Pinneberg
Barmstedt

Maritimes Kopfkino in der KulturSchusterei

Blick zum Horizont: Johann Anzenbergers Monolog überzeugt unter anderem durch seine ausdrucksstarke Bühnenpräsenz

Blick zum Horizont: Johann Anzenbergers Monolog überzeugt unter anderem durch seine ausdrucksstarke Bühnenpräsenz

Foto: Elvira Nickmann / HA

Kritik der Woche: Wie Johann Anzenberger erfolgreich allerlei Gestalten auf die Bühne holt, obwohl er dort in Wahrheit alleine steht.

Barmstedt.  Am Anfang ist das Schiffshorn. Es ertönt irgendwo hinter den Zuschauern, die am Sonnabend in die Barmstedter KulturSchusterei gekommen sind. Langsam kommt der Ton näher und mit ihm auch Johann Anzenberger. Der Künstler wird diesen Abend allein bestreiten, und doch werden allerlei Gestalten mit ihm auf der Bühne sein.

So wie eine Klarinette an seinen Lippen die Illusion der Schiffshupe erzeugt, lässt Anzenberger in den Köpfen der Zuschauer Bilder erstehen, von Ballsälen, von einem Schiff namens Virginian, von Novecento, dem Ozeanpianisten. Seine Geschichte wird der Schauspieler erzählen. Der Monolog wird unterstützt von seiner Klarinette, die ihn durch das Theaterstück „Novecento - Die Legende vom Ozeanpianisten“ begleitet, die schluchzen und schreien kann und mit der er so bekannte Songs wie „Summertime“ und „Wildcat Blues“ zitiert.

Langsam schreitet Anzenberger zur blau erleuchteten Bühne, auf der ein riesiges weißes Papierschiffchen auf ihn wartet, das Licht bricht sich an seinen klaren Strukturen. Er wird hineinsteigen und sich erinnern an Novecento und seine Musik, der eine tragende Rolle zukommt. „Novecento ist nicht von Bord gegangen“, sagt Anzenberger und klingt dabei resigniert und traurig. „Er wusste, dass ich kommen würde. Als er auf diesem ganzen Dynamit saß, da hat er mir seine Geschichte geschenkt, weil ich sein bester Freund war.“ Dramatisches kündigt sich an, aber auch herzerwärmende Momente der Freundschaft und die Faszination einer besonderen musikalischen Gabe. Manchmal löst sich die Spannung auf, wenn Komisches zutage tritt an Stellen, wo man es nicht vermutet hätte.

Johann Anzenberger verkörpert mühelos all diese Facetten und bleibt dabei immer wahrhaftig. Der Monolog des italienischen Autors Alessandro Baricco hatte es dem diplomierten Schauspieler sofort angetan. Das trägt spürbar bei zu diesem kleinen Juwel, das Matthias Grütz mit seinem Gespür für gute Unterhaltung in die KulturSchusterei geholt hat.

Mehr Maritimes in der KulturSchusterei ab Freitag, 5. Februar, 20 Uhr, mit „Ich könnte Meer vertragen“ vom Theater Die Pathologie, Karten im Vorverkauf 12, 16 Euro an der Abendkasse.