Pinneberg
Luftqualität

Messung am Wedeler Kraftwerk beginnt bald

Ein Jahr lang sollen die Partikel aus dem Kraftwerk in Wedel untersucht werden

Ein Jahr lang sollen die Partikel aus dem Kraftwerk in Wedel untersucht werden

Foto: Katy Krause / HA

Münchener Firma Müller-BBM ist dafür zuständig. Gutachterstreit bringt keine neuen Erkenntnisse über den Ascheregen aus dem Kraftwerk.

Wedel.  Die angekündigten Schadstoffmessungen rund um das alte Kohlekraftwerk am Tinsdaler Weg in Wedel beginnen offenbar in Kürze. Aus einer E-Mail aus dem Umweltministerium in Kiel, die Kerstin Lueckow von der Bürgerinitiative „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk in Wedel“ am Freitagmorgen erhalten hat, geht hervor, dass die Münchener Firma Müller-BBM den Auftrag erhalten habe, ein Jahr lang die regelmäßig über dem angrenzenden Wohngebiet niedergehenden Partikel aus dem Kraftwerksschornstein zu sammeln und auf ihre Inhaltsstoffe hin zu untersuchen. Das Münchener Unternehmen hat auch eine Niederlassung im Hamburger Stadtteil Barmbek-Nord.

„Das ist ein zugelassenes Institut. Ich bin erst mal sehr erleichtert“, sagt Lueckow. Zumal in der E-Mail stehe, dass es jetzt „schnellstmöglich“ losgehen soll. Konkret werde der Monat April genannt. Das findet Lueckow insofern wichtig, da schon Ende des Monats einer der beiden Blöcke des Kraftwerks in die Revision geht, also für Modernisierungsarbeiten abgestellt wird. Möglicherweise lässt sich vorher noch etwas messen; allein in diesem Jahr hat der für die Bürgerinitiative tätige Gutachter Christian Tebert schon sechs Partikelauswürfe gezählt, 2016 waren es 17.

Auf vier Privatgrundstücken an der Straße Hellgrund, die dem Kraftwerksgelände am nächsten ist, sollen nun Messeinrichtungen aufgebaut werden, die ungefähr aussehen wie ein Weckglas auf einem Stab. Bei einem Runden Tisch im Hause des Umweltministers Robert Habeck (Grüne) in Kiel hatten sich Vertreter der Bürgerinitiative, des Kraftwerksbetreibers Vattenfall und des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) Ende Februar auf dieses Vorgehen verständigt (wir berichteten). Ziel: nach einem von allen Seiten akzeptierten Verfahren zu Erkenntnissen über die Zusammensetzung und den Giftgehalt des Ascheregens zu gelangen, die hinterher auch von allen anerkannt werden.

Wie bitter das nötig ist, hat am Donnerstagabend ein Zusammentreffen von Bürgerinitiative samt Gutachter Tebert, LLUR-Mitarbeitern und Vattenfall-Vertretern während einer Sitzung des Wedeler Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschusses eindrucksvoll veranschaulicht. Um im Bild zu bleiben: Vergiftet ist auf jeden Fall das Klima, in dem die Parteien aufeinandertreffen, das ist unüberhörbar. Und mitunter extrem scharf der Ton. Wer hingegen kein Experte ist, kann den einander widersprechenden Argumentationen längst nicht mehr folgen. Und auch die studierten Fachleute können sich vortrefflich darüber streiten, welche Messmethoden die richtigen und welche Schlussfolgerungen daraus abzuleiten sind.

Während etwa LLUR-Mitarbeiter Sven Helmig sagt, Proben von der Schornsteininnenwand seien toxikologisch bewertet worden, es bestehe keine Gesundheitsgefahr, und weitere Untersuchungen brächten keinen weiteren Nutzen, hält Gutachter Tebert all das für eine „sehr gewagte These“.

„Für einen Nicht-Fachmann ist die Sachlage nicht viel klarer geworden“, resümierte auch Bürgermeister Niels Schmidt am Ende des Abends. Er äußerte die Hoffnung, dass eine von allen akzeptierte Untersuchung nun dazu beitragen wird, dass alle Interessensgruppen wieder Vertrauen zueinander aufbauen können.