Norderstedt
Kreis Segeberg

Kripo-Chef: Wir wollen, dass die Bürger sich sicherer fühlen

Ist mit seinen Kollegen immer den Einbrechern im Kreis Segeberg auf der Spur: Kriminalrat Sebastian Schodrowski.

Ist mit seinen Kollegen immer den Einbrechern im Kreis Segeberg auf der Spur: Kriminalrat Sebastian Schodrowski.

Foto: Wolfgang Klietz

Sebastian Schodrowski berichtet, wie er mit seinen Kollege gegen Einbruchskriminalität im Kreis Segeberg vorgeht.

Kreis Segeberg.  Die Situation ist einmalig und bedrückend: In der Polizeidirektion Segeberg mit den beiden Kreisen Segeberg und Pinneberg wird so oft eingebrochen wie nirgendwo anders in Schleswig-Holstein. Die Polizei reagiert darauf mit Maßnahmen, die ebenfalls einmalig im Land sind: Bei der Kripo in Pinneberg arbeitet eine feste Gruppe von 19 Ermittlern, die kreisübergreifend Täter verfolgt und Gemeinsamkeiten und Strukturen analysiert.

Im sogenannten Sachgebiet 4 arbeiten elf Kriminalbeamte und acht Schutzleute auf einem Flur. Die Wege sind kurz, man kann auf Zuruf arbeiten. „Das Sachgebiet ist einmalig in Schleswig-Holstein“, sagt Kripo-Chef Sebastian Schodrowski. Ihr Ziel ist klar: „Wir wollen, dass die Bürger sich sicherer fühlen.“

14 Täter hat die Polizei seit Oktober festgenommen, zwölf davon auf frischer Tat. „Das ist eine gute Zahl“, sagt Schodrowski. Damit habe die Polizei bereits zu Beginn der Saison eine Serie von Einbrüchen verhindern können. Von Januar bis Oktober dieses Jahres zählte die Polizei 282 Delikte. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 403 (wir berichteten). „Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Einbruchs zu werden, sinkt“, sagt Schodrowski.

Schwerpunkt liegt in diesem Jahr in Rellingen

Das Sachgebiet ist in diesem Jahr aus der kreisübergreifenden Sonderkommission „Wohnung“ hervorgegangen, die in der Hochsaison der Einbruchskriminalität während der dunklen Jahreszeit stark besetzt war, außerhalb jedoch nicht. Das neue Sachgebiet ist eine feste Institution mit einer gleichbleibend hohen Zahl an Beamten. „Das wird auch auf absehbare Zeit so bleiben“, sagt Schodrowski. Auch die Aufgaben hätten sich nicht verändert.

Die Sonderkommission war 2017 nach den positiven Erfahrungen der Hamburger Soko „Castle“ entstanden, die mit hohem personellen und materiellen Einsatz große Erfolge im Kampf gegen die Einbruchskriminalität verbuchen konnte.

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Der Tag beginnt im Sachgebiet 4 jeden Morgen mit der Lagebesprechung und der Frage: Wo ist eingebrochen worden? In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt im Raum Rellingen. Im vergangenen Jahr gab es laut Schodrowski eine extreme Häufung in der Stadt Kaltenkirchen.

Norderstedt gehörte viele Jahren zu den Orten mit den höchsten Zahlen, doch bislang ist es dort vergleichsweise ruhig geblieben. Ein Einbruch wie der am Donnerstag gehört bislang zu den Ausnahmen. Der oder die Täter stiegen zwischen 16.30 und 20.45 Uhr an der Ulzburger Straße gewaltsam in eine Erdgeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses ein und erbeuteten Barfeld und Parfüm. Die Pinneberger Kriminalbeamten suchen jetzt Zeugen.

Täter fürchten heute ihre Verhaftung mehr als früher

Dass die Kripo erfolgreich arbeitet, führt Schodrowski darauf zurück, dass die Ermittlungen zentral geführt werden. Früher hat jede Dienststelle ihre Fälle bearbeitet. Der Kommunikationsaufwand sei sehr hoch gewesen, wenn man sich einen Überblick verschaffen wollte, sagt Schodrowski.

Die Ermittler arbeiten eng mit benachbarten Dienststellen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen zusammen. Weitere Gründe für den Erfolg sind nach Schodrowskis Einschätzung eine offensive Öffentlichkeitsarbeit mit Zeugenaufrufen und die zunehmende Wachsamkeit der Bevölkerung.

Die Ermittler vermuten außerdem, dass sich die Zahl der Festnahmen und die intensive Arbeit der Polizei bei den Tätern herumgesprochen hat. Sie müssen heute eher fürchten, entdeckt zu werden als noch vor wenigen Jahren.

Ermittlungen sind meist kompliziert und komplex

Die Ermittlungen sind zumeist kompliziert und komplex, weil die Polizei es mit unterschiedlichen Tätertypen und Einbruchsmethoden zu tun hat. Manche reisen zu Beginn der Saison vom Balkan oder aus Chile an, andere kommen aus der Region. Auch ihre Methoden wie Aufhebeln oder Aufbrechen unterscheiden sich, manche beherrschen auch mehrere. „Professionelle Täter sind flexibel“, sagt Schodrowski.

Gestohlen werde alles, was leicht zu transportieren sei. Ganz oben stehen Bargeld und Schmuck, der bei Hehlern abgesetzt werde oder eingeschmolzen wird, wenn er aus Gold besteht. „Die Verwertungswege sind vorhanden“, sagt der Kripo-Chef. „Darum versuchen wir auch, die Hehlerstrukturen aufzudecken.“

Schodrowski und seine Kollegen glauben jedoch nicht, dass sich die Arbeit der Ermittler in den kommenden Jahren weiter reduzieren wird. „Die Anreize für Täter, in diese Region zu kommen, sind nach wie vor hoch“, sagt der Chef der Kriminalpolizei.