50 Jahre Norderstedt

Wie Norderstedt zu seiner zweiten Heimat wurde

| Lesedauer: 5 Minuten
Burkhard Fuchs
Rashid Alassani lebt seit fast 15 Jahren in Norderstedt, wo er sich inzwischen wie zu Hause fühlt

Rashid Alassani lebt seit fast 15 Jahren in Norderstedt, wo er sich inzwischen wie zu Hause fühlt

Foto: Thorsten Ahlf

Rashid Alassani aus dem Togo kam vor 15 Jahren in die Stadt. Heute arbeitet er als Koch und Grillmeister im Norderstedter Strandbad.

Norderstedt.  Seine große Familie ist weit verstreut in alle Welt. Nur noch zwei seiner 18 Geschwister leben in seinem Heimatland Togo. So war es auch für Rashid Alassani, der im Mai 50 - so alt wie Norderstedt - wird, früh klar, dass er sein Lebensglück in Europa suchen muss. In Norderstedt hat es der lebenslustige Mann mit dem beständigen Lächeln offenbar gefunden. „Norderstedt ist zu meiner Heimat geworden. Hier fühle ich mich wohl“, sagt Alassani, den alle seine Freunde und Bekannten nur bei seinem Vornamen Rashid nennen, und der fünf Sprachen weitgehend fließend spricht.

Die Liebe führte ihn in den Norden Deutschlands, erzählt er. Schon mit Anfang 20 machte sich der gelernte Tischler auf den Weg. „Ich wollte von zu Hause weg und nicht mehr in Armut leben“, erklärt er dieses Fernweh. Zunächst zog er nach Frankreich. Die Franzosen hatten Togo und seine etwa 7,5 Millionen Einwohner bis 1960 im Auftrag des Völkerbundes verwaltet und dann in die Unabhängigkeit entlassen.

Alassani: „Ich bin ein moderner Moslem. Ich mag alles.“

In Paris leben seine Schwester Oda und Bruder Abbas. 19 Kinder hat sein Vater mit vier Müttern großgezogen. Die muslimische Religion macht die Vielehe in Togo möglich. Auch Rashid Alassani ist gläubiger Moslem. „Ich bin ein moderner Moslem. Ich mag alles.“ Alassani sagt, er bete in der Moschee, aber er trinke auch mal Alkohol und esse selten Schweinefleisch. Schließlich müsse er als Koch und Grillmeister im Norderstedter Strandbad probieren, was er den Gästen dort auftischt.

In Frankreich blieb er nicht lange, zog weiter nach Zwolle in Holland, wo er eine Frau kennen- und lieben lernte, die er heiratete. Seitdem hat er auch die holländische Staatsbürgerschaft neben seiner togolesischen. Doch diese Ehe verlief nicht glücklich und wurde wieder geschieden, und so zog Rashid Alassani bald weiter nach Deutschland, wo in München seine Schwester Kadira lebt. Ein befreundeter Landsmann, Muta, lud ihn zu einer Party nach Norderstedt ein, wo er dann seine große Liebe Mara kennenlernte, mit der er etwa zehn Jahre zusammenlebte.

Immer in Eile – kein Gast wartet lange auf die Bestellung

Rashid Alassani weiß sich immer zu helfen und scheut die Arbeit nicht. In einer Disco in Norderstedt lernte er jemanden kennen, der ihm einen Job als Kellner anbot. Er fing in der Küche im Arriba-Bad an zu arbeiten und wechselte später zum Strandbad im Norderstedter Stadtpark, wo er mal kellnert, mal kocht und mal grillt – je nach Anforderung und Jahreszeit. Im Sommer werde er mehr in der Küche im Strandbad und im Winter mehr im Erlebnisbad gebraucht.

Rashid Alassani macht das nichts aus. Er ist flexibel. Denn bei aller Hektik, wenn 400 Gäste beim After-Work-Abend im Strandbad ungeduldig, hungrig und durstig sind, behält der Mann aus Togo jederzeit die nötige Ruhe und Gelassenheit. Kein Gast wartet lange auf seine Bestellung. Stammgäste überrascht er, indem er ihnen sofort das Bier oder den Aperitif an den Tisch bringt, noch bevor sie es bestellt haben. Er ist aufmerksam und merkt sich die Vorlieben der Gäste – ein Glücksfall, der ihn in der Gastronomie bei Wirt und Kunden so beliebt macht. „Du musst locker bleiben und immer schnell und zuverlässig sein“, erklärt Rashid Alassani seine Arbeitsmoral als Kellner und Koch. Das zahlt sich auch beim Trinkgeld aus.

Lächeln hält den Norderstedter gesund

Dabei hilft ihm seine offene, freundliche und immer höfliche Art, die sich auf die Gäste und wieder zurück auf ihn zu übertragen scheint. „Ich lache immer“, sagt Rashid Alassani. „Das ist mein Leben. Wer lächelt, bleibt gesund“, sagt er über sein Lebensmotto. „Norderstedt macht mich gesund.“ Wenn er mal schlechte Laune habe, was selten und meist nur wegen des kalten Wetters passiere, stelle sich bei der Arbeit sofort wieder die gute Laune ein. Kann er nicht arbeiten, werde er krank. Sein Heimatland Togo besucht er einmal im Jahr für ein paar Wochen, meist im Winter. Dann bringt er oft einen halben Hausstand mit. Regelmäßig schicke er einen Container mit alten Fernsehern, Klamotten und Haushaltsgeräten nach Togo, die er dort weiterverkauft.

So hat er sich in Togo einen kleinen Wohlstand aufgebaut und zwei Häuser errichten können, von denen eines vermietet und das andere von seiner Familie bewohnt sei.

Doch zurück nach Afrika möchte er nicht mehr. Dafür lebe er schon zu lange hier in Europa, sagt Rashid Alassani. Einen Traum hat er aber dennoch. Irgendwann in ein paar Jahren möchte er in Norderstedt seine eigene kleine Kneipe haben, wo die Gäste sich gut unterhalten, feiern, trinken, Afrikanisch essen, Live-Musik hören und tanzen. „Sowas fehlt hier noch in Norderstedt.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt