Gesundheit

Die Segeberger sollen in Schwung kommen

Wandern hält fit. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten Bewegung in der Woche mit moderater Intensität oder 75 Minuten in hoher Intensität.

Wandern hält fit. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten Bewegung in der Woche mit moderater Intensität oder 75 Minuten in hoher Intensität.

Foto: NDAB Creativity / Shutterstock/NDAB Creativity

Drei Kommunen aus der Region beteiligen sich am bundesweiten Pilotprojekt. Ziel ist, dass die Menschen körperlich aktiver werden.

Kreis Segeberg.  Die Zahlen sind alarmierend: Mehr als die Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland ist übergewichtig. Die Folgen dürften den meisten Menschen bekannt sein, aber das bringt Couch-Potatoes auch nicht unbedingt auf Trab: Übergewicht führt oft zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verursacht manche Krebsarten und Diabetes. Und Deutschland gehört weltweit zu den Nationen, in denen die Menschen am allerwenigsten in Schwung kommen. Das hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) anhand einer Studie festgestellt.

Im Kreis Segeberg haben viele Menschen jetzt die Chance, das zu ändern – wenn sie es denn wollen. Denn hier gibt es drei von bundesweit sechs Kommunen, in denen die Bewegung quasi per Amtserlass gefördert wird. Ein Pilotprojekt für die Gesundheit mit einem Namen, der so amtlich anmutet, dass er kaum guten Gewissens niedergeschrieben werden kann: „Kommunale Bewegungsförderung zur Implementierung der Nationalen Empfehlungen (KOMBINE)“. Das klingt unbeweglich und eher abschreckend, ist aber gut gemeint.

Ziel des bundesweiten Projektes, das von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen gefördert wird, ist es, die Menschen in Schwung zu bringen. Auf kommunaler Ebene will der Kreis Segeberg modellhafte Strukturen für eine Bewegungsförderung aufbauen. Und zwar einerseits wissenschaftlich fundiert, andererseits sehr praxisnah.

Trappenkamp, Fahrenkrug und Weddelbrook machen mit

Drei Städte und drei Kreise aus Deutschland nehmen daran teil, darunter auch Marburg, Stuttgart und Solingen. Im Kreis Segeberg machen Trappenkamp, Fahrenkrug und Weddelbrook mit, weitere Orte können dazustoßen.

Als Koordinatorin hat Anna Oeltjen aus der Kreisverwaltung die Fäden in der Hand und versucht, den jeweils Verantwortlichen in den Orten im wahrsten Sinne des Wortes Beine zu machen. „Ich bin zu den Bürgermeistern gegangen und habe das Projekt vorgestellt“, sagt die Kreismitarbeiterin, die ihre Werbeaktivitäten demnächst ausweiten will. Die Bürgermeister wiederum haben Planungsgruppen ins Leben gerufen. Weil den Mitarbeitern in diesen Gruppen klar gemacht wurde, dass es keines Marathon-Trainings bedarf, um sportlicher und gesünder zu leben, purzelten die Ideen für Projekte, die viel mit dem Alltagsleben zu tun haben.

Oft sind es kleine, eher unauffällige Schritte: Die Gemeinde Weddelbrook hat im Juni 23 Bänke und zwei Sitzgruppen aufgestellt. Damit sollten die Bewohner eher nicht zum Sitzen, sondern zum Wandern und Spazierengehen animiert werden. Denn sie wurden auf mehreren Rundwegen verteilt, die bis zu fünf Kilometer lang sind.

30 Helfer aus dem Dorf investierten fünf Stunden Arbeit. Bürgermeister Stefan Gärtner freut sich über die Aktion: „Hier können Menschen, die keine langen Strecken gehen können, in kurzen Abständen eine Pause machen.“ Im Dorfhaus wird eine Karte mit den neuen Wanderwegen ausgehängt.

Eine Wandergruppe trifft sich zwei- bis dreimal im Monat

In Fahrenkrug hat sich eine Spaziergang-Gruppe gebildet: „Gemeinsam spazieren und klönen“ ist das Motto dieser Gruppe, die sich alle zwei Wochen trifft. Außerdem gibt es eine Wandergruppe, die sich zwei- bis dreimal im Monat trifft. In Trappenkamp entsteht eine moderne Leichtathletikanlage.

Das sind noch keine großen Schritte, aber ein Anfang ist gemacht. Darüber ist Anna Oeltjen auch froh. Denn laut einer Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland aus dem Jahre 2013 sowie der Motorik-Modul-Längsschnittstudie von 2019 bewegen sich rund vier Fünftel der Erwachsenen und drei Viertel der Kinder in Deutschland deutlich zu wenig. „Weltweit liegt Deutschland damit in der zweithöchsten Kategorie des Bewegungsmangels“, sagt Anna Oeltjen. „Dabei verbessert ein körperlich aktiver Lebensstil die Gesundheit von Menschen in jedem Alter.“

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten Bewegung in der Woche mit moderater Intensität oder 75 Minuten in hoher Intensität. Außerdem sollten an zwei Tagen in der Woche muskelkräftigende Aktivitäten auf dem privaten Fitnessprogramm stehen. Säuglinge und Kleinkinder bis drei Jahre sollten sich so viel wie möglich bewegen; Kindergartenkinder ab vier Jahren sollen eine Bewegungszeit von 180 Minuten oder mehr pro Tag erreichen. Ab dem Grundschulalter gilt: mindestens 90 Minuten Bewegung am Tag.

All diese Zahlen, Daten, Fakten und Möglichkeiten will die Kreisbewegungskoordinatorin Anna Oeltjen in den Amtsausschüssen des Kreises Segeberg vorstellen, um möglichst viele Gemeinden für KOMBINE zu begeistern. Ihr Wunsch ist es, dass sich auch größere Gemeinden und Städte aus dem Kreis an dem Projekt beteiligen, um die Einwohner jeden Alters in Schwung zu bringen.