Norderstedt
Optimale Ausbeute

Warum der SV Henstedt-Ulzburg jedes Spiel gewinnt

Jennifer Michel, Cathérine Knobloch und Vera Homp (v. l.) haben in dieser Saison reichlich Grund zum Jubeln.

Jennifer Michel, Cathérine Knobloch und Vera Homp (v. l.) haben in dieser Saison reichlich Grund zum Jubeln.

Foto: Nils Göttsche

Jennifer Michel, Cathérine Knobloch und Vera Homp verraten das Erfolgsgeheimnis des Tabellenführers der Frauenfußball-Regionalliga.

Henstedt-Ulzburg. Bei den Fußballfrauen des SV Henstedt-Ulzburg ist nach dem furiosen Auftritt im Gipfeltreffen der Regionalliga Nord gegen Hannover 96, das der SVHU mit 4:1 für sich entschied, wieder der Trainingsalltag eingekehrt. Die Eindrücke aus dem souverän gewonnenen Topspiel gegen den Verfolger sind allerdings immer noch präsent – und sie dürften länger nachwirken.

Sieben Partien, sieben Siege

Siebenmal am Stück hat die Mannschaft von Trainer Christian Jürss nun schon als Sieger den Platz verlassen, ist mit 21 Punkten alleiniger Spitzenreiter der Staffel vor Hannover 96 (18 Zähler) – und damit der heißeste Anwärter auf den Titelgewinn.

Das Team, das in der zweiten Hälfte der vergangenen Saison ständig nachließ und am Ende krass einbrach, lässt sich einfach nicht stoppen. Doch worin liegt denn nun eigentlich das Geheimnis der imponierenden Erfolgsserie?

Viel Lob für den neuen Trainer

Drei Leistungsträgerinnen des SV Henstedt-Ulzburg verraten, wie sich der sportliche Umschwung seit Beginn der Serie 2019/2020 unter dem neuen Trainer Christian Jürss (33) vollzogen hat. Eine der wichtigsten Kräfte im Aufgebot ist Mannschaftsführerin Jennifer Michel. Die 23-Jährige ist auf dem Feld ein Leader, reißt die Mitspielerinnen mit ihrer selbstbewussten und emotionalen Art auf und außerhalb des Platzes mit – und sie trifft auch noch relativ konstant ins gegnerische Tor. Sollte die zähe Antreiberin ausfallen, wäre das eine spürbare Schwächung.

Munterer Konkurrenzkampf im Kader

„Entscheidendes hat sich ohne Frage durch die Verpflichtung von Christian Jürss verändert“, erklärt die offensiv ausgerichtete Mittelfeldspielerin, die seit 2012 beim SV Henstedt-Ulzburg kickt. „Unser Trainer redet Klartext und macht die nötigen Ansagen, das schätzen wir. Vor allem aber macht er alle Spielerinnen konditionell richtig fit. Davon haben wir in den bisherigen Partien profitiert. Wir haben Spaß am Fußball, das war zuvor nicht immer so.“

Die gute körperliche Konstitution der Spielerinnen hat aber auch teamintern positive Folgen, der Konkurrenzkampf ist in vollem Gange. Die meisten Spielerinnen sind reichlich angesäuert, wenn sie sich plötzlich auf der Reservebank wiederfinden. So reagiert auch Cathérine Knobloch (33), die älteste Akteurin der Regionalliga-Mannschaft.

Spaß beim SVHU ist wieder da

Die Innenverteidigerin, die ihre Karriere 1994 beim Niendorfer TSV begann, spielte von 2001 bis 2015 für den Nachbarn Hamburger SV. 2016 wechselte sie an den Schäferkampsweg. In den nächsten beiden Jahren folgte eine erlebnisreiche Zeit in der 2. Bundesliga unter Coach Tobias Homp. „Beim HSV war der Spaß nach der Abmeldung der Bundesliga-Frauenmannschaft im Jahre 2011 abhandengekommen“, sagt Knobloch. „In Henstedt-Ulzburg ist die Atmosphäre komplett anders. Wir sind alle gespannt, wohin das noch führt, wenn wir weiter so erfolgreich sind wie zum jetzigen Zeitpunkt auftreten.“

Die bekennende Anhängerin von Bundesligist Borussia Dortmund ist übrigens noch in anderer Funktion aktiv im Fußball engagiert: Sie ist zweimal pro Woche beim Nachwuchs-Kadertraining an der Ganztagsschule des Heidberg-Gymnasiums beschäftigt, das eine Kooperation mit dem HSV hat.

Die intensiven Übungseinheiten zahlen sich aus

HSV? Da war auch mal was bei Vera Homp. Die 28 Jahre Mittelfeldspielerin war dort von 2008 bis 2011 am Ball – zusammen mit Cathérine Knobloch. Heute gilt sie – wie Stürmerkollegin Alina Witt – als Urgestein beim SV Henstedt-Ulzburg. „Intensiveres Training zahlt sich aus. Und auch die Tatsache, dass wir hervorragende Neuzugänge bekommen haben“, sagt die dynamische Offensivkraft, die aktuell Stammspielerin im deutschen Frauen-Nationalteam der Polizei ist.

Auf die Frage, ob es für ihren Verein denn überhaupt Sinn macht, den Aufstieg in die eingleisige 2. Bundesliga anzustreben, antwortet Jennifer Michel so: „Der Ehrgeiz ist da. Aber ein Aufstieg würde uns alle sportlich vermutlich überfordern. Es wäre ein riesiger Aufwand – finanziell und auch persönlich.“ Zumindest die Voraussetzung für den Sprung nach oben will der SVHU aber schaffen: Der Regionalliga-Titel soll in dieser Serie auf jeden Fall her...