Vegane Produkte

So will sich ein Norderstedter mit veganen Dips durchsetzen

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Christopher Herbst
Edmund Bruns ist in Norderstedt aufgewachsen. Die Idee für seine Dips ist ihm beim Einkaufen mit seiner damaligen Freundin gekommen.

Edmund Bruns ist in Norderstedt aufgewachsen. Die Idee für seine Dips ist ihm beim Einkaufen mit seiner damaligen Freundin gekommen.

Foto: pr / PR

Start-up-Gründer Edmund Bruns hat es in Supermärkte geschafft. Das ist die Idee hinter seinen ungewöhnlichen Produkten.

Norderstedt. „Iss‘ du mal deinen veganen Kram.“ Diesen Satz, oder so ähnlich, kennen wohl alle, die sich pflanzlich ernähren. Dabei ist es doch wichtiger, dass etwas schmeckt. So sieht das auch Edmund Bruns (32) aus Norderstedt. Der Start-up-Gründer versucht, sich mit veganen Dips auf Cashew-Basis in den Supermarkt-Regalen durchzusetzen. „Ich habe mir immer diese Grill-Situation vorgestellt. Man trifft sich mit Freunden, einige sind vegetarisch, andere vegan, omnivor, essen also auch Fleisch. Dann kommt jemand und sagt: Ich habe hier etwas tolles Neues dabei. Aber du darfst das leider nicht essen.“

Er hat das Produkt nach sich benannt. „Meine Eltern haben mich Edmund genannt. Da steckt der ,Mund‘ schon drin. Und ich rede viel, bin ein kommunikativer Typ, und ich esse unfassbar gerne. Da war es schnell geboren. Ich wollte nicht noch eine Marke mit irgendwelchen ,V‘, Veggie, Grün-Wortspielen machen.“

Die drei Variationen sollen die Neugier wecken

Die grüne, herausgestreckte Zunge soll das Wiedererkennungsmerkmal sein, die drei Geschmacksrichtungen die Neugier wecken. „Eine getrocknete Tomate ist ein Klassiker, da kann jeder etwas mit anfangen. Das ist variabel, es passt auch zu Nudeln. Und dann wollte ich etwas, das ein bisschen experimentierfreudiger ist, ein bisschen würziger. Da bin ich auf Curry gekommen. Und Dattel bringt eine tolle Süße mit rein.“ Und das dritte? „Nur Knoblauch wäre langweilig. Die Harissa-Würzpaste bringt eine angenehme Schärfe im Abgang.“

Bruns ist in Harksheide aufgewachsen, hat 2009 sein Abitur am Coppernicus-Gymnasium gemacht. Bei einer Firma in Kaltenkirchen machte er eine Ausbildung zum Kaufmann für Marketing-Kommunikation, studierte anschließend berufsbegleitend BWL mit Wirtschaftspsychologie. Heute jedoch sitzt er im „Food“, einen vom Hamburger Senat geförderten Co-Working-Space in der Hamburger Hafen-City. „Das gibt es seit knapp 1,5 Jahren. Es ist eine Begegnungsstätte für Food-Begeisterte und so aufgebaut, dass es unten ein Pop-up-Restaurant gibt, das man mieten kann, um Gastro-Ideen auszuprobieren. Oben sitze ich.“

Bruns ist ein „Flexitarier“

Ein Veganer ist er eigentlich nicht. „Ich würde mich jetzt als extremen Flexitarier bezeichnen. Das ist ja auch die Mehrheit der Deutschen. Über 50 Prozent geben an, sich so zu ernähren – ob wegen der eigenen Gesundheit, wegen des Tierwohls, der Umwelt.“Seine Ex-Freundin hat ihn inspiriert. „Sie hat sich stark mit Ernährung beschäftigt, ist dann aus Gesundheitsaspekten irgendwann vegan geworden.“ Und wie das eben so ist: „Es hat mich überzeugt. Es geht mir besser, es schmeckt. Aber beim Einkaufen standen wir vor dem Regal. ,Warum gibt es immer das Gleiche?‘“

Er überlegte: Was wäre möglich? „Die Cashew ploppt bei allem, was cremig werden muss, auf. Ich habe so viele Cashews gekauft, die in allen möglichen Formen püriert, alles Mögliche damit gemacht. So ist die Idee entstanden.“ Der Freundeskreis testete fleißig mit. „Irgendwann muss man aber auch Schluss machen. Wenn man zu viele Leute probieren lässt, kommen zu viele Meinungen. Am Ende muss es mir schmecken – es heißt ja auch so wie ich.“

Ende 2021 gründete er sein Unternehmen, gab dafür einen Job als angestellter Produktmanager auf. „Der Gründungsprozess war deutlich komplizierter, als ich mir das vorgestellt hatte.“ Finanzielle Hilfe erhielt er von einem stillen Partner. „Ich habe meine Kontakte spielen lassen, mir dann jemanden gesucht, der es für mich produziert.“ Fündig wurde er bei einem Lohnunternehmen in Sachsen-Anhalt.

Die Testlistung läuft sechs Monate

Doch die Kunst ist es, den Weg in die Märkte zu finden. „Ich fokussiere mich auf den konventionellen Handel. Über das Food Lab habe ich glücklicherweise jemanden von Rewe kennengelernt.“ Die Muster überzeugten. Auch die Dokumente. Er bekam eine Chance, die Dips zu listen. „Eine Testlistung, die auf ein halbes Jahr läuft. Ich hoffe, es funktioniert.“ Er liefert in zwei Lager. Von dort geht es in den Handel. Die Marktleitungen können, müssen aber nicht beziehen. Bruns geht aber auch selbst in die Filialen, spricht mit den Verantwortlichen, wirbt für sich. Der Fokus liegt auf dem städtischen Raum, hier sind die Läden einfach größer. Neben Rewe gibt es die Dips mittlerweile auch bei den Hamburger Edeka-Ketten Niemerszein und Struve.

Die Cashews werden aus Vietnam importiert

Das Produkt ist bio-zertifiziert. Das heißt unter anderem: faire Arbeitsbedingungen, keine genmanipulierten Zutaten, keine synthetischen Dünger. „Das finde ich aus Überzeugung gut.“ Die Cashews kommen aus Vietnam, werden dort bei Vertragsbauern gekauft. Das Design hat eine befreundete Grafikagentur entworfen. „Ansonsten bin ich eine One-Man-Show. Ich fahre morgens in die Märkte, spreche mit den Leuten, die Regale einräumen, dann ins Büro, mache meine Buchhaltung, beantworte bei Instagram Kommentare und Fragen, fahre dann auf dem Rückweg noch einmal an einem Markt vorbei. Dann geht es weiter.“ Irgendwann im Herbst wird Edmund Bruns dann wissen, ob seine Dips genug Fans gewonnen haben.

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