Denksport-Rätsel

Die Entdeckung in der Schlucht

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Im Denksport-Rätsel suchen wir den Namen eines Ortes, der heute eine große Touristenattraktion ist.

Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir veröffentlichen täglich unsere Rätsel-Kolumne. Los geht’s!


Johann Ludwig Burckhardt reiste von Damaskus nach Kairo. Im Auftrag einer englischen Forschungsgesellschaft sollte der junge Schweizer Schwarzafrika erkunden – ein um 1812 in abendländischen Gelehrtenkreisen noch weitgehend unbekanntes Territorium. Die Etappe nach Kairo war erst der Beginn des großen Abenteuers, doch bereits hier gelang dem Reisenden seine vielleicht größte Entdeckung. Irgendwo zwischen Syrien und Ägypten hörte Burckhardt aufregende Gerüchte über eine in den Bergen des Wadi Musa (Tal des Moses) verborgene, antike Stadt. Der fließend arabisch sprechende Forscher tarnte sich als muslimischer Händler, der das Gelübde geleistet hatte, am Grabmal des Propheten Haroun (Aaron, Bruder des Moses) eine Ziege zu opfern. Dieses Grabmal liegt im Wadi Musa. So fand Burckhardt Gelegenheit, die umliegenden Berge zu durchstreifen.

Am 22. August 1812 ritt der Forscher in eine lange, tief in den Fels geschnittene Schlucht. Der Weg, stellenweise lediglich drei Meter breit, führte beständig bergab. Am Ende des dunklen Einschnitts leuchtete eine säulengeschmückte Fassade, in einem Stück aus rosarotem Sandstein gehauen – das „Schatzhaus des Pharao“, wie die Beduinen den prachtvollen Bau nannten. Eifrig skizzierte Burckhardt die Entdeckung. Nach Veröffentlichung seiner Tagebücher rückte die geheimnisvolle Stadt endlich in den Blickpunkt archäologischer Recherche, und man erkannte den Ort als antike Metropole der Nabatäer.

Dieses biblische Volk beherrschte zu Zeiten um Christi Geburt die Region. Ihre in den Felsen des Wadi Musa verborgene Hauptstadt bot zeitweise 20.000 Menschen Platz, ließ sich leicht verteidigen und lag strategisch günstig am Schnittpunkt einiger Karawanenstraßen: Die Nabatäer kassierten Schutzgelder bei Reisenden oder überfielen sie – ein lukratives Gewerbe, wie die Ausstattung ihrer Metropole mit Wasserleitungen, Kunstwerken und Amphitheater beweist.

Nach dem Verlöschen der Nabatäer-Dynastie geriet die Stadt in Vergessenheit. Der Schweizer Burckhardt war nach 500 Jahren der erste Europäer, der sie wieder besuchte.

Heute ist der Ort eine viel besuchte Touristenattraktion, obwohl der Weg dorthin noch immer ausschließlich zu Fuß oder per Reittier kilometerweit durch die enge Schlucht führt. Wie heißt die antike Nabatäerstadt?

Die Antwort steht morgen im Abendblatt. In der Mittwochausgabe fragten wir nach dem Namen eines US-amerikanischen Präsidenten: Theodore Roosevelt (1858-1919).