Pinneberg
Schenefeld

Mehr Tagesmütter braucht der Kreis

Der Betreuungsbedarf ist hoch und gebraucht werden sie dringend: Schenefeld zahlt als erste Stadt der Region für die Tagesmutter-Ausbildung.

Schenefeld. Anna Ludewigs Wohnzimmerboden ist ausgesprochen gut frequentiert. Auf dem Fußboden bahnen sich Kinder krabbelnd einen Weg durch das Spielparadies aus Bauklötzen und Kuscheltieren. Seit einem Jahr herrscht Trubel im Schenefelder Reihenhaus. Bis zu fünf Kinder betreut die gelernte Buchhändlerin hier. Denn Ludewig ist Tagesmutter. Von 8 bis 15 Uhr übernimmt sie die Betreuung des Nachwuchses von berufstätigen Eltern. Sie spielt mit den Kindern, wickelt sie und kocht ihnen etwas zum Mittag. Da immer mehr Paare arbeiten und Frauen früher nach der Geburtspause in den Job zurückkehren, ist der Bedarf nach Betreuungsplätzen im Krippenalter hoch. Tagesmütter wie Anna Ludewig werden händeringend gesucht.

Um der wachsenden Nachfrage hinterherzukommen, setzt Schenefeld neue Maßstäbe. Die Stadt schafft einen lukrativen Anreiz, indem sie als erste in der Region die Ausbildungskosten für Tagesmütter übernimmt. Darunter fallen die Gebühr für den Qualifizierungskursus in Höhe von etwa 185 Euro sowie die in diesem Zusammenhang entstehenden Fahrtkosten. Die Betreffenden müssen dafür einen Einkommensnachweis vorlegen. "Aber es gibt keine festgelegten Obergrenzen. Wir entscheiden von Fall zu Fall und in Abstimmung mit dem Antragsteller. Es soll nicht an den Kosten scheitern", sagt Axel Hedergott, Fachbereichsleiter aus dem Schenefelder Rathaus. Für 2013 rechnet er mit einem Zuschuss von etwa 800 Euro.

Der 19. Qualifizierungskursus beginnt im Januar bei der Familienbildung in Wedel. Dort werden Tagesmütter für die Regionen Schenefeld, Uetersen, Tornesch sowie Wedel und Umgebung geschult. Mit Hilfe des neuen Anreizes hofft Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof, dass sich sechs Schenefelder anmelden und später als Tagesmütter oder -väter Kinder in der Stadt betreuen. Gebraucht werden sie dringend, sagt Ulrike Wohlfarth, die Leiterin der Familienbildung.

2011 betreuten zwölf Tagesmütter insgesamt 68 Kinder. 2012 vermittelte die Familienbildung bereits 53 Kinder an Schenefelder Tagesmütter. "Und der Andrang ist ungebrochen", so Wohlfahrt. Sie geht deshalb davon aus, dass 2012 sehr viel mehr Kinder von Tagesmüttern betreut werden als im Vorjahr - und das obwohl Schenefeld weitere 40 Kita-Krippenplätze schafft. "Wir müssen sehen, ob wir damit auskommen oder ob wir nachlegen müssen", sagt Rathausmitarbeiter Axel Hedergott.

Wohlfahrt bringt den Grund für den Ansturm auf den Punkt: "2013 steht vor der Tür und damit der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle unter Dreijährigen." Die von der Bundesregierung ausgegebene Betreuungsquote von 35 Prozent haben Städte wie Schenefeld und Wedel schon jetzt erreicht. Allerdings ist das in der Metropolregion nicht genug. "Wir gehen 2013 von einem Bedarfsminimum von 50 Prozent aus", sagt Verwaltungschefin Küchenhof. Das sieht man in Wedel ähnlich. Einen Bedarf, den die Städte nur mit Hilfe der Tagesmütter auch decken können.

Insgesamt betreuten 2011 laut Familienbildung 258 Tagesmütter 1374 Kinder im Kreis Pinneberg. Davon waren 84 Prozent im Krippenalter, also unter drei Jahre. Tendenz steigend. Ob andere Städte dem Schenefelder Vorbild folgen und die Ausbildung von Tagesmüttern finanzieren? In Wedel kann man sich das nicht vorstellen. Die Stadt fördere die Ausbildung von Tagesmüttern schon indirekt durch einen höheren allgemeinen Zuschuss an die Familienbildung. Auch in Pinneberg und Elmshorn gibt es derzeit keine solchen Zuschusspläne. In Pinneberg gibt es 350 Betreuungsplätze für Kinder im Alter von null bis drei Jahren. Die Verwaltung ist sicher, dass bis zum 1. August 2013 die angepeilte Quote von 35 Prozent bei den Krippenplätzen erreicht wird. Elmshorn verfügt über 130 Krippen- und 272 Plätze in der Tagespflege für bis zu dreijährige Kinder. Bis Ende 2013 sollen 75 Krippenplätze dazukommen. Dann soll es für 1336 zu versorgende Kinder 477 Plätze in Krippen- und Tagespflege geben, was einer Quote von 35,7 Prozent entsprechen würde.