Pinneberg
Kampagne: Verband informiert Waldbesucher

Jäger raten: Der Zecke so wenig Haut wie möglich zeigen

Wenn Helmut Fricke (66) durch den Wald streift, bekommt er oft unangemeldeten Besuch. Fast immer bleibt eine Zecke an ihm hängen, mal ist sie einfach von der Kleidung abzustreifen, mal unangenehm vom Hinterteil zu lösen.

Doch davon lässt sich der Apotheker aus Moorrege nicht abschrecken, seinem Hobby als Jäger nachzugehen. "Das Wichtigste ist, immer hinterher den Körper abzusuchen, ob irgendwo eine Zecke steckt", sagt Fricke. Am besten lässt sich das Tier mit einer Pinzette lösen. "Leicht anheben und gerade rausziehen", rät der Naturliebhaber.

Was man sonst noch tun kann, um sich in Wald und Flur vor Krankheiten zu schützen, die Wildtiere auf den Menschen übertragen können, darüber klärt die Kreisjägerschaft ab 3. Mai im Haseldorfer Elbmarschenhaus auf. Jeden Sonntag stehen der Moorreger Waidmann oder einer seiner Kollegen von 10 bis 16 Uhr im Jägerzimmer des Hauses für Gespräche bereit. "Unser Schwerpunkt ist, in den kommenden drei Monaten über die möglichen Gefahren und besonders die Schutzmöglichkeiten aufzuklären", sagt Hartmut Schumann (72) aus Wedel. Er ist der Naturschutzwart der gut 1200 Jäger im Kreis Pinneberg.

Weltweit gibt es 200 sogenannte Zoonosen, das sind Krankheiten, die vom Wild auf den Menschen übertragen werden. Bedeutend sind davon für die Mitteleuropäer nur drei.

In der Zecke lauern zwei Gefahren. Das eine sind Viren, die sofort beim Biss eines infizierten Tieres in den menschlichen Körper gelangen und - falls nicht erkannt - eine Entzündung des Gehirns auslösen können. Dagegen hilft eine Impfung. Für Jäger ist so ein Schutz unumgänglich, auch wenn in Norddeutschland nach der Statistik nur zwei Prozent aller Zecken das Virus tragen. In Baden Württemberg sollen es bis zu 70 Prozent sein.

"Problematischer zu erkennen und zu behandeln" (Helmut Fricke) sind Bakterien aus dem Darm der Zecke. Etwa jede vierte Zecke kann die Borreliose übertragen, die zu chronischen Gelenkerkrankungen führen kann. "Sobald sich ein roter Hof um den Zeckenbiss bildet und die Rötung wandert, muss ein Arzt aufgesucht werden", warnt Fricke. Dann helfen Antibiotika.

Die Waidmänner raten Waldbesuchern, möglichst lange Hosen und Strümpfe zu tragen, um sich gegen Zecken zu wappnen. Die Kleidung könne zusätzlich durch spezielle Sprays so besprüht werden, damit die Zecke entweder gar nicht springt oder schnell wieder ablässt.

Die Jäger räumen gleichzeitig mit der Mär auf, dass die Zecken aus großer Höhe abspringen. "Zumeist sitzen sie auf Gräsern und lassen sich dann auf ihre Opfer fallen. Allerdings können sie klettern, um so in möglichst warme und feuchte Zonen zu kommen. Fricke: "So gelangen sie auch bis zum Haaransatz."

Dritter unangenehmer Parasit kann der Fuchsbandwurm sein. Deshalb raten die Jäger, Beeren und andere Waldfrüchte vor dem Verzehr zu waschen. Auch die Hände sollten möglichst gesäubert werden, bevor es ans verspeisen geht. Das gilt speziell nach Kontakten mit Hunden und Katzen, die ebenfalls den drei Millimeter langen Bandwurm Weitertragen. Das Risiko ist aber längst nicht so hoch, wie oft dargestellt: Statistisch gibt es in Deutschland 50 Erkrankungen pro Jahr.

Deshalb sagt Naturschutzwart Schumann: "Wir wollen nur für die Gefahren sensibilisieren, aber niemandem die Freude auf den Wald nehmen."