Denksport-Rätsel

Als Heinrich IV seine Bußfertigkeit demonstrierte

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Im Denksport-Rätsel suchen wir heute den Namen einer Burg in Oberitalien.

Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Los geht’s!


Heinrich IV. stand barfuß im Schnee, der eisige Wind durchblies den groben Stoff seines Bußgewandes. Seit drei Tagen wartete er im Burghof auf eine Papstaudienz. Die Burg lag 689 Meter hoch auf einem Felsen am Abhang des nördlichen Apennins, und der Winter 1076/77 war besonders hart. Daheim in Speyer und Worms hatten sich ausgehungerte Wölfe bis in die Stadt vorgewagt. Eine Alpenüberquerung im Winter galt als Tortur. Aber der 26-jährige Heinrich hatte sie bestanden – notgedrungen.

Seit der Herrschaft der Karolinger besetzten die jeweiligen Reichsoberhäupter innerhalb ihres Machtbereiches hohe Kirchenämter ohne Mitsprache des Papstes. So nutzten sie die finanzielle und administrative Leistungskraft der Kirche für ihre Zwecke. Nicht selten manipulierten die Könige sogar die Besetzung des Papstthrons zu ihren Gunsten. Heinrichs Vater hatte 1046, als sich drei Päpste zu gleicher Zeit das höchste Kirchenamt anmaßten, kurzerhand alle drei absetzen und einen Kandidaten aus eigenem Gefolge wählen lassen, der ihn im Gegenzug dafür zum Kaiser krönte.

Zwischen Kirchenreformern und den deutschen Königen kam es zum Investiturstreit. Papst Gregor VII. drohte König Heinrich mit Absetzung. Heinrich erklärte daraufhin seinerseits den Papst für abgesetzt. Gregor VII. zog als Trumpfkarte den Kirchenbann: Heinrich durfte weder die Messe besuchen noch ein Sakrament empfangen. In jeder Stadt, die sich nicht offiziell von ihm lossagte, verhüllten die Pfarrer die Altarkreuze, ließen die Glocken verstummen und schlossen die Kirchen. Sie führten weder Taufen noch Letzte Ölungen durch. Die Klöster stellten die Armenspeisungen ein, wiesen Kranke und Gebrechliche an den Pforten ab. Das zeigte Wirkung. Herzöge, Grafen und Städte kündigten Heinrich die Gefolgschaft und stellten ein Ultimatum: Gelänge es ihm nicht, bis zum 22. Februar 1077 vom Kirchenbann erlöst zu sein, werde man einen anderen König wählen.

Der vierte Tag im luftigen Bußgewand brachte den Durchbruch – Gregor VII. empfing Heinrich IV. und zog den Bann unter der Bedingung zurück, als Oberhaupt der Christenheit anerkannt zu werden. Sein artig geleistetes Versprechen hinderte Heinrich allerdings nicht daran, sieben Jahre später seines Vaters Beispiel zu folgen: Er etablierte einen Gegenpapst und ließ sich zum Kaiser krönen.


Wie heißt der Schauplatz von Heinrichs kalter Buße?
Die Antwort steht morgen im Abendblatt. In der Dienstagsausgabe suchten wir den Namen einer englischen Stadt. Gemeint war Hastings.