Norderstedt

Gott spricht – mit der Stimme des Ex-Bürgermeisters

Die Jugendlichen der Musiktheater-Akademie überzeugten mit Talent und Spielfreude.

Die Jugendlichen der Musiktheater-Akademie überzeugten mit Talent und Spielfreude.

Foto: Heike Linde-Lembke

Musiktheater-Akademie führte im Festsaal am Falkenberg das Musical „Monty Python’s Spamalot“ auf. Ex-Bürgermeister mit dabei.

Norderstedt.  Welch markante Stimme aus dem Off! „Was blödelt ihr da so sinnlos in Camelot rum?“ Wer spricht? Gott. Er verkündet den dämlichen Rittern den Heiligen Gral. Wenn sie endlich aufhören, ihm unters Nachthemd zu schielen. „Macht hin, die Leute da unten im Saal haben ja nicht den ganzen Abend Zeit!“, treibt die Gottesstimme die Ritterschar im voll besetzten Festsaal am Falkenberg bei der Premiere zum Musical „Monty Python’s Spamalot“ der Musikschul-Akademie an.

Ex-Bürgermeister gibt Gott eine Stimme

Und wer spricht Gott? Seit 1998 hat der markante Bariton als Oberbürgermeister über Norderstedt geherrscht. Bis 2017, bis der Chefsessel im Kieler Innenministerium lockte. Hans-Joachim Grote lieh „Spamalot“ seine Stimme, und dass der jetzige Innenminister Schleswig-Holsteins immer noch gut ankommt in Norderstedt, zeigte der große Applaus von „den Leuten da unten im Saal“.

„Er hat sofort mitgemacht und hörbar viel Spaß gehabt“, sagt „Spamalot“-Regisseurin Silke Ahrens-Rapude. Das war es aber auch mit Norderstedt in „Spamelot“. Denn bis auf den Coup mit der Grote-Stimme und einigen Text-Sprengseln wie „Norderstedt ist eine Stadt voller Kulturträger“ und dem Lied „Kommt es nicht vom Broadway, interessiert es hier keine Sau“ blieb eine fröhliche Satire auf Norderstedts 50. Geburtstag aus, und aus „Spamalot“ wurde kein „Norderlot“. Chance verpasst. Auch die, mit der Rolle des jüdischen Artus-Begleiters Patsy, ein witzig und intelligent spielender Benjamin Mende, eine satirische Breitseite auf den Antisemitismus zu bringen.

Jugendliche samt Tanz-Ensembles im Festsaal am Falkenberg

Dafür drehten die 40 Jugendlichen voll Spielfreude auf. Tobias Frist war als König Artus dauerpräsent, was er mit Konzentration meisterte. Hingucker war Marit Leste als Fee vom See Guinevere. Herzzerreißend, wie die mehrfache „Jugend musiziert“-Siegerin mit ihren Song „Wann geht’s hier wieder mal um mich“ chargierte und schluchzte.

Entzückend war das Schwulen-Paar Conor Rave als Sir Lancelot und Jonas Teuber als Prinz Herbert. Urkomisch gab Leon Dombrowski Herberts Vater, den musikhassenden König vom Sumpfschloss. Hinreißend auch die Tanz-Ensembles, die unter der Leitung von Choreografin Silke Ollenburg über die Bretter flitzten.

„Monty Python’s Spamalot“: Musiktheater-Akademie trat Musical auf

Getragen wurden die Sängerinnen und Sänger vom Profi-Orchester unter der Leitung von Frank Engelke, das rasant den Wechsel von Schnipseln aus „Anatevka“ zu „Cats“, „Miss Saigon“ bis zum „Phantom der Oper“ meisterte.

Ein Manko war wie bei früheren Produktionen der Musiktheater-Akademie die Tonanlage, die beispielsweise die Stimme von Tobias Frost derart schrill übersteuerte, dass es in den Ohren schmerzte. Schade um den Gesang.