FUSSBALL

„Wahnsinn“: Aus einem Meter am Tor vorbei geschossen

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Eintracht-Talent Kaan Cankaya (Mitte) zwischen den Eimsbüttelern Jonas Hinz (links) und Pepe Nick Bensch.

Eintracht-Talent Kaan Cankaya (Mitte) zwischen den Eimsbüttelern Jonas Hinz (links) und Pepe Nick Bensch.

Foto: Thomas Maibom

U19 von Eintracht Norderstedt verliert Ligastart unglücklich beim ETV. Regionalligasaison steht im Zeichen des Umbruchs.

Hoheluft.  Es waren 93. Minuten gespielt auf dem Kunstrasenplatz am Lokstedter Steindamm, als Andreas Prohn, Trainer der U19 von Eintracht Norderstedt, endgültig verzweifelte. In der letzten Minute der Nachspielzeit hatte seine Mannschaft die tausendprozentige Chance zum Ausgleich vergeben. Und kurz darauf den Abpfiff und die 0:1 (0:1)-Niederlage beim Eimsbütteler TV hinnehmen müssen. „Was da passiert ist, ist ja Wahnsinn“, so Prohn sichtlich konsterniert.

Passiert war Folgendes: Nach einer starken Ecke von Lucas Schulze zwang Nick Peters ETV-Keeper Jan Niemann per Kopf zu einer Glanzparade. Der Ball blieb einen Meter vor dem Kasten liegen. Eintrachts Max Kahr schlug jedoch das auf dem Silbertablett servierte 1:1 unabsichtlich aus und jagte die Kugel einen Meter daneben. „Wenn wir das Ding machen, sind wir heute der gefühlte Gewinner. So haben wir das Spiel leider verloren“, sagte Prohn. Ein Spiel, welches immerhin 250 Zuschauer anzog, und das zum Saisonauftakt der neuen A-Junioren Regionalliga Nord viel Spannung, aber wenig Chancen bot.

„Wahnsinn“: Aus einem Meter am Tor vorbei geschossen

In Hälfte eins war der ETV die bessere Mannschaft, Dilan Mohamed traf zur Führung für die Gastgeber (34.). Nach der Pause drehte sich die Partie plötzlich. Die Eintracht presste früh, eroberte die Bälle, drängte den Bundesliga-Absteiger tief in die eigene Hälfte. Nur dicke Torchancen wollten dabei nicht herauskommen. Prohn: „Wir schießen sechsmal aus dem Rückraum, ohne den gegnerischen Torwart einmal zu fordern, und bei Flanken fehlt uns die gute Besetzung in der Mitte.“

Außerdem ärgerte ihn die mangelnde Cleverness seiner Mannschaft. „Wenn ich im gegnerischen Strafraum dreimal klar am Trikot gezogen werde, muss ich auch mal hinfallen. Sonst pfeift auf dem Niveau eben kein Schiedsrichter einen Elfmeter.“ Fußballerisch war er zufrieden, „aber die Durchschlagskraft im letzten Drittel müssen wir schnell verbessern“.

Im Vorfeld hatte sich der 55-Jährige bereits zu den Saisonzielen in der nun wieder eingleisigen Liga geäußert. Die Rückkehr zur 14er-Staffel begrüßt er. „Endlich haben wir nicht mehr diese riesigen Lücken im Spielplan. Das wird den Jungs guttun.“ Vom alten Stamm sind nur drei Akteure übrig geblieben. Sechs weitere Spieler aus dem U18-Team der Eintracht, das aus der Oberliga Hamburg nicht aufsteigen durfte, da die A-Jugend die Bundesliga verpasst hatte, wurden in die U19 hochgezogen. Satte 14 Spieler jedoch wurden extern verpflichtet, da ebenso viele junge Talente die Mannschaft verließen. Ein großer Umbruch also, welcher schwerwiegende Herausforderungen mit sich bringt.

Neu im Team ist Torjäger Luke Clasen aus der Jugend des Heider SV

Ein heißes Thema ist der Ersatz für David Borgmann. Der Topstürmer der vergangenen Spielzeit (15 Treffer) wechselte in den Hamburger Herrenbereich zum Oberligisten SV Curslack-Neuengamme. Seinen Weggang kompensieren soll ein anderer Torschützenkönig: Luke Clasen. Er erzielte beim Heider SV in der vergangenen Saison gar 25 Tore, allerdings eine Staffel tiefer in der Oberliga Schleswig-Holstein. „Ich hoffe, Luke wird sich auch bei uns so treffsicher zeigen“, sagt Prohn.

Schlüsselspieler in seinem neuen System soll Maurice Lüllemann auf der Sechser- beziehungsweise Achter-Position im Mittelfeld werden. „Maurice kommt vom USC Paloma und hätte dort sofort im Herrenbereich spielen können. Wir konnten ihn überzeugen, dass ein weiteres Jahr bei uns in der U19 sehr wertvoll für seine Entwicklung sein wird“, freut sich Prohn.

Eintracht Norderstedt: Das Ziel ist das gesicherte Mittelfeld

Vor dem unglücklichen Auftakt beim ETV hatte der Eintracht-Nachwuchs in Tests gegen die Herren von Union Tornesch (2:1), die U17-Junioren des Niendorfer TSV sowie die U19-Mannschaft des MTV Lüneburg (jeweils 3:0) sein Können angedeutet.

Das Saisonziel geht der Coach erst einmal betont defensiv an. „Es steigen vier Teams ab, das ist nicht wenig. Wir müssen uns noch finden. Erst einmal geht es für uns um einen Platz im gesicherten Mittelfeld.“ Die Punkte dafür sollen mit einem noch offensiveren, aggressiveren Pressing, daraus resultierenden früheren Ballgewinnen am gegnerischen Tor und schnellem Umschaltspiel geholt werden.

( misch )

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