Norderstedt
50 Jahre – 50 Köpfe

Dieser Mann setzt andere ins richtige Licht

Ulf Woitakowski auf der Bühne im Liveclub Music Star am Harksheider Markt.

Ulf Woitakowski auf der Bühne im Liveclub Music Star am Harksheider Markt.

Foto: Thorsten Ahlf

Ulf Woitakowski sorgt seit 15 Jahren im Music Star fürs rechte Licht auf der Bühne – und schimpft den Oberbürgermeister aus.

Norderstedt.  Der Club ist Legende. Musiker aus der ganzen Welt geben hier Live-Konzerte, meist auf halbem Weg zwischen zwei Gigs in Holland und Dänemark. Ins rechte Licht taucht Ulf Woitakowski die Bands im Music-Star am Harksheider Markt. Seit gut 15 Jahren ist der Krankenpfleger für die Lichtanlage und Bühnentechnik in Norderstedts einzigem Live-Musik-Club verantwortlich.

Als verlängerter Arm von Wolfgang Sedlatschek, der den Music Star 1997 gegründet hat und für das Booking der Bands und den Sound zuständig ist, duldet Ulf Woitakowski niemanden während des Konzertes, der am Lichtschalter herumspielt. Das müssen sogar Oberbürgermeister akzeptieren.

Eher zufällig entdeckte Ulf Woitakowski seine neue Leidenschaft. Irgendwann um 2005 herum sei er in den CD-Laden von Sedlatschek am Harksheider Markt gekommen, um dort seine alten LPs digitalisieren zu lassen. Die beiden Musik-Kenner und passionierten Konzertgänger kamen schnell ins Gespräch und freundeten sich an. Ulf Woitakowski macht auch selbst Musik in einer Band, er spielt Bass und Gitarre. „Ich habe schon vor 40 Jahren die Sommerfeste mit Live-Musik für die alten Leute im AK Ochsenzoll organisiert.“ Daran fühlte er sich erinnert, als er im Music Star anfing und bald für Licht und Bühne alleinverantwortlich wurde.

Woitakowski setzt andere ins richtige Licht

In den Räumen des Music-Stars hat bis Mitte der 1990er Jahre noch ein echter Schumacher sein Handwerk betrieben und maßangefertigte Schuhe zusammengenäht. Auf der Bühne veranstaltete ein Klamottenladen regelmäßig Modenschauen. Das Gebäude gehörte der Familie von Wolfgang Sedlatschek, der hier anfangs drei bis fünf Konzerte im Jahr organisierte. Im vorigen Jahr waren es 97 Live-Auftritte von Singer-Songwritern, Folk-, Country-, Blues- und Rockgruppen. Und alle hat Ulf Woitakowski im Rhythmus der Musik in den buntesten Farben ausgeleuchtet.

Ein Geheimnis, warum der Music-Star bei den Bands aus aller Welt so beliebt ist, ist das Videomaterial, dass sie anschließend mit nach Hause nehmen können, sagt Woitakowski. Acht Kameras zeichnen jede einzelne Phase des Konzertauftritts in Norderstedt auf. Die Live-Mitschnitte nutzen die Bands dann für eigene Werbezwecke. Deswegen treten sie hier auch für kleinere Gagen von nur ein paar Hundert Euro auf. Obwohl sie andernorts große Hallen füllen. Die Besucher haben freien Eintritt und können freiwillig ein paar Euro spenden, wenn ihnen das Konzert gefallen hat.

Spenden allein reichen nicht – Mitglieder ermöglichen Auftritt

Diese Spenden reichen meist nicht einmal, um die kleineren Gagen zu tragen. Und so sorgen die 320 Mitglieder, die 60 Euro im Jahr beisteuern, regelmäßig dafür, dass die Kosten für Hotelübernachtungen und Verpflegung der Musiker getragen werden können und der Laden weiterlaufen kann. Ein Hotelzimmer sponsere die Stadt. Den Rest übernehme Sedlatschek, erklärt Ulf Woitakowski das eingespielte Erfolgsmodell, der natürlich völlig ehrenamtlich ohne jede Gage seine Aufgabe an der Lichtorgel erfüllt.

Rund 12.000 Konzerte habe er wohl schon im Music-Star ausgeleuchtet, schätzt Ulf Woitakowski. Nur wenige Termine habe er wegen irgendwelcher Nachtschichten im Krankenhaus absagen müssen. Dass er nur halbtags arbeite, käme ihm bei dieser Freizeit-Leidenschaft zugute. „Sonst könnte ich das gar nicht machen.“

Die Bands würden ihnen die Bude einrennen. „Wir könnten hier jeden Tag zwei Konzerte machen“, sagt Woitakowski. „Es gibt regelmäßig Anfragen von Bands aus New York und Los Angeles. Die kulturelle Bedeutung des Music-Stars in Norderstedt ist nicht hoch genug einzuschätzen.“

Irland trifft Deutschland – Lisa Canny reicht nach Norderstedt

Und das Publikum, das aus begeisterten und fachlich versierten Stammgästen bestehe, täte sein Übriges, dass sich die Bands hier wohlfühlten. Dabei passt Woitakowski auf, dass alle gut sehen und das Geschehen auf der Bühne verfolgen können. „Es dürfen nicht zu viele Schatten entstehen. Das ist besser für das Feeling im Raum“, sagt der Lichtmeister. Er lasse bei der Bedienung der Farbenblitze, Stroboskope, Nebel und Spezialeffekte die Musik auf sich wirken. „Zu 99 Prozent treffe ich den richtigen Ton für das Farbenspiel.“

Jedes Konzert sei anders, immer wieder spannend. Da träfe eine Lisa Canny aus Irland erst eine halbe Stunde vor Konzertbeginn in Norderstedt ein und spiele dann ohne Probe und Soundcheck einfach los und der Auftritt sei grandios. Einmal, 2017, habe es so geregnet, dass der halbe Club unter Wasser stand und erst trockengelegt werden musste, bevor es losging. Ein richtiges Gänsehautgefühl erzeugte im November der sensationelle Auftritt von Miles Nielsen, der spontan ein Stück auf einen bekannten Kräuterlikör improvisierte und mit einer liebevollen Hymne auf den Music-Star und seine Macher verband.

Woitakowski schimpft den Oberbürgermeister aus.

Zurückpfeifen musste er einmal einen bekannten Gast im Music-Star, erzählt Woitakowski. Hans-Joachim Grote, damals noch Oberbürgermeister, lehnte sich bei einem Konzert der texanischen Bluessängerin Patricia Vonne so ungeschickt an die Wand, das plötzlich der Music-Star hell erleuchtet war. „Kannst du mal bitte das Licht wieder ausmachen“, habe er ihn angeblafft, sagt Woitakowski, der jeden Gast duzt.

Peinlich drückte Grote den Schalter – nur um ihn kurz darauf erneut aus Versehen zu bedienen. Was natürlich ein großes Gelächter unter den Zuschauern auslöste.

Am Sonnabend, 15. Februar, tritt Ulf Woitakowski selbst mit seiner Band „Memberz“ im Music-Star als Vorband von Bluesbox aus Eutin auf, Marktplatz 11, 20 Uhr. Eintritt wie immer frei, Spende erwünscht!