Pinneberg
Wedel

Kraftwerk-Umgebung ist wieder voller Partikel

Solche Partikel (r.) finden Anwohner auf dem Autolack in Wedel

Solche Partikel (r.) finden Anwohner auf dem Autolack in Wedel

Foto: Kerstin Lueckow / HA

Anwohner beklagen zweiten Ascheregen innerhalb von sechs Tagen. Für die Aufsichtsbehörde ist die Verursacherfrage aber noch offen.

Wedel.  Die Nachbarn des Kohlekraftwerks in Wedel sind so richtig verärgert. Gefühlt spuckt der Schornstein der Anlage so oft Partikel aus wie noch nie zuvor. Am Dienstagmorgen ging aus Sicht der Anwohner bereits der zweite Ascheregen innerhalb von sechs Tagen über dem Viertel nieder. „Das waren diesmal richtig große Placken“, sagt Kerstin Lueckow, Sprecherin der Bürgerinitiative „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk in Wedel“. Ein erst in den Morgenstunden dort abgestelltes, frisch gewaschenes Auto sei nun vollkommen verdreckt.

Anders als bei vergleichbaren Vorfällen in der Vergangenheit sind diesmal sofort mehrere Mitarbeiter des Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) aus Flintbek nach Wedel gekommen. Das LLUR ist die dem Umweltministerium angegliederte Aufsichtsbehörde für das Kraftwerk. Kerstin Lueckow berichtet, die LLUR-Mitarbeiter hätten gesagt, sie müssten erst mal prüfen, ob das Vattenfall-Kraftwerk überhaupt als Verursacher infrage komme. Für Lueckow gibt es da keine Zweifel.

Heftige Partikelniederschläge schon im Frühjahr und Winter

Sie ärgert sich auch über ein Schreiben aus dem LLUR, das sich auf eine Beschwerde nach dem letzten Partikelausstoß vom 2. August (wir berichteten) bezieht. Da heißt es unter anderem: „Es steht keinesfalls fest, dass die gemeldeten Verschmutzungen vom HKW stammen.“ Vattenfall-Mitarbeiter hätten auch keine Verschmutzungen festgestellt. Lueckow: „Es kann doch nicht angehen, dass die Behörde das vom mutmaßlichen Verursacher prüfen lässt.“ Schon im Winter und Frühjahr hatte es heftige Partikelniederschläge gegeben, den Sommer über war dann Ruhe. Das Kraftwerk war in der Revision. Was die Anwohner nun besonders irritiert, ist der Umstand, dass sich Block 2 nach Angaben von Vattenfall immer noch in der Revision befinden soll.

Unternehmenssprecherin Kristina Hillmer hatte in der vergangenen Woche auf eine Anfrage des Hamburger Abendblatts schriftlich mitgeteilt: „Die Revision des Blocks 1 ist bereits beendet, die Revision von Block 2 hält noch bis Mitte/Ende August an.“ Block 2 aber war es bislang, der Partikel ausstieß, niemals Block 1. Die Anwohner fragen sich nun: Ist während der Revision irgendetwas passiert, das dazu geführt hat, dass nun auch Block 1 spuckt?

Das Anliegen des Abendblattes, sich vor Ort über die Revisionsarbeiten zu informieren, hatte Vattenfall übrigens mit der Begründung, dass dies „stören“ würde, abgelehnt und stattdessen eine Besichtigung des Kohlekraftwerks Moorburg in Aussicht gestellt.

Der neuerliche Partikelausstoß ruft unterdessen auch die Wedeler SPD auf den Plan. Ratsherr Wolfgang Rüdiger fordert das LLUR auf, Analysewerte zur Verfügung zu stellen, um beurteilen zu können, ob der Sand in den Sandkisten auf den öffentlichen Spielplätzen ausgetauscht werden muss.

Im Frühsommer hatte die Stadt einen Austausch vorgenommen. Diesmal müsse Vattenfall zahlen, fordert Rüdiger.