Norderstedt
Kreis Segeberg

Norderstedter Tanzschule im Visier des Disney-Konzerns

Tanzschulleiter Jussoff Khadjeh-Nouri bringt im November erstmals einen „Kinder-Tanz-Circus“ auf die Bühne. Der Winterschlitten und die anderen Requisiten werden dabei eine Rolle spielen.

Tanzschulleiter Jussoff Khadjeh-Nouri bringt im November erstmals einen „Kinder-Tanz-Circus“ auf die Bühne. Der Winterschlitten und die anderen Requisiten werden dabei eine Rolle spielen.

Foto: Burkhard Fuchs / fuchs

„Tanz-Centrum Die 3“ darf keine Stücke aufführen, an denen der US-Konzern die Rechte hält. Dennoch Aufführung im November.

Norderstedt.  Fast 25 Jahre führte die Norderstedter Tanzschule „Tanz-Centrum Die 3“ Tanz-Musicals mit Kindern für einen guten Zweck auf. Doch in diesem Jahr wäre die bei Kindern und deren Eltern so beliebte Benefiz-Veranstaltung, bei der bis zu 500 begeisterte Kinder auf der Bühne stehen, und die stets 500 bis 1000 Euro für die „Aktion Mensch“ einspielt, fast ins Wasser gefallen. Der Grund: Der Disney-Konzern hat über ein Münchener Anwaltsbüro seine Markenrechte geltend gemacht und verlangt, dass die Norderstedter Tanzschule keine Stücke oder Charaktere mehr aufführt, für die das „weltweit führende Entertainment-Unternehmen“ die Markenrechte besitzt.

Doch die Tanzschule hat einen Ausweg gefunden, wie im November nun doch wieder mehrere Hundert Jungen und Mädchen im Alter von vier bis 15 Jahren zeigen können, was sie gelernt haben. Anders als in den vergangenen Jahren werden die Vorführungen keinen an Disney-Produktionen erinnernden Titel tragen, sondern schlicht unter dem Titel „Kinder-Tanz-Circus“ über die Bühne gehen.

Urheberrechts-Diskussion mit Disney-Konzern

„Das war natürlich ein ziemlicher Schock“, sagt Jussoff Khadjeh-Nouri, der die Tanzschule am Harksheider Markt 1994 mit seiner Frau gegründet hat, als er im Juni zunächst einen Anruf und später ein Abmahnschreiben des Anwaltsbüros erhalten hat. Der Norderstedter, der von sich sagt, selbst ein leidenschaftlicher Disney-Fan zu sein, musste sich plötzlich einer Urheberrechts-Diskussion stellen und sich mit Plagiatsvorwürfen auseinandersetzen. Er hätte nie damit gerechnet, einmal ins Blickfeld der Rechtsabteilung des US-Unterhaltungskonzerns zu geraten, so Khadjeh-Nouri.

Allein schon die Aufzählung der vielen Anwälte, 193 an der Zahl, die für das Anwaltsbüro in München, Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt arbeiten, wirkte einschüchternd. Doch Khadjeh-Nouri erreichte schließlich eine Einigung mit dem Rechtsbeistand des Disney-Konzerns, mit dem er und vor allem seine von ihm betreuten Kinder und deren Eltern sicherlich gut leben können.

Hauptkritikpunkt der Disney-Anwälte war die Tanzveranstaltung im vorigen Jahr, die die „Hercules“-Heldengeschichte im Kulturwerk mit 500 Kindern auf die Bühne brachte. Diese Figur sei vollständig vom Disney-Konzern geschützt, der dafür die urheberrechtlich geschützten Eigentumsrechte für die Charaktere, die Geschichte und die Dialoge besitze, teilten die Anwälte mit. Und da die Norderstedter Tanzschule nicht die Lizenzrechte besitze, müsse sie von dieser Aufführung alle Fotos von ihrer Internetseite löschen und dürfe auch keine Filme oder Aufnahmen davon verbreiten. Dies gelte auch für die vorherigen Tanz-Musicals wie „Aladdin“, „Die Schöne und das Biest“ und „Dschungelbuch“, hieß es unmissverständlich in dem Schreiben.

Für die gute Sache gab Khadjeh-Nouri nach. „Wichtig ist uns, dass dieses Projekt, das fester Teil der Norderstedter Kinderangebote ist, weiter Bestand hat“, betont er. So führe die Tanzschule in diesem Jahr kein Stück mehr auf, das mit Disney in Verbindung gebracht werden könne. „Wir haben die Tanzveranstaltung völlig neu konzipiert“, sagt der Tanzschulchef. „Wie in einer Manege zeigen die Kleinen zur Freude von Eltern und Verwandten nun ihre erlernten Tänze. Darum nennen wir die Vorführung jetzt auch ,Kinder-Tanz-Circus‘“.

Tanzschule hat so viele Anmeldungen wie nie zuvor

Auf eine Internetpräsenz hat er in diesem Jahr gänzlich verzichtet, was Teil der außergerichtlichen Einigung mit dem Disney-Rechtsbeistand gewesen sei. Auch wenn einige der angesprochenen Punkte bereits verjährt gewesen seien, nahm er vorsorglich sämtliche Fotos und Filmchen von den früheren Stücken von seiner Internetseite.

Der Beliebtheit der Tanzschule bei der Norderstedter Elternschaft hat der Verzicht auf die vermeintliche Werbung mit Disney-Stücken- und -Charakteren auf keinen Fall geschadet. Ganz im Gegenteil: Mit 75 Anfängern seien so viele Kinder neu für diese Veranstaltung angemeldet worden wie noch nie zuvor. „Wir sind sehr froh und stolz, dass wir trotz der Auflagen mit fast 400 Kindern in die Saison starten können“, sagt Khadjeh-Nouri. All die bunten Kostüme, die die Kinder und ihre Eltern regelmäßig begeisterten, konnten noch rechtzeitig umgeschneidert werden.

Bei den Requisiten bedient sich Khadjeh-Nouri im Übrigen neuester Technik. Zwei 3-D-Drucker seien seit Monaten fast pausenlos in seinen 1000 Quadratmeter großen Räumlichkeiten im Keller des früheren Rathauses von Harksheide im Einsatz, um einen Teil der Zirkus-Atmosphäre künstlich herzustellen, erklärt der Tanzschulleiter, der in 23 Jahren mit seinen Kindertanz-Aufführungen nach eigenen Angaben genau 9974 Kinder aus Norderstedt und Umgebung für das Tanzen auf der Bühne habe begeistern können. Nun heißt es also bald: „Manege frei für den Norderstedter ,Kinder-Tanz-Circus‘.“