Pinneberg
Pinneberg

Niedrige Zinsen bereiten Stiftungen Probleme

Nicht zu viel Risiko, ein bisschen Ertrag: Stefan Witt (v. l.), Uwe Augustin und Bettina Fischer zeigen eine Anlageform für Stiftungsvermögen

Nicht zu viel Risiko, ein bisschen Ertrag: Stefan Witt (v. l.), Uwe Augustin und Bettina Fischer zeigen eine Anlageform für Stiftungsvermögen

Foto: Alexander Sulanke / HA

Die Inflation zehrt die Erträge auf. In einer neuen Serie stellen wir ab kommender Woche Stiftungen aus dem Kreis Pinneberg vor

Pinneberg.  „Der Zins ist gleich Null“, sagt Stefan Witt, Vorstand im Hause Volksbank Pinneberg-Elmshorn. „Das ist so.“ Punkt. Privatanleger, die ein bisschen Geld auf einem Sparkonto geparkt haben, können ein Lied davon singen. Ihr Vermögen schrumpft, wird von der Inflation aufgefressen, obwohl auch die momentan nicht gerade hoch ist. Was im Kleinen gilt, stellt sich im Großen genauso dar. Besonders hart kann die augenblickliche Niedrigzinsphase Stiftungen treffen, die nicht nur ihr Kapital erhalten müssen, sondern die auch Erträge ausschütten wollen.

Eine schwierige Situation. Auf den freiwilligen Inflationsausgleich – ein Umsteuern von Zinserträgen ins Kapital in Höhe der Teuerungsrate – verzichtet mancher Stiftungsvorstand längst, weil es sonst gar nichts mehr auszuschütten gäbe. Trotzdem: „Viele Stiftungen sind an der Grenze, dass sie überhaupt noch Geld austeilen können“, sagt Bettina Gerber, die in der Kreisverwaltung in Elmshorn die Stiftungsaufsicht verkörpert. Zurzeit 47 gemeinnützige Stiftungen sind dort registriert. Die Abendblatt-Regionalausgabe Pinneberg wird ab Montag, 2. Mai, an dieser Stelle wöchentlich einige von ihnen in der neuen Serie „Zukunft gestalten, Sinn stiften“ vorstellen. Bettina Gerber von der Kreisverwaltung hat sie alle im Blick. „Wir schauen uns jedes Jahr die Bilanzen aller Stiftungen an“, sagt sie. Dabei achte sie vor allem auch darauf, dass das Kapital erhalten bleibt.

Volksbank setzt auf einen Immobilienfonds

Aber wie soll das gelingen, wenn doch der Zins gleich Null ist? „Das ist eine ganz große Herausforderung“, sagt Witts Vorstandskollege Uwe Augustin. Die Männer antworten nicht nur als Banker, sondern auch als Stifter: 2009 hat das Kreditinstitut die Bürgerstiftung ins Leben gerufen und mit einem Kapital von inzwischen zwei Millionen Euro ausgestattet. Auch wenn dieser Betrag sehr groß ist: Er stellt Augustin und Witt vor Probleme, die denen eines Kleinsparers sehr ähnlich sind. Witt sagt: „Wir entgehen dem Rückgang bei den Erträgen, indem wir in einen Immobilienfonds investieren.“

Ein Fonds mit einem 30-prozentigen Aktienanteil wäre eine Alternative. Darauf setzt die Stiftung Jugendförderung der Sparkasse Elmshorn mit ihrem 400.000-Euro-Kapital. „Die Anlage Sparbuch und Co. wirft ja kaum noch Erträge ab“, sagt Olaf Seiler, Sparkassen-Sprecher in Elmshorn. Wo es früher noch 2,5 Prozent pro Jahr gegeben habe, seien heute vielleicht noch 0,1 Prozent an der Tagesordnung.

„Die Mischung machts’s“, sagt Volksbank-Vorstand Witt und wirft eine Tüte Gummibärchen auf den Tisch. Jede Sorte darin soll eine Anlageform und deren Ertrag symbolisieren. Witt: „Wenn die gelben Gummibärchen mal nicht mehr schmecken sollten, sind zum Glück noch genug andere in der Tüte.“

Immobilienfonds oder ein Drittel Aktien – ein bisschen risikoreicher als das Sparbuch oder festverzinsliche Wertpapiere ist beides. „Deshalb ein Drittel, nie vollständig. Das würde auch kein Stiftungsvorstand, das würde auch keine Stiftungsaufsicht mitmachen“, sagt Olaf Seiler. Doch ein Restrisiko, dass vorübergehend Vermögen verloren geht, bleibt. Uwe Augustin in Pinneberg relativiert. „Wir reden hier über auf Dauer angelegtes Geld“, sagt er. In einzelnen Episoden, wenn der Kurs einbreche, könne das Kapital wohl mal etwas schrumpfen. Langfristig vermehre es sich aber.

Die Strategie des Langfristigen – bei den meisten eher konservativ denkenden Privatkunden habe sie sich noch nicht durchgesetzt, sagt Volksbank-Vorstand Stefan Witt. „Die Deutschen halten Kasse. Die Philosophie, in anderen Anlageformen zu denken, ist noch nicht so in den Köpfen drin“, sagt er. „Kasse halten heißt zurzeit aber: Geld vernichten.“ Allerdings räumen die Volksbank-Vorstände ein, dass ein für Stiftungen geeignetes Modell sich nicht zwangsläufig eins zu eins auf einen privaten Anleger übertragen lasse. Für den nämlich könnten gerade die vergleichsweise kurzen Phasen, in denen ein langfristig profitabler Fonds vorübergehend Verluste einfährt, gefährlich werden. Etwa dann, wenn der Rentenbeginn in so eine Phase fällt und dringend eingeplantes Geld benötigt wird.

Bettina Fischer, Stiftungsberaterin bei der Bürgerstiftung der Volksbank, beobachtet unterdessen, dass in puncto Anlageform in den Köpfen vieler Stiftungsvorstände schon ein Umdenken begonnen hat. „Und das ist vielleicht ein positiver Aspekt an dieser Niedrigzinsphase“, sagt sie. Manchen Stiftungen, darin sind sich die Experten einig, steht dieser Prozess noch bevor, weil das Problem der niedrigen Erträge bis zu ihnen noch gar nicht vorgedrungen ist.

„Es trifft sie zeitversetzt, wenn sie in der Vergangenheit in langfristigen Verträgen Kapital noch zu guten Konditionen angelegt haben“, erklärt Stiftungsberaterin Fischer. Und auch Bettina Gerber von der Stiftungsaufsicht sagt, besser stelle sich die Lage zurzeit noch bei Stiftungen dar, die in der Vergangenheit langfristige Verträge abgeschlossen haben. „Es wird in absehbarer Zeit alle Stiftungen betreffen“, sagt Olaf Seiler von der Sparkasse Elmshorn.

Unterdessen haben die ersten Stiftungen einen Weg gefunden, wie sie trotz schlechter Ertragslage Geld austeilen und Projekte fördern können. Sparkassen-Sprecher Seiler formuliert, was auch die Volksbank-Vorstände Augustin und Witt so sehen: „Um weiterhin nennenswert agieren zu können, müssen Stiftungen Spender finden, die es ihnen ermöglichen, ihrerseits Geld zu spenden.“