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Kreis Pinneberg

Fassungslosigkeit nach Fällaktion in Halstenbek

Wo bis vorige Woche ein Birkenwäldchen stand, blieb eine kahle Fläche zurück

Wo bis vorige Woche ein Birkenwäldchen stand, blieb eine kahle Fläche zurück

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Firma Greve rodet ein Birkenwäldchen, obwohl keine Bebauung ansteht. Die Aktion war rechtens, könnte aber dennoch Folgen haben.

Halstenbek.  Ein Kahlschlag sorgt in Halstenbek für Empörung: Die Firma Greve aus Hamburg hat das Birkenwäldchen, das auf ihrer seit Jahren brachliegenden Gewerbefläche am Gewerbering entstanden ist, komplett abholzen lassen. „Das ist eine Kriegserklärung. Der letzte Rest Vertrauen in die Firma ist dahin“, sagt CDU-Fraktionschefin Kirsten Sajitz. Sie überlege nun, gemeinsam mit den Grünen den Bebauungsplan für die Fläche aufheben zu lassen. „Es wäre sinnvoll, wenn wir uns endlich an anderer Stelle nach Gewerbeflächen umsehen.“

Seit 2004 wartet die Gemeinde darauf, dass die brachliegende Gewerbefläche besiedelt wird. Pläne für ein Fachmarktzentrum, Möbel- und Bürohäuser und eine Seniorenresidenz scheiterten. Dann tat sich nichts, bis Greve 2014 einen neuen Anlauf nahm, jedoch auf einer Teilfläche bis zu 200 Wohnungen forderte. Mitte Juli 2015 hatte der Gemeinderat der Investorenfamilie einen Kompromiss angeboten, der maximal 90 Wohneinheiten in Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern entlang des Eidelstedter Weges erlaubt. Wohnen und Gewerbe müssen durch einen 30 Meter breiten Grünstreifen getrennt werden. Investor Greve müsste erst für die Erschließung des Areals sorgen, bevor er Wohnungen baut.

Die Frist für Greve, sich zu dem Kompromissangebot zu erklären, ist bereits abgelaufen. Stattdessen ließ er Ende voriger Woche Taten sprechen. Ein Versuch von Halstenbeks Umweltberater Rodion Wohlleben, den Kahlschlag zu stoppen, schlug fehl. So konnte Greve eine Fällgenehmigung der Unteren Forstbehörde des Landes vorweisen, von deren Existenz der Gemeindemitarbeiter nach eigenen Angaben keine Kenntnis hatte.

Arbeiten wurden zunächst gestoppt, durften dann aber fortgesetzt werden

„Mich haben empörte Bürger angerufen und auf die Fällaktion aufmerksam gemacht“, berichtet der Umweltberater. Er sei sofort hingefahren und habe die Arbeiten gestoppt. „Ich habe dafür keine Genehmigung gefunden. Es gab jedoch eine von der Unteren Forstbehörde des Landes, wie ich später erfahren habe. Daraufhin konnten die Arbeiter weitermachen.“ Aus einer Wald- und Wiesenfläche wurde laut Gudrun Gabriel-Schröder von Halstenbeks Grünen „eine unansehnliche Schlammwüste, übersät mit geschredderten Plastikteilen“.

Gabriel-Schröder beschreibt ihren Gemütszustand als fassungslos: „Es war ein Trauerspiel, mit ansehen zu müssen, wie die vielen Tiere, die ihr Winterquartier verloren haben, orientierungslos über die kahle Fläche irren.“ Sie spricht von einer „Provokation“ des Investors. „Natürlich war uns klar, dass eine Vernichtung der Grün- und Waldflächen erfolgen wird, wenn eine Bebauung des Grundstücks stattfindet. Aber in nächster Zeit wird dort nichts gebaut, sodass diese Aktion zum jetzigen Zeitpunkt völlig sinnlos ist.“ Aber sie war rechtmäßig, wie auch Axel Suersen von der Unteren Forstbehörde des Landes bestätigt.

Demnach hatte seine Behörde die Fläche als Wald eingestuft, wogegen Greve sich gerichtlich gewehrt hatte. „Vor dem Verwaltungsgericht Schleswig wurde ein Kompromiss geschlossen, wonach die Fläche im Falle einer Ersatzaufforstung gerodet werden darf“, sagt Suersen. Die Ersatzanpflanzung sei nicht in Halstenbek, sondern im Raum Barmstedt erfolgt.

Das bestätigt auch ein Sprecher der Greve-Gruppe: „Wir haben vollkommen rechtmäßig gehandelt.“ Das Verwaltungsgericht habe der Firma gestattet, die Fläche in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen, der beim Ankauf durch Greve bestand. „Wir werden diesen Zustand jetzt auch dauerhaft beibehalten.“ Der Greve-Sprecher kritisiert das „rechtswidrige Eingreifen“ der Gemeinde. „Ihr war der Beschluss des Verwaltungsgerichts sehr wohl bekannt.“

Unklar bleibt, was nun aus der Fläche wird. Laut dem Greve-Sprecher spiegelt das Kompromissangebot des Gemeinderates nicht das mit Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann erzielte Verhandlungsergebnis wider. Erneute Nachverhandlungen lehnen allerdings CDU und Grüne kategorisch ab.