Pinneberg
Elmshorn

Einweihung: Quartier für alle Generationen

Nele Krupski (im Rollstuhl) bedankte sich bei der Einweihung der Wohnungen bei allen Beteiligten

Nele Krupski (im Rollstuhl) bedankte sich bei der Einweihung der Wohnungen bei allen Beteiligten

Foto: Anne Dewitz / HA

Bauunternehmen Semmelhaack hat in Elmshorn für 28 Millionen Euro 224 Wohnungen eingeweiht, viele davon behindertengerecht.

Elmshorn.  Selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden wohnen: Für 14 junge Erwachsene mit Behinderung ist dieser Traum in Erfüllung. Sie haben ihre eigenen Wohnungen im Haupthaus im Henry-Dunant-Ring in Elmshorn bezogen. Unterstützt werden sie in diesem landesweit einmaligen Projekt in dieser Größenordnung von der Paritätischen Pflege SH. Das Mehrgenerationenquartier mit insgesamt 224 Wohneinheiten wurde am Freitag offiziell eingeweiht.

Die Initiative zu einem inklusiven Quartier stammt vom Verein „Selbstbestimmtes Wohnen am Sandberg“ (Sewo) aus Elmshorn. Deren ehemalige Vorsitzende Beate Krupski war schon früh der Überzeugung, dass ihre Tochter Nele mit Unterstützungsbedarf so leben können soll, wie sie es möchte. Gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft Theodor Semmelhaack aus Elmshorn und der Pflege SH, die sie an einen Tisch brachte, konnte sie diesen Herzenswunsch nun umsetzen.

Kevin lebte vorher in einem Dorf ohne Busanbindung

Nele und einige ihrer neuen Mitbewohner bedankten sich bei den Beteiligten persönlich. „Es ist super toll, dass ich in meinen eigenen vier Wänden schalten und walten kann, wie ich will“, sagte die junge Frau, die im Rollstuhl sitzt. Die 24-Jährige hatte die vier Jahre zuvor in einer vollstationären Pflegeeinrichtung gelebt, in der sie sich nicht wohl fühlte. Nun hat sie eine eigene unterfahrbare Küche in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung, und wenn sie Gesellschaft sucht, findet sie diese im Gemeinschaftsraum.

Ihr Nachbar Kevin lebte vorher in einem Dorf ohne Busanbindung. Aufgrund seiner Gehbehinderung ist er auf sein Fahrrad angewiesen. „Jetzt kann ich bei Regen auch auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen“, sagt er. Andere empfinden mehrere Generationen unter einem Dach als „sehr entspannt“ und fühlen sich akzeptiert. Und Mark freut sich einfach, dass er länger schlafen kann, ehe er mit vom Fahrdienst zu den Werkstätten abgeholt wird.

Rund 28 Millionen Euro wurden in den Bau des Quartiers investiert, dessen Grundstein am 24. September 2014 gelegt worden war. Knapp ein Jahr später sind bis auf drei Wohnungen alle bereits bezogen worden. Im Kernhaus sind 36 Zwei-Zimmer-Wohnungen mit Bad und Küche, fünf mit unterfahrbarer Küche für Menschen entstanden, die auf Rollstühle angewiesen sind. In diesen Wohnungen leben außer den 14 jungen Erwachsenen auch ältere Menschen mit und ohne Pflegebedarf.

80 Wohnungen sind öffentlich gefördert worden

Rund um das Kernhaus gruppieren sich acht weitere Mehrfamilienhäuser mit 171 barrierearmen Wohnungen sowie 17 Reihenhäuser. Mieten kann dort, wer will: Familien, Alleinerziehende, ältere Menschen, Singles. 80 Wohnungen sind öffentlich gefördert worden. Die Kaltmiete für die günstigsten Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen beträgt damit 5,50 Euro pro Quadratmeter. Der Normalpreis liegt zwischen 8,50 Euro und zehn Euro pro Quadratmeter.

„Wir freuen uns, Teil dieses Projekts zu sein“, sagt Irini Aliwanoglou. Die Geschäftsführerin der Paritätischen Pflege SH stellt die gute und intensive Zusammenarbeit aller am Projekt Beteiligten heraus. Ihr Fachpersonal unterstützt 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Zudem steht auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Pflegedienst Elmshorn der Pflege SH bereit. Hier kann Unterstützung im Haushalt, beim Einkaufen und den Besorgungen des täglichen Lebens bis hin zu Leistungen der Pflege und der Eingliederungshilfe, die Menschen mit einer Behinderung beziehen können, angefordert werden. Zwang sei das aber nicht.

Der im Kernhaus untergebrachte Sewo-Treff bildet auf knapp 120 Quadratmetern die lebendige Mitte für alle Mieter mit Handicap. Dort essen sie gemeinsam und kochen am Wochenende zusammen. Auch Nachbarn können gern vorbeischauen. Bei einer offenen Kaffeerunde jeden Donnerstagnachmittag soll es Gelegenheit geben, sich kennenzulernen, so Monika Bess, Vorsitzende des Vereins.