Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Ulrike Schmidt will neue Bürgermeisterin werden

Die 46 Jahre alte Eutinerin Ulrike Schmidt arbeitet derzeit für die OSZE, leitete unter anderem ein Regionalbüro in Nord-Mazedonien.

Die 46 Jahre alte Eutinerin Ulrike Schmidt arbeitet derzeit für die OSZE, leitete unter anderem ein Regionalbüro in Nord-Mazedonien.

Foto: Christopher Herbst

SPD präsentiert die 46-Jährige als Kandidatin für die Bürgermeisterwahl in Henstedt-Ulzburg. Amtsinhaber ist Konkurrent.

Henstedt-Ulzburg.  Die erste Frage stellt sich Ulrike Schmidt gleich selbst: „Wer ist die Frau, die sich in Henstedt-Ulzburg für das Bürgermeisteramt bewirbt?“, sagt sie zur Begrüßung. Die Antwort werden die Menschen in der Gemeinde mit Interesse lesen: 46 Jahre alt, Eutinerin, ohne bisherigen Bezug zum Ort, eine studierte Romanistin und Anglistikerin mit einem Masterabschluss in „Konfliktlösung“, derzeit noch tätig für die OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa). In Nord-Mazedonien leitete sie ein Regionalbüro, begleitete den Aufbau kommunaler Verwaltungen im ehemaligen Jugoslawien. Derzeit ist sie noch als freie Beraterin tätig.

In Nord-Mazedonien sammelte sie Verwaltungserfahrungen

Ab Mitte 2020 soll ihr Lebensmittelpunkt ein anderer sein. Die Henstedt-Ulzburger SPD hat Schmidt als Kandidatin für die Wahl am 1. März präsentiert, sie soll Amtsinhaber Stefan Bauer ablösen. Wie die Sozialdemokraten auf die gebürtige Preetzerin gekommen sind? Horst Ostwald, Chef der Fraktion und Mitglied der Findungskommission, holt etwas aus. Über Anzeigen in Zeitungen und auf Onlineportalen habe man acht Bewerbungen erhalten. „Wir haben uns dann eine gewisse Zeit mit den Personen befasst, sind aber letztlich an die Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik herangetreten.“

Deren Vorsitzender Thies Thiessen gilt in Schleswig-Holstein als Spezialist für kommunale Wahlkämpfe, als Mann mit einem guten Händchen für Personen und Kampagnen. Ein Beispiel war der überraschende Sieg von Verena Jeske bei der Bürgermeisterwahl in Bad Bramstedt im Oktober 2018.

Ulrike Schmidt entschied sich, nach Schleswig-Holstein zurückzukehren. Und hier kam sie in Kontakt mit Thiessen, der ein Netzwerk von SPD-nahen Kandidatinnen und Kandidaten pflegt, die für Wahlen in Frage kommen. Schmidt äußerte Interesse an einer Tätigkeit in einer Verwaltung. „Ich habe in Nord-Mazedonien viel mit Verwaltungen, mit Bürgermeistern zusammengearbeitet. Dort habe ich das Interesse für das Amt entwickelt. Ich weiß, es ist keine einfache Aufgabe, aber ich denke, ich bringe die Voraussetzungen mit.“

In Kaltenkirchen traf sie sich mit den Henstedt-Ulzburger Sozialdemokraten. „Wir sind positiv in das Gespräch hinein- und noch positiver wieder herausgekommen“, erinnert sich Horst Ostwald. Schmidt ist kein Parteimitglied, kommt aber aus einer „sozialdemokratischen Familie“, wie sie es nennt. „Ich möchte die Verwaltung überparteilich leiten. Es ist durchaus von Vorteil, dass ich nicht Mitglied einer Partei bin“, sagt sie.

Was für den Ortsverband ebenso wichtig ist: Ulrike Schmidt ist eine externe Kandidatin, sie ist unbelastet von den ständigen Querelen zwischen Verwaltung und Fraktionen. Und sie ist eine Frau – die SPD hatte von vornherein das Ziel verfolgt, eine Herausforderin aufzustellen.

Persönlich beschreibt sich Schmidt, die in fester Partnerschaft lebt und keine Kinder hat, als „zielstrebig und lösungsorientiert“. Sie sei eine Teamplayerin. „Ich kann aber auch schwierige Entscheidungen treffen. Ich bin gerne mit Menschen beschäftigt. Ich finde, dass jeder Mensch etwas zu geben hat.“ Als Leiterin des OSZE-Regionalbüros habe sie 30 Mitarbeiter „aus allen möglichen Ländern“ gehabt. „16 Gemeinden wurden an uns übergeben, das war eine Herausforderung.“

Der Wahlkampf soll so „bürgernah wie möglich“ sein

Auf zentrale Ortsthemen will sie im Detail noch nicht eingehen, nennt aber schon einige Ziele: bezahlbarer Wohnraum und innovative Wohnkonzepte; nachhaltige Wirtschaftspolitik mit Investitionen in die Infrastruktur des Ortskerns und Ansiedlung möglichst emissionsarmer Betriebe; einen Ausbau der Radwege und des ÖPNV inklusive Verlängerung der S 21 bis Kaltenkirchen und der U 1 bis Ulzburg-Süd; die Schaffung kultureller Anziehungspunkte rund um Rathaus und Marktplatz.

Wie der Wahlkampf, der laut Schmidt jetzt „losgeht“, aussehen wird? „So bürgernah wie möglich.“ Online (www.ulrike-schmidt-h-u.de) will sie regelmäßig informieren. In Bad Bramstedt gewann Verena Jeske auch, weil sie explizit auf Haustürgespräche setzte. Das könnte in Henstedt-Ulzburg ebenso ein probates Mittel sein. Thies Thiessen sagt, jede Gemeinde sei anders gestrickt. „Es ist kein Geheimnis, dass es eine maßgeschneiderte Kampagne gibt. Aber jede Kampagne hat ihre Besonderheiten. Und wir müssen sehen, wie viele Mitbewerber es gibt, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.“

Bisher ist nur die erneute Kandidatur von Stefan Bauer bekannt, während CDU, Grüne und WHU noch suchen. Ob sich mehrere politische Lager auf eine Person einigen, ist offen, gilt aber als nicht ausgeschlossen. Die SPD will Ulrike Schmidt auf einer Mitgliederversammlung am Mittwoch, 23. Oktober
(19 Uhr, Bürgerhaus), offiziell nominieren. Die Veranstaltung ist öffentlich.