Norderstedt
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Wie vier Schurken 200 Kinder einfangen

„Die Schurken“ zeigten, dass jeder Mensch Respekt verdient

„Die Schurken“ zeigten, dass jeder Mensch Respekt verdient

Foto: Heike Linde-Lembke

Das Quartett war im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals mit dem Programm „Unterwegs nach Umbidu“ im Kulturwerk zu Gast.

Norderstedt.  Der Nebel wabert, eine seltsames Ungetüm kauert auf der Bühne, ein finster dreinblickender Mann lacht irre, ein anderer kommt mit Regenschirm und Trödelkarren angerollt, wieder ein anderer auf einem Roller, während sich der vierte unter Stöhnen aus einem Tuch wickelt. Ist das hier Umbidu? Und wenn ja, gibt es hier auch Pizza?

Die Kinder im großen Saal des Kulturwerks sitzen mucksmäuschenstill, verfolgen das wundersame Spiel, lachen vergnügt, amüsieren sich prächtig über die schlunzigen Gestalten und schauen dem Spektakel eine Stunde lang fasziniert zu. Kein Kind quengelt, keinem ist langweilig. Die Schurken haben die Vier- bis Zwölfjährigen beim Kinderkonzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals fest in ihren Bann gezogen.

Mit einer Klarinette kann man auch telefonieren

Sie zeigen, dass ein Kontrabass auch eine Schlafstatt sein kann, wie man mit einer Klarinette telefoniert, dass ein Akkordeon, diese alte Quetschkommode, noch lange kein Mottenkisten-Instrument ist, und dass die Trompete reichlich vorlaut rumtröten kann. Das Ensemble „Die Schurken“ mit Klarinettist Martin Schelling, Trompeter Stefan Dünser, Bassist Martin Deuring und Akkordeonspieler Goran Kovacevic zeigt den Kindern mit seinem Programm „Unterwegs nach Umbidu“, dass man gemeinsam mehr bewirkt als allein, dass jeder jeden beschützen kann – und dass gegenseitiger Respekt den Einzelnen stark macht, auch wenn er noch so schräge drauf ist.

Als das Akkordeon erste zaghafte Töne spielt, um zu testen, wie die anderen reagieren, fällt die Trompete zart und gedämpft ein, die Klarinette singt eine leise Melodie, und der Kontrabass schrammelt dazu. Das ist so etwas wie eine tönerne Kontaktaufnahme der vier Männer, die alle nur eines suchen – Geborgenheit und Anerkennung.

Plötzlich sprechen alle Menschen dieselbe Sprache

Erst einmal erfinden sie eine gemeinsame Melodie, nach der Trompeter Stefan Dünser als ulkiger Schnellsprecher munter mehrere Sprachen mixt von Arabisch über Englisch, Niederländisch, Spanisch bis Hebräisch. Plötzlich sprechen alle Menschen dieselbe Sprache. Scheinbar so ganz zufällig lässt er einige Komponisten-Namen fallen, deren Musik dann prompt vom Quartett als Ohrwurm-Fetzen gespielt wird, beispielsweise von Györgi Ligeti und Béla Bartók. Die Kinder kennen weder die Namen noch deren Musik, aber was macht das schon, sie sind hellauf begeistert.

Stefan Dünser tanzt mit einem alten Transistor-Radio, der Kontrabass schrammelt Tango – und als alle gemeinsam auf dem Akkordeon spielen, bestellen sie sich eine riesengroße Papp-Pizza. Sehr zur Freude der Kinder!