Pinneberg
Halstenbek

Gemeinde einigt sich mit Investor Greve

Im Halstenbeker Gewerbgebiet könnte nun endlich etwas passieren

Im Halstenbeker Gewerbgebiet könnte nun endlich etwas passieren

Foto: Marvin Mertens

Nach mehr als elf Jahren können acht Hektar Gewerbeflächen vergeben werden. Die Gemeinde darf die Firmen mitauswählen.

Halstenbek.  Noch im Januar hatte sich der Halstenbeker Gemeinderat einer Einigung mit der Hamburger Investorenfamilie Greve verweigert. Am Mittwochabend stimmten die Kommunalpolitiker einem Kompromissvorschlag zu, der in schwierigen Nachverhandlungen erzielt werden konnte. Damit ist der Weg frei, auf einer acht Hektar großen Fläche am Rande der Wohnmeile Gewerbe anzusiedeln – und eine mehr als elfjährige Hängepartie findet ihr Ende.

Im April 2004 hatte Greve eine gigantische Investition in der Baumschulgemeinde angekündigt. Auf dem 100.000 Quadratmeter großen Gelände zwischen Gärtnerstraße, Eidelstedter Weg und Seemoorweg sollten ein Fachmarktzentrum, mehrere Möbelhäuser, eine Seniorenresidenz und Bürobauten mit 30.000 Quadratmetern Nutzfläche entstehen. Das Areal befindet sich im Besitz der AlsterCity Verwaltungsgesellschaft Hamburg, die zur Familie Greve gehört. 100 Millionen Euro wollte Greve investieren, mehr als 1000 neue Arbeitsplätze sollten entstehen.

Aus den Plänen wurde nichts, alle Verhandlungen in der Folgezeit scheiterten. 2014 nahm Greve einen neuen Anlauf und bot der Gemeinde weitgehende Zugeständnisse bei der Auswahl der anzusiedelnden Firmen an. Im Gegenzug verlangte der Investor jedoch, auf einem Drittel der Fläche Wohnungen bauen zu dürfen und forderte mehr als 200 Einheiten, zum Teil in Geschossbauten.

Maximal 90 Wohneinheiten dürfen entstehen

Der Kompromiss sieht nun vor, ausschließlich Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser entlang des Eidelstedter Weges zu errichten. Maximal dürfen 90 Wohneinheiten entstehen. Wohn- und Gewerbebebauung müssen durch einen mindestens 30 Meter breiten Grünstreifen getrennt werden, der zu einem Drittel auf die Gewerbe- und zu zwei Drittel auf die Wohnbaufläche angerechnet werden muss.

Der Investor muss zunächst für die Erschließung des Gewerbeareals sorgen, bevor er Wohnungen baut. Für Gewerbe stehen acht, für Wohnen vier, für die Erschließung 1,5 Hektar zur Verfügung. Eine gemeindeeigene Fläche muss miterschlossen werden. Die Wohneinheiten dürfen eine Bruttogeschossfläche von 11.000 Quadratmetern nicht überschreiten.

Einige der genannten Punkte wurden erst in der Gemeinderatssitzung auf Antrag der CDU hinzugefügt, sodass auch die Union als stärkste Fraktion nach einer längeren Sitzungsunterbrechung zustimmen konnte. Trotz dieser Änderungen war sich Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann am Donnerstag sicher, dass die Gegenseite die Einigung nicht platzen lassen wird. „Wir machen dem Haus Greve ein Angebot, das an ein paar Bedingungen geknüpft ist. Greve wird das prüfen müssen. Ich bin optimistisch, was das angeht. Wir haben Greve am Donnerstag über den Beschluss informiert.“

Nächster Schritt ist Verkehrsuntersuchung

Nachdem die Politik nun den Aufstellungsbeschluss für den B-Plan 62 gefasst und die notwendige Änderung des Flächennutzungsplans auf den Weg gebracht hat, muss nun eine Verkehrsuntersuchnung erfolgen. Außerdem stehen weitere Verhandlungen mit Greve bevor – vorausgesetzt, der Investor springt nicht ab. Beide Seiten müssen einen städtebaulichen Vertrag schließen und sich über die Bedingungen für eine gemeinsame Vermarktungs- und Erschließungsgesellschaft einigen. „Die Verhandlungen werden Zeit brauchen. Ich rechne nicht damit, dass die Verträge noch dieses Jahr vorliegen“, sagt Hoß-Rickmann.

Noch in diesem Jahr könnte dagegen eine Fläche am Gewerbering bebaut werden, die zu den acht Hektar der Greve-Fläche gehört. Dort siedelt sich eine Elektronikfirma an, die bisher in der Schweiz sitzt. Für dieses Projekt liegt bereits ein positiver Bauvorbescheid des Kreises vor.

Die Einigung mit Greve sehen Politiker aller Parteien positiv, brechen angesichts der Vorgeschichte aber nicht in Jubel aus. „Ich habe immer noch Befürchtungen der schlimmsten Art“, bekannte Hans-Jürgen Peter (SPD) im Gemeinderat. Und auch Andreas Pauli, (CDU) sprach von „Kröten, die ich und meine Fraktion schlucken müssen.“ Damit meinte er insbesondere die Wohnbebauung. „Wir haben damit große Probleme, weil das unsere Infrastruktur, was Schule und Kitas angeht, enorm belasten wird“, sagte auch Gudrun Gabriel-Schröder (Grüne). Volker Dannhauer (FDP) brachte es auf den Punkt: „Aber wir müssen auch etwas für unsere Einnahmeseite tun. Nur die Ausgaben zu reduzieren reicht nicht.“

Die Firmen, die sich auf den acht Hektar ansiedeln, könnten der Gemeinde pro Jahr ein Gewerbesteuerplus in Millionenhöhe einbringen. „Wir nehmen bisher drei Millionen Euro Gewerbesteuer pro Jahr ein. Rellingen mit weniger Einwohnern erhält zwölf Millionen Euro an Gewerbesteuer“, rechnete Christoph Bittner (SPD) vor. Sollte Halstenbek in diesem Bereich nicht aufholen, drohe der Gemeinde angesichts der finanziellen Situation im Extremfall die Inanspruchnahme des Rettungsschirms des Landes.

„Der eigentliche Verhandlungserfolg ist, dass wir über die gemeinsame Vermarktungs- und Erschließungsgesellschaft die Firmen mit auswählen können“, sagt Hoß-Rickmann. Die Gemeinde werde darauf achten, dass die Flächen an emissionsarme mittelständische Unternehmen gehen.