschen Hallen wert?

Bürgermeister Volker Hatje und Andreas Hahn, Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, betonten, Stadt und Fraktionen würden geschlossen für den Erhalt der Hallen kämpfen. Das sei im Rahmenplan festgehalten. „Die Ziele der Stadt sind deckungsgleich mit denen des Freundeskreises“, sagt Hatje. Verhandlungen mit Investoren seien bislang auch an zu hohen Preisvorstellungen seitens Sachaus gescheitert. Rund 15 Millionen Euro müsste in die Sanierung des maroden Baus gesteckt werden.

Zudem stehen die Hallen im ausgewiesenen Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen. „Es gibt klare Vorgaben des Städtebauförderrechts, an die wir uns zu halten haben“, sagt Hahn. Bei Verstößen müssten etwa zwei Drittel von 100 Millionen Euro Gesamtinvestition zurückgezahlt werden. Drei Szenarien wären aus seiner Sicht denkbar: Die Stadt kauft die Hallen. Dann legt der Gutachterausschuss des Kreises den Preis fest. Das wäre auch der Fall, wenn die Hallen an einen dritten Investor verkauft würden. Die dritte Möglichkeit wäre, Sachau investiert selbst. Sachau hatte bislang die Ansiedlung von Einzelhandel erwägt. Doch ein Discounter an dieser Stelle würde dem Einzelhandelsgutachten widersprechen. Die Stadt würde keine Genehmigung erteilen.

„Richtige Verhandlungen hat es nie gegeben“, sagt Sachau. Er sei 2006 auf die Stadt zugegangen und abgewiesen worden. Erst im Juni 2015 sei die Stadt dann auf ihn zugekommen mit der Idee, die Hallen zu kaufen, später aber davon abgerückt. Erst in diesem Jahr sei ihm dann bei einem Treffen der Fraktionsvorsitzenden mitgeteilt worden, dass die Stadt am Kauf interessiert sei. Dazu habe er schriftlich Stellung genommen. „Ich bin zuversichtlich, wir kriegen die Kuh vom Eis“, so der Kibek-Chef.

Ein Podiumsgast war Thomas Lecke-Lopatta, der als Lehrbeauftragter der Bremer Hochschule ein Projekt mit zehn europäischen Städten betreute, in dem die Wiedernutzung von Brachen und Leerständen im Mittelpunkt standen. Seit 1995 ist er in der Bremer Senatsverwaltung zuständig für Flächennutzungsplanung und gesamtstädtische Standortplanung. Er ist überzeugt, Elmshorn habe große Wachstumschancen. Was möglich sei, zeige ein Blick nach Leipzig in die alte Baumwollspinnerei, die jetzt ein Kulturzentrum ist. „Setzen Sie auf Mischkalkulation und auf eine Zwischennutzung“, so Lecke-Lopatta. So könnte der endgültige Verfall noch verhindert werden. Sachau begrüßte die Idee, Kreative in die Hallen zu lassen, auch um weiteren Vandalismus zu verhindern. Er hatte dem Freundeskreis schon seine Einwilligung gegeben. Gescheitert war es bislang an strengen Bauverordnungen. „Beziehen sie einen Bauordner mit ein“, so Lecke-Lopatta. „Es gibt Möglichkeiten.“

Auf Jähnes Frage an die Zuhörer im Zelt, wer sich finanziell daran beteiligen würde, um eine Renditelücke zu füllen, gingen viele Arme hoch.