Norderstedt
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Tagsüber Kosmetikerin – abends roter Teppich

Profitänzerin und Fachkosmetikerin Christine Deck in ihrem Beautysalon "Beauty Moments" in der Kiebitzreihe in Norderstedt

Profitänzerin und Fachkosmetikerin Christine Deck in ihrem Beautysalon "Beauty Moments" in der Kiebitzreihe in Norderstedt

Foto: Annabell Behrmann

Ex-Profitänzerin Christine Deck ist durch RTL-Show „Let’s Dance“ bekannt geworden. In Norderstedt führt sie ein bodenständiges Leben.

Norderstedt.  Im Obergeschoss des Kosmetikstudios „beautymoments“ surrt die Nagelfräse. Das Geräusch übertönt den Revolverheld-Song aus dem Radio. Christine Deck feilt einer Stammkundin gerade die Nägel. Die Frauen reden über Privates – ihre Kinder, den Job und das anstehende Wochenende. Die 38 Jahre alte Deck kennt die Lebensgeschichten ihrer Besucherinnen, sie nennt jede beim Vornamen.

Im Prinzip ist die vertraute Atmosphäre nichts Besonderes in einem Schönheitssalon. Doch Deck führt ein Doppelleben. „Tagsüber arbeite ich als bodenständige Kosmetikerin. Abends verwandle ich mich innerhalb einer halben Stunde in eine Glamourlady und laufe über den roten Teppich“, sagt sie.

Die ehemalige Profitänzerin hat 2007 bei der RTL-Show „Let’s Dance“ Sänger Ben das Tanzen beigebracht. Seitdem ist die Norderstedterin selbst prominent. Mindestens einmal in der Woche lächelt Deck bei Musicalpremieren, Shoperöffnungen oder Wohltätigkeitsveranstaltungen in Hamburg in die Kameras der Fotografen. „Ich liebe meinen Job im Beautystudio. Aber ich brauche auch das Glamourleben“, sagt sie.

Ihre Wurzeln hat Deck trotzdem nie vergessen. Die einstige Vizeweltmeisterin über Zehn Tänze (Standard und Latein) ist in Glashütte aufgewachsen. Mit ihrem Freund André Warkotsch und Sohn Lenny (3) wohnt sie noch immer in Norderstedt-Mitte.

Nachdem Deck 2010 ihre Profikarriere beendet hatte, eröffnete sie noch im selben Jahr ihr Geschäft „beautymoments“. „Ich war ausgebrannt und wollte mit dem Turniertanzen nichts mehr zu tun haben“, sagt sie. Schon während ihrer Zeit als Leistungssportlerin, in der sie jeden Tag trainiert hat, absolvierte sie eine Ausbildung zur Fachkosmetikerin. „Meine Eltern haben immer darauf geachtet, dass ich neben dem Tanzen noch etwas Normales lerne.“

Das Schönheitsstudio befindet sich in einem Reihenhaus an der Kiebitzreihe und erstreckt sich über zwei Etagen. Von Wimpernextensions über Gesichtsbehandlungen bis hin zur klassischen Maniküre bietet Christine Deck so gut wie alles an, was schön macht. „Meine Kunden kommen nicht zu mir, weil sie mich aus dem Fernsehen kennen. Das wissen viele gar nicht“, betont sie.

Wer Deck zum ersten Mal die Hand schüttelt, könnte glauben, eine alte Freundin wiederzutreffen. Ihre Art ist herzlich, das Wesen offen. Neben ihrer Arbeit als Kosmetikerin bereitet sie seit eineinhalb Jahren Brautpaare auf den Eröffnungstanz vor. „Als eine Freundin mich gebeten hat, für sie eine Choreografie zu entwerfen, wurde mein Feuer fürs Tanzen wieder entfacht.“

Ortswechsel. Aus den Boxen dröhnt ein Discofox. Daniela Weltin-Flor (56) und ihr Mann Uwe Flor (61) proben ein letztes Mal vor ihrer Hochzeitsfeier in einem angemieteten Studio. Standesamtlich verheiratet sind sie bereits. Deck steht mit verschränkten Armen neben dem Paar, beobachtet und gibt Tipps. „Für mich ist es wichtig, dass ihr Spaß habt“, sagt sie. Drei Stunden hat die Tanzlehrerin gebraucht, um sich die Schrittfolge auszudenken.

Decks Alltag ist durchgetaktet. Um 8 Uhr fängt sie im Salon an, bleibt meistens bis 18 Uhr. Immer dienstags gibt sie im Anschluss bis 22 Uhr Tanztraining – wenn sie nicht gerade auf einer Promi-Veranstaltung eingeladen ist. „Im Sommer habe ich alle Anfragen abgesagt. Die Zeit mit meiner Familie war mir wichtiger.“ Doch die Saison auf dem roten Teppich, ihrem zweiten Zuhause, geht wieder los.

Und als wäre das nicht genug: Zurzeit lässt sie sich als Trainerin für das Fitnessprogramm „Dancit“ ausbilden. Tänzer Christian Polanc, der ebenfalls durch „Let’s Dance“ bekannt geworden ist, hat es entwickelt. „Ich liebe das, was ich mache. Deswegen laufe ich auch keine Gefahr, ein Burnout zu bekommen.“ Ihr Lebensmotto: „Ich kenne keinen Stress. Höchstens Strass“.

Das stammt im Übrigen von Karl Lagerfeld und passt fabelhaft zu Christine Deck. Taschenrechner und Stifte glitzern im Beautystudio, an der Wand im Eingangsbereich kleben Swarovski-Steine von einem alten Tanzkleid. Ein wenig Glamour gehört halt zu ihr.