Demografie

Der Kreis Segeberg – bezahlbar und lebenswert

Zum 31. Dezember 2019 lebten 277.175 Männer und Frauen zwischen Bornhöved im Norden und Norderstedt im Süden.

Zum 31. Dezember 2019 lebten 277.175 Männer und Frauen zwischen Bornhöved im Norden und Norderstedt im Süden.

Foto: Marijan Murat / picture alliance / dpa

Das Bevölkerungswachstum 2019 zeigt, dass immer mehr Großstädter ihre neue Heimat im nördlichen Umland Hamburgs suchen.

Kreis Segeberg.  Bei uns finden die Menschen beides: Arbeit und Leben“, sagt Segebergs Landrat Jan Peter Schröder über die Attraktivität des Landkreises. Und die zeige sich auch darin, dass die Zahl der Segeberger kontinuierlich wächst. Zum 31. Dezember 2019 lebten 277.175 Männer und Frauen zwischen Bornhöved im Norden und Norderstedt im Süden. Das sind 1143 oder 0,41 Prozent mehr als Ende 2018.

Damit kann der nach Pinneberg bevölkerungsstärkste Landkreis in Schleswig-Holstein auch landesweit punkten: Stärker zugelegt haben nur die Kreise Schleswig-Flensburg (+0,56 Prozent), Pinneberg (0,54 Prozent) und Rendsburg-Eckernförde (+0,48 Prozent).

Kaltenkirchen und auch Bad Bramstedt sind die Gewinner

Vor allem Hamburger zieht es ins nördliche Umland. Gerade junge Paare, die eine Familie gründen wollen oder schon Kinder haben, finden angesichts der teuren Immobilien in der Metropole kaum noch bezahlbare Häuser oder Eigentumswohnungen mit ausreichend Platz und einem Garten. Doch auch hinter der Stadtgrenze haben die Preise in den letzten Jahren angezogen, die Folge: Die Großstädter weichen immer weiter aufs Land aus – ein Trend, der sich in den Bevölkerungszahlen des Statistikamts Nord widerspiegelt.

So zählen Kaltenkirchen und Bad Bramstedt zu den Gewinnern der Wanderung. In Kaltenkirchen stieg die Einwohnerzahl laut Statistikamt während des Vorjahrs um 296 oder 1,36 Prozent auf 22.109. Bad Bramstedt verzeichnete 353 Neubürger (+2,5 Prozent) und hatte Ende des vergangenen Jahres 14.773 Einwohner. In Norderstedt lebten Ende des Vorjahrs 79.357 Menschen, 198 oder 0,25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor (die Statistik der Stadt Norderstedt und des Landes unterscheiden sich: laut Stadtverwaltung leben 80.867 Bürger in der Stadt).

Für Henstedt-Ulzburg schloss das Jahr 2019 mit einem Plus von 34 Einwohnern (+0,12 Prozent) ab – die größte Stadt im Kreis und die größte Gemeinde verfehlten den Durchschnittswert klar.

Nicht alle können sich Norderstedt als Heimat leisten

„Das liegt an der Nähe zu Hamburg“, sagt Norderstedts Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder. Dadurch seien die Mieten und Kaufpreise für Immobilien in der Regel höher als beispielsweise in Bad Segeberg. Manche Menschen, so Roeder, würden gern nach Norderstedt ziehen, könnten sich das aber wegen ihrer finanziellen Lage nicht leisten. „Henstedt-Ulzburg hat ein moderates Wachstum mit einer entsprechend mitwachsenden Infrastruktur als Ziel, was die relativ geringe Bevölkerungszunahme erklärt“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Schmidt. In den vergangenen Jahrzehnten sei dieses Ziel mit einer schnellen Bevölkerungszunahme zum Teil etwas vernachlässigt worden.

In der Peripherie Norderstedts zeigt sich sogar ein gegensätzlicher Verlauf. Während Ellerau um 100 Einwohner (1,6 Prozent) wuchs, verlor Tangstedt im Kreis Stormarn 14 Einwohner (-0,21 Prozent). Plausibel erklären kann Bürgermeister Jürgen Lamp den Rückgang nicht. „Es könnte sein, dass ältere Mitbürger, die Haus und Garten aufgeben wollen, keinen Platz in einer altengerechten Einrichtung finden und deswegen in Städte und Gemeinden in der Nachbarschaft abwandern.“ Die Gemeinde sei mit ihrem dörflichen Charakter, dem vielen Grün und der Nähe zu Hamburg nach wie vor beliebt. „Wir haben viele Anfragen, aber leider zu wenige Grundstücke“, sagt Lamp.

In Ellerau hingegen wurden Mehrfamilienhäuser mit 40 Wohnungen gebaut. Bürgermeister Ralf Martens nennt den dörflichen Charakter sowie die Nähe zur Autobahn 7 und die gute Anbindung mit der AKN als Standortvorteile. Die Grundschule und 330 Kita-Plätze seien attraktiv für junge Familien. Auch Martens wünscht sich mehr Bauflächen, aber: „Da gilt es, dicke Bretter zu bohren.“ Kaltenkirchen habe die Infrastruktur in einem Rundumpaket kontinuierlich ausgebaut, Wohnungen für alle Altersgruppen gebaut, Gewerbeflächen ausgewiesen, den Einzelhandel erweitert, die Betreuung von kleinen Kinder und Schülern verbessert.

„Dennoch wollen wir unsere Struktur weiter verbessern, eine Daueraufgabe“, sagt Bürgermeister Hanno Krause. „Bad Bramstedt ist eben einfach ein schönes Städtchen“, sagt Bürgermeisterin Verena Jeske. Kleinstädtisches Flair mit dem Bleeck als reizvolle Mitte, viel Grün drumherum, man könne hier entspannt rausgehen und Luft tanken. Die Lagegunst mitten im nördlichsten Bundesland sei ein weiteres Pfund, mit dem Bad Bramstedt wuchern können. Die Stadt profitiere vom Preisdruck im Speckgürtel direkt um Hamburg. Da gelte es, weitere Wohnbauflächen wie im Flächennutzungsplan ausgewiesen, zu erschließen.

Doch da sieht die Verwaltungschefin ein Problem: „Bei der Glasfasertechnologie und damit verknüpftem schnellen Internet haben wir Nachholbedarf, da müssen wir unbedingt was tun.“

Da sind der Kreis insgesamt und Norderstedt als digitale Vorzeigestadt schon deutlich weiter: „Der Kreis Segeberg verfügt zu mehr als 90 Prozent über Breitbandausbau und zu rund 65 Prozent über Glasfaser“, sagt der Landrat, der als Ziel eine hohe Lebensqualität für alle nennt. Gerade mit Blick auf die alternde Bevölkerung sei die medizinische Versorgung von Bedeutung. Um die zu verbessern, habe der Kreistag ein umfassendes Maßnahmenpaket beschlossen.