Norderstedt
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Obdachloser stirbt auf öffentlicher Toilette

„Hinz&Kunzt“-Verkäufer Jan hatte bereits einen Platz im Winternotprogramm der Stadt. Er ist bereits der zweite tote Obdachlose in Norderstedt.

Norderstedt.  Jan (63) starb mitten unter uns und doch ganz allein. Der Obdachlose wurde am 9. November in einer öffentlichen Toilette in Norderstedt-Mitte leblos aufgefunden. In jener Nacht lagen die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt. Die Polizei geht von einem natürlichen Tod aus. „Jan war ein ganz angenehmer Zeitgenosse, er hat schon lange auf der Straße gelebt“, sagt Jana Meyer, Sozialarbeiterin bei der Tagesaufenthaltsstätte (TAS) in Norderstedt.

Bei dem diesjährigen Winternotprogramm der Stadt seien für Jan und seinen Kumpel, die gemeinsam in einem Zelt lebten, bereits Plätze in einem der beheizten Wohncontainer reserviert gewesen. „Es ist sehr traurig. Seine Bekannten trauern um ihn, er war beliebt hier“, sagt Meyer.

Winternotprogramm der Stadt Norderstedt ist kürzlich gestartet

Jan ist bereits der zweite Obdachlose, der in diesem Jahr in Norderstedt starb. Laut Jana Meyer lag im Sommer ein obdachloser Mann, Mitte 40, tot in seinem Zelt. Zu einem möglichen dritten Todesfall gibt es nur Vermutungen, der Mann wird schon lange vermisst. „Auf der Straße ist man an solche Fälle leider gewöhnt.“

Das Winternotprogramm der Stadt Norderstedt ist kürzlich gestartet. Bis zu 20 Obdachlose finden in den Notunterkünften einen Schlafplatz, in einen Container passen vier Betten. „Wir achten auf die Belegung, um Konflikte unter den Bewohnern zu vermeiden“, sagt Jana Meyer. Die TAS koordiniert wie schon in den vergangenen Jahren die Vergabe der Schlafplätze. Wer abends zu einer bestimmten Uhrzeit erscheint, bekommt wieder dasselbe Bett. In einem separaten Raum stehen verschließbare Spinde für das Hab und Gut der Obdachlosen bereit. Zudem gibt es erstmals mobile Toiletten mit Handwaschbecken. Tagsüber bleiben die Container allerdings geschlossen.

Kein einziger Obdachloser ist im Winter 2018/19 in Norderstedt erfroren

Ein genauer Standort wird öffentlich nicht bekannt gegeben, um eine Sogwirkung in der Metropolregion zu verhindern. Die TAS spricht Obdachlose, die nicht bereits dauerhaft in einer städtischen Unterkunft untergebracht sind, gezielt an. Sie erhalten einen Berechtigungsschein. Unabhängig vom Winternotprogramm gibt es am Standort Langenharmer Weg und an der Oadby-and-Wigston-Straße jeweils ein Notfallzimmer, das durch die Polizei auch nachts oder am Wochenende über ein Zahlenschloss belegt werden kann.

Im vergangenen Winter haben im Durchschnitt bis zu neun Menschen pro Nacht das Angebot der Stadt genutzt. Das geht aus einem Bericht der TAS hervor. Über den gesamten Zeitraum von Mitte November bis Anfang April mussten nur drei Personen abgewiesen werden, weil es keine freien Container mehr gab. Kein einziger Obdachloser ist im Winter 2018/19 in Norderstedt erfroren.

Auch in Hamburg starben kürzlich zwei Obdachlose

Jan war der dritte Obdachlose, der in diesem November innerhalb weniger Tage verstorben ist. Auch in der Hamburger Innenstadt wurden zwei Tote auf ihrer Platte gefunden. Zwei der drei Todesopfer waren laut „Hinz & Kunzt“ für das Straßenmagazin als Verkäufer tätig. Jan stand abwechselnd vor Penny am Harksheider Markt und am Bahnhof Norderstedt-Mitte. Seit 2010 hat er das Magazin, das obdach- und wohnungslosen Menschen eine Stimme verleiht, verkauft. „Er war ein freundlicher Mensch“, sagt Stephan Karrenbauer, Sozialarbeiter bei „Hinz & Kunzt“.

Die Stadt Hamburg habe genügend freie Plätze für Obdachlose, sagt Karrenbauer, zudem sei ihr Programm stark verbessert. „Trotzdem bringt eine Einrichtung mit 400 Leuten immer Stress.“ Und das schreckt die Menschen ab. Stattdessen schlafen sie trotz eisiger Kälte lieber im Freien, weil sie dort ihre Ruhe haben. „Außerdem sind viele Obdachlose psychisch und physisch so angeschlagen, dass sie ihre Situation nicht richtig einschätzen können“, sagt Karrenbauer. Und dann würden sie erfrieren.

Für Obdachlose sind die Notunterkünfte in Norderstedt wegen ihrer kleineren Kapazität wesentlich angenehmer. „Dort ist es kleiner und feiner und bei den Menschen deshalb beliebter“, sagt Karrenbauer.