Pinneberg
Versorgung

Der Bedarf an Pflege im Kreis Pinneberg steigt

Bettina von der Schulenburg arbeitet als Pflegedienstleitung bei den Johannitern in Pinneberg

Bettina von der Schulenburg arbeitet als Pflegedienstleitung bei den Johannitern in Pinneberg

Foto: Anne Dewitz / HA

Der Anteil pflegebedürftiger Männer nimmt zu. Mehrzahl der Menschen zieht eine Versorgung in den eigenen vier Wänden vor.

Kreis Pinneberg.  Tag für Tag helfen sie anderen Menschen, sind oft mit Krankheit und Tod konfrontiert. Eine Pflegekraft muss anpacken können und dennoch einfühlsam sein, auch unter Zeitdruck – ein körperlich und psychisch fordernder Beruf, der obendrein oft schlecht bezahlt ist. Bettina v. der Schulenburg würde ihn dennoch jederzeit wieder ergreifen. „Was mich an der Arbeit begeistert, ist der Kontakt zu den Menschen und die Möglichkeit, ihnen helfen zu können“, sagt die Pflegedienstleiterin der Johanniter in Pinneberg. Ihr Team aus 17 Mitarbeitern kümmert sich derzeit um 80 Kunden in Pinneberg und Umgebung. Bettina v. der Schulenburg fallen viele Gründe ein, im Pflegedienst zu arbeiten: das selbstständige und selbstverantwortliche Arbeiten, flexible Arbeitszeiten, der Austausch mit den Kollegen, und obendrein sei es ein krisenfester Job.

Denn die Zahl der Pflegebedürftigen steigt konstant. Derzeit sind es bundesweit 2,7 Millionen. Eine Entwicklung, die unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen stellt und auch die Politik beschäftigt. So hat der Bundestag am Freitag die zweite Stufe der Pflegereform beschlossen, nach der es künftig fünf statt drei Pflegegrade geben wird. Das Gesetz soll vor allem Demenzkranken zugute kommen.

Zahlen sind auch im Land gestiegen

Auch in Schleswig-Holstein sind die Zahlen gestiegen, wenn auch nicht so stark wie im deutschen Durchschnitt. Das berichtet die IKK classic und bezieht sich dabei auf Daten der Statistischen Ämter des Bundes und Länder, die im Jahr 2003 und 2013 erhoben wurden. Im nördlichsten Bundesland ist die Steigerung von 2003 (74.264 Pflegebedürftige) bis 2013 (82.692 Pflegebedürftige) mit 11,3 Prozent deutlich niedriger als die bundesweite mit 23,8 Prozent.

„Beim Vergleich der schleswig-holsteinischen Landkreise und kreisfreien Städte, zeigen sich sehr unterschiedliche Ergebnisse“, sagt Peter Rupprecht von der IKK classic. „So ist die Anzahl von Pflegebedürftigen in Lübeck von 2003 bis 2013 um 2,8 Prozent gesunken, während im Kreis Pinneberg die Steigerung mit 33,7 Prozent sogar über dem Bundesdurchschnitt liegt und die höchste im gesamten Bundesland ist.“ 2003 bezogen insgesamt 6288 Bewohner im Kreis Pinneberg Leistungen der Pflegeversicherung, 2013 waren es 8404 Menschen. Warum das so ist, dafür hat Rupprecht keine Erklärung. Deutlich zugenommen habe im Kreis Pinneberg die Anzahl der pflegebedürftigen Männern mit einer Steigerung von 1980 Personen (2003) auf 3004 Personen (2013), was einem Plus von 51,7 Prozent entspricht. Bei den Frauen wurde eine Zunahme um 25,3 Prozent verzeichnet. 2003 waren 4308 Frauen pflegebedürftig, 2013 waren es 5400.

Dass generell mehr Frauen als Männer gepflegt werden, erklärt sich Peter Rupprecht unter anderem damit, dass Frauen häufig die Pflege ihrer Partner übernehmen, sie dann später aber selbst auf professionelle Hilfe angewiesen sind, wenn es um ihre eigene Pflege geht. Generell gehe ein Mann deutlich nachlässiger mit seiner Gesundheit um. „Er geht beispielsweise seltener zu Vorsorgeuntersuchungen und ernährt sich schlechter“, sagt er. Nicht verwunderlich also, dass ein Mann im Durchschnitt fünf Jahre früher stirbt. Sie seien häufig auch in einem jüngeren Alter pflegebedürftig als die Frau, so Rupprecht.

Fachkräftemangel ist nicht zu spüren

Wie Pflegebedürftige im Kreis ihre Versorgung organisieren, habe sich im Laufe der Zeit verändert, auch hier auf für Schleswig-Holstein ungewöhnliche Art und Weise. So steigt im Kreis Pinneberg der Anteil der Menschen, die in den eigenen vier Wänden versorgt werden. In den meisten anderen Regionen in Schleswig-Holstein hingegen nimmt der Anteil der Unterbringung in Pflegeheimen zu.

So wurden 2003 laut Krankenkasse 41,7 Prozent der Pflegebedürftigen im Kreis Pinneberg in einem Heim versorgt, 38,8 Prozent bezogen Pflegegeld und 19,5 Prozent hatten einen professionellen Pflegedienst beauftragt. 2013 entschieden sich 39,5 Prozent für das Pflegegeld, nur noch 37 Prozent für die vollstationäre Pflege im Heim und 23,5 Prozent wählten die Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst.

Den viel beschworenen Fachkräftemangel spürt Bettina v. der Schulenburg nicht. „Derzeit können wir den steigenden Bedarf an Pflege gut abdecken“, sagt sie. In diesem Jahr konnten sie sogar vier neue Fachkräfte begrüßen. Das liege auch am Arbeitgeber. So stehe bei den Johannitern der Mensch im Mittelpunkt, und zwar nicht nur auf Kunden-, sondern auch auf Mitarbeiterseite. Das zeige sich nicht nur in der Bezahlung nach Tarif und zusätzlichen Leistungen, sondern auch daran, dass sie bei der Pflege nicht hetzen müssten.

Menschen, die nach einem geeigneten Pflegedienst oder Pflegeheim suchen, finden im Internet unter www.weisse-liste.de Infos. Über eine Suchmaske lassen sich Angebote in der gewünschten Gegend finden. Außerdem kann eine individuelle Checkliste erstellt werden, die bei der Entscheidung hilft.